Bahnlinien und Autobahnen betroffen

Ein Toter und Verkehrschaos bei Unwetter im Norden

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Ein Mann kam im Kreis Uelzen ums Leben, als ein Baum auf seinen Transporter stürzte.

Rotenburg - Ein heftiger Sturm und starke Regenfälle haben am Donnerstag in Norddeutschland gewütet. Mindestens ein Mensch starb, der 50-Jährige wurde in Holdenstedt bei Uelzen in einem Auto von einer herabstürzenden Eiche erschlagen. Ganz in der Nähe wurde eine Radfahrerin ebenfalls von einem umkippenden Stamm schwer verletzt.

Im Kreis Harburg sorgte ein tornado-ähnliches Unwetter für zahlreiche Schäden. Dächer wurden abgedeckt, Scheunen fielen in sich zusammen, bis zum Mittag gab es 250 Einsätze für die Feuerwehr. Die Orkanböen, der heftige Regen und Hagel ließen zeitweise auch den Zugverkehr im Norden stillstehen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnete auch am Abend und in der Nacht weiterhin mit schweren Gewittern in der Region.

Auch in Hamburg wurde der Tornado beobachtet, dort gab es zunächst keine Berichte über Schäden. Der DWD berichtete, Meteorologen hätten den typischen Luftschlauch eines Wirbelsturms gesichtet, der aber nur kurz angehalten habe.

Vorsichtsmaßnahmen beim Hurricane

Glück hatten Zehntausende Besucher des Rockfestivals „Hurricane“ in Scheeßel zwischen Hamburg und Bremen. Dort baten die Veranstalter zwar am Morgen alle Festivalgäste inständig darum, wegen des erwarteten Unwetters so spät wie möglich anzureisen. Tatsächlich gab es im Kreis Rotenburg nach Auskunft der Feuerwehr aber deutlich weniger Schäden als anderswo.

Julia (24) aus Hamburg kam mit einer Handvoll anderer Gäste während des Unwetters eine halbe Stunde bei einem Landwirt direkt neben dem Festivalgelände unter. „Ein netter Bauer hat uns seinen Schuppen zur Verfügung gestellt“, berichtete die junge Frau. Im vergangenen Jahr hatte das Festivalgelände in Scheeßel großflächig unter Wasser gestanden, viele Zelte der Besucher soffen ab. „Wenn man das letzte Jahr miterlebt hat, macht man sich heute nicht so viele Gedanken“, sagte Julia entspannt am Nachmittag, als längst wieder strahlender Sonnenschein herrschte.

Auch in Holdenstedt bei Uelzen, wo ein Mann von einem umstürzenden Baum in seinem Auto erschlagen wurde, war am Nachmittag kaum hoch etwas von dem schweren Unwetter zu sehen. Vereinzelt begutachteten Menschen die Dellen an ihren Autos, die der Hagel hinterlassen hatte.

„Das war ein Tornado-Ereignis“

Im Kreis Harburg gab es die größten Verwüstungen in Niedersachsen, nach ersten Erkenntnissen aber keine Verletzten. „Die Spuren sprechen ein deutliches Bild hier. Das war ein Tornado-Ereignis“, sagte Feuerwehrsprecher Matthias Köhlbrandt. Der DWD konnte das zunächst nicht bestätigen, er sprach von einer großflächigen Gewitterzelle in dem Ort.

Zahlreiche Dächer wurden dort abgedeckt, eine Scheune fiel in sich zusammen. Außerdem krachten Bäume auf die Straßen. In Fliegenberg an der Elbe wurde eine Schafherde unter umgestürzten Bäumen begraben, zahlreiche Tiere verendeten.

Mehrere Schafe wurden bei Fliegenberg von umstürzenden Bäumen erschlagen.

Auch für viele Bahnreisende ging durch das Unwetter in Norddeutschland nichts mehr: Umgestürzte Bäume legten beinahe alle ICE-Strecken im Norden lahm. Die Strecken Hamburg-Berlin, Hamburg-Hannover, Bremen-Hannover und Hannover-Wolfsburg-Berlin wurden unterbrochen.

Die Bahn stellte den Verkehr wegen des heftigen Unwetters zeitweise zwischen Hannover, Hamburg, Kiel und Bremen ein. Das regionale Bahnunternehmen Metronom teilte mit, durch umgestürzte Bäume seien Strecken kaum oder nur mit großen Einschränkungen zu befahren. Betroffen waren die Linien von Uelzen, Bremen und Cuxhaven nach Hamburg.

Behinderungen auf den Autobahnen

Auf den Autobahnen in Niedersachsen gab es Behinderungen auf der A7 zwischen Hamburg und Hannover, dort warnte die Verkehrsmanagementzentrale vor Gefahr durch umgestürzte Bäume zwischen Evendorf und Bispingen. Ein Baum bremste auch den Verkehr auf der A1 zwischen Hamburg und Bremen bei Hollenstedt aus.

Der Wetterdienst sagte weitere schwere Gewitter für den Norden voraus. „Es bleibt spannend“, sagte Meteorologe Thomas Ruppert vom Deutschen Wetterdienst. „Am Abend und in der Nacht drohen im Norden weiterhin Gewitter mit Hagel und Starkregen.“ Für Festivalbesucher sei ein Unwetter im Freien natürlich gefährlich, etwa wenn Blitze einschlügen oder Panik wegen des Wetters aufkomme.

dpa

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