Alfa sucht in niedersächsischen Räten Kandidaten für die Kommunalwahl

Unterwegs im fremden Revier

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Parteigründer Bernd Lucke

Hannover - Von Hans Willms. Die Partei „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ (Alfa) hat einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen, um ausreichend Kandidaten für die Kommunalwahl zu finden. In den nächsten Tagen erhalten alle rund 22000 Mandatsträger in Niedersachsen über ihre Kreis- und Rathäuser einen Brief vom Alfa-Landesverband, in dem sich die junge Partei vorstellt – und mehr oder weniger direkt fragt, ob sich die Adressaten nicht vielleicht vorstellen könnten, künftig bei Alfa mitzumachen.

„Es gibt viel zu tun. Sind Sie in Sorge, dass wir (...) erneut große Verluste der Volksparteien erleben und ähnliche Verhältnisse wie nach den Landtagswahlen vom 13. März haben werden?“, fragen in dem Brief unter anderem Parteigründer Bernd Lucke und Jens Paulsen als Vorsitzender des Alfa-Landesverbandes. Wer sich vorstellen könne, an einer „neuen, sachlich-konstruktiv und bürgernah arbeitenden politischen Kraft mitzuwirken“, könne gerne anrufen, heißt es, ergänzt mit dem dezenten Hinweis: „Diskretion ist selbstverständlich.“

Bei den amtierenden Ratsvertretern in der Region stößt die Aktion nicht ganz überraschend eher auf Skepsis und Ablehnung. Alfa sei bislang vor Ort noch nicht in Erscheinung getreten, sagt zum Beispiel Jens Richter. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Verdener Stadtrat meint: „Das ist nicht der richtige Weg, vielmehr ein merkwürdiges Verhalten.“ Bernd Wölbern (SPD), Sprecher der Mehrheitsgruppe im Rotenburger Kreistag, bezeichnet das Schreiben als „Wahlwerbung“ und „AfD light“.

Er kenne den Brief zwar noch nicht, aber die Strategie der jungen Partei sei schon überraschend, meint Dieter Engelbart, CDU-Ratsmitglied in Siedenburg und auch Kreistagsmitglied in Diepholz. „Das hört sich sehr interessant an.“ Eike Holsten hingegen möchte die Aktion nicht überbewertet wissen. „Wir sehen das gelassen, da unsere Fraktionsmitglieder allesamt gerne als Christdemokraten zusammenarbeiten“, sagt der Vorsitzende des Rotenburger CDU-Gemeindeverbandes.

Ob überhaupt alle Adressaten den Alfa-Brief erhalten, ist völlig offen. Bernd Bormann, Samtgemeindebürgermeister in Bruchhausen-Vilsen, hat das Paket mit den Briefen für seine Ratsmitglieder zwar noch nicht erhalten, wird sie im Falle eines Falles aber auch postwendend zurückschicken: „Für Parteienwerbung sind wir nicht zuständig.“

„Wir wollen keineswegs in fremden Revieren wildern“, betont Hergen Frerichs als Pressesprecher des Alfa-Landesverbandes. „Als junge Partei haben wir es schwer, überhaupt erst einmal einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erlangen. Für uns ist diese Aktion daher in erster Linie eine gute Möglichkeit, mehr in den Fokus der Menschen zu rücken.“

Dabei ist fraglich, ob die Lucke-Partei bei den Kommunalwahlen am 11. September überhaupt flächendeckend antreten kann. Auch Hergen Frerichs hält das für unwahrscheinlich und räumt kleinlaut ein: „Bis dahin werden wir nicht genügend potenzielle Kandidaten in unseren Reihen haben.“

Einen Kommentar zu dem Thema lesen Sie hier: Die falschen Adressaten

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