Händlerin aus Hannover will Bringdienst anbieten

Mobile Unverpackt-Läden kommen auf die Dörfer

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Hannover - Nudeln, Müsli oder Schokolade werden nur in wenigen Läden ohne Plastikverpackung angeboten - Unverpackt-Geschäfte gibt es meist nur in Großstädten. Das soll sich nun ändern. Eine Händlerin aus Hannover will demnächst auch die Dörfer beliefern.

Das Müsli rieselt aus dem Spender in ein Säckchen: Sandra Michel führt vor, wie ihr Unverpackt-Laden fast ganz ohne Plastik auskommt. In Hannover floriert das Geschäft, jetzt will Michel die Idee auch in entlegene Dörfer bringen. Allerdings nicht stationär, sondern mobil - „wie ein Eiermann", sagt die Inhaberin von „Edel-Unverpackt" in Hannover.

Im Unverpackt-Laden füllen die Kunden genau die Menge Lebensmittel ab, die sie brauchen.

In ihrem Laden füllen die Kunden genau die Menge Lebensmittel ab, die sie brauchen. Danach wird der Einkauf gewogen. Es sei fast wie früher, sagt Michel. Ein halbes Jahr nach der Eröffnung habe sie auch schon viele Kunden aus anderen Städten. Die kommen aber wegen der Entfernung nicht so oft. Mit dem Bringdienst soll es nun einerseits auf Wochenmärkte gehen, andererseits von Haustür zu Haustür. „Wenn das Geschäft schon das Image eines Tante-Emma-Ladens hat, dann kann es auch noch ein bisschen mehr wie früher sein", sagt die 41-Jährige. 

Seitdem der erste Unverpackt-Laden Anfang 2014 in Kiel eröffnete, sind rund 30 Geschäfte hinzugekommen. Bei „Edel-Unverpackt" in Hannover können Kunden Bio-Produkte in Behälter füllen, die sie von zu Hause mitgebracht haben. Für spontane Käufer hält Sandra Michel auch Papiertüten bereit. Neben Molkereiprodukten, Obst, Gemüse, Gewürzen und Süßigkeiten gibt es neuerdings auch Waschmittel und Allzweckreiniger. Michels Kunden kommen der Umwelt zu Liebe, aber auch, weil sie befürchten, dass der Kontakt des Plastiks mit den Lebensmitteln gesundheitliche Folgen haben könnte. 

Seitdem der erste Unverpackt-Laden Anfang 2014 in Kiel eröffnete, sind rund 30 Geschäfte hinzugekommen.

Anfangs gab es 150 Artikel, nun bietet Michel 200 an. Viele Ideen kamen von ihren Kunden. Bald will Michel sogar Hygieneprodukte wie Zahnpasta aus Kurkuma und Kokosöl herstellen - ganz ohne Plastiktube. Mehr als 30 Leute kommen täglich in den Laden, am Wochenende auch 50 bis 60. Auf so viele Kunden ist Sandra Michel angewiesen, nicht nur finanziell, sondern auch wegen der Mindesthaltbarkeitsdaten. Sie kauft auf Maß ein. Mit Blick auf das Kühlregal sagt sie: „Kurz bevor neue Ware kommt, sieht es aus wie in der DDR." Dennoch bleibt immer etwas übrig - das gibt sie dann einer Foodsharing-Organisation. Mit „Edel-Unverpackt" eröffnete Michel im Februar den ersten Unverpackt-Laden in Hannover, kurze Zeit später zog Michael Albert mit „Lola" dort nach. Auch in Osnabrück soll die Idee jetzt greifen. Zusammen mit einer Freundin will Sarah Karow-Lodter Mitte September „Tara unverpackt" aufmachen. „Wir wissen alle, was falsch läuft, ändern aber nichts", sagt die Gründerin. 

Jährlich landen drei Millionen Tonnen Kunststoffverpackung deutschlandweit beim Endkunden im Müll, berichtet die Referentin für nachhaltigen Konsum beim Naturschutzbund Nabu, Katharina Istel. Der Lebensmittelbereich hat daran einen großen Anteil. Etwa zwei Drittel des Verpackungsmülls werden nach ihren Worten nicht recycelt, sondern verbrannt, vieles landet auch in Parks und Flüssen. Die Unverpackt-Läden könnten das Problem aber nicht alleine lösen. „Der Druck auf die großen Supermarktketten wächst", sagt Istel. Diese müssten mutiger sein und Fleisch, Fisch und Käse wieder direkt in die Dosen der Kunden legen. Ein Edeka nahe der Schweizer Grenze probiere das schon aus. 

Anfangs gab es 150 Artikel, nun bietet Sandra Michel 200 an.

Dass Supermärkte auf den Unverpackt-Trend aufspringen, ist nicht realistisch, glaubt der Sprecher des Bundesverbands des deutschen Lebensmittelhandels (BVLH), Christian Böttcher. Die Größe der Märkte sei dabei das entscheidende Problem: Die Abfüllplätze müssten wegen der Hygiene immer sauber gehalten werden. „Das ist in der Größenordnung wahnsinnig schwer umzusetzen." Die Unverpackt-Läden mag er trotzdem. „Die Zielgruppe wird immer größer." Die Mehrheit der Käufer sei aber auf günstige Preise und ein größeres Sortiment angewiesen, für viele Kunden müsse der Einkauf auch ruckzuck gehen. Was die Supermärkte machen, ist für die Unverpackt-Läden zweitrangig. Wichtiger ist für sie, dass sich die Großhändler an den plastikfreien Verkauf anpassen. Dass Sojamilch nur in Tetrapacks angeboten wird, versteht Sandra Michel nicht. Und Sarah Karow-Lodter wünscht sich, dass ihr Großhändler auch Wein in Pfandflaschen führt.

dpa

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