Gewaltsamer Tod von zwei Trinkkumpanen: Verfahren eingestellt

Lüneburg - Zwei Erstochene, ein Angeklagter, ein Urteil, keine Strafe. In Lüneburg nahm das Totschlags-Verfahren gegen einen 49-Jährigen ein jähes Ende. Fast hätte er das Gericht als freier Mann verlassen.

Wegen einer Persönlichkeitsstörung des Angeklagten dürfte der gewaltsame Tod von zwei Männern aus dem Trinkermilieu in Celle ungesühnt bleiben. Das Landgericht Lüneburg stellte am Mittwoch das Verfahren gegen den 49-Jährigen per Urteil ein. Der Vorsitzende Richter sah deutliche Anzeichen für eine dauerhafte Verhandlungsunfähigkeit des Mannes. „Er ist neben der Spur“, fasste er die Erkenntnisse der Ärzte zusammen. Ein Gutachter hatte bei dem Angeklagten eine dissoziale Persönlichkeitsstörung mit paranoiden und schizophrenen Zügen erkannt. Auch dürfte zusätzlich eine hirnorganische Störung vorliegen, hieß es. (Az. 27 Ks/8107 Js 8737/12 (2/13))

Ein Sicherungsverfahren für eine dauerhafte Unterbringung war nicht eingeleitet worden. Nur weil die Staatsanwaltschaft kurzfristig einen neuen Unterbringungsbeschluss in einer anderen Sache erwirkt hatte, wurde der 49-Jährige nicht sofort auf freien Fuß gesetzt. Nach geltendem Recht ist es nicht möglich, im Hauptverfahren von einer Anklage wegen Mordes oder Totschlags auf eine Zwangsunterbringung umzuschwenken. Laut Anklage besteht weiterhin dringender Tatverdacht auch in zwei weiteren Fällen von schwerer Körperverletzung.

Der Angeklagte war nach der Tat in eine Psychiatrie eingewiesen worden. Er soll seine beiden 49 und 56 Jahre alten Bekannten im vergangenen September nach Streitereien misshandelt und dann auf sie eingestochen haben. Ihm wurde Totschlag in zwei Fällen vorgeworfen. Eines der beiden Opfer soll nach einem Bericht der „Celleschen Zeitung“ kurz vor der Tat gegen ihn in einem Verfahren wegen sexueller Belästigung ausgesagt haben.

Die Kammer hatte zu Prozessbeginn den Antrag der Verteidiger gebilligt, seine Verhandlungsunfähigkeit prüfen zu lassen. Auch die Anklageschrift war danach nicht mehr verlesen worden.

Der 49-Jährige hatte auch vor Gericht einen verwirrten Eindruck gemacht. Seine beiden Anwälte seien in Wirklichkeit ebenfalls Angeklagte und die beiden Toten lebten noch, behauptete er zum Auftakt des Verfahrens in der vergangenen Woche. Der Einarmige erschien gefesselt und in Begleitung von vier Pflegern vor Gericht.

Rubriklistenbild: © dpa

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