Elternkritik an Unterrichtsversorgung: 99,3 Prozent sind zu wenig

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD). Foto: Holger Hollemann/Archiv
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Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD).

Hannover - Bildungspolitik sorgt in Niedersachsen oft für Streit. Eltern- und Lehrerverbände sind besorgt und schlagen Alarm, wenn zu viel Unterricht ausfällt. Die Kultusministerin beschwichtigt: Sie sieht keine Probleme bei der Unterrichtsversorgung.

Die Sorgen von Eltern und Lehrern über zu viel Unterrichtsausfall an Niedersachsens Schulen sind nach Ansicht von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) unbegründet. „MeinHaus stellt die Personalversorgung zukunftssicher auf“, sagte sie am Donnerstag im Landtag in Hannover. Damit erntete sie umgehend Widerspruch aus der Opposition, aber auch von Eltern- und Lehrerverbänden.

Die FDP-Fraktion kritisierte, Eltern von Kindern aller Schulformen wunderten sich über eine Zunahme des Unterrichtsausfalls. Die Ministerin entgegnete, die Unterrichtsversorgung liege bei 99,3 Prozent. Sie betonte: „Ein Unterrichtsversorgungswert von unter 100 Prozent heißt keinesfalls, dass Pflichtunterricht ausfällt.“

An den Gymnasien würden zudem 100 zusätzliche Stellen geschaffen, Unterrichtskürzungen seien dort also nicht zu erwarten. Gymnasien hätten nach den Grundschulen die beste Unterrichtsversorgung, sagte Heiligenstadt. Sie warf der Opposition vor, diese wolle nur für Verunsicherung sorgen.

Der Verband der Elternräte der Gymnasien kritisierte dagegen, die Unterrichtsversorgung sei katastrophal. Der Philologenverband Niedersachsen, in dem Gymnasiallehrer zusammengeschlossen sind, sprach von einer „Spiegelfechterei mit Zahlen“. Die Landtagsdebatte habe einmal mehr gezeigt, wie mit Zahlen und statistischen Werten für die Öffentlichkeit ein Bild erzeugt werde, das mit der realen Situation an den Gymnasien nur wenig zu tun habe, kritisierte der Vorsitzende des Philologenverbandes, Horst Audritz.

Der schulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Kai Seefried, meinte: „Rund 99,3 Prozent Unterrichtsversorgung sind ein erschreckender Wert, der für viele Schulen Stundenausfall bedeutet.“ Sein FDP-Kollege Björn Försterling hielt der Ministerin vor, die Lage zu unterschätzen und nicht im Griff zu haben.

Die CDU kritisierte auch die Lage an den berufsbildenden Schulen, die im Schnitt deutlich schlechter sei als an anderen Schulformen. Im vergangenen Schuljahr habe die Unterrichtsversorgung dort bei lediglich 88,9 Prozent gelegen.

Die Gründe für Unterrichtsschwankungen seien vielschichtig, sagte Ministerin Heiligenstadt. So habe es etwa zum Stichtag 15. September 2015 durch den Flüchtlingszuzug rund 8000 Schüler mehr gegeben als zuvor prognostiziert.

Der Verband der Elternräte an Gymnasien wies dagegen daraufhin, dass zumindest an den Gymnasien die Flüchtlingskinder weitgehend noch gar nicht angekommen seien. Der Verband warnte, den Unterricht an den Schulen lediglich auf den Pflichtunterricht zu reduzieren, um so das „katastrophale Ausmaß der tatsächlichen Unterrichtsversorgung“ abzumildern.

Bisher sind nach Heiligenstadts Angaben von 1800 ausgeschriebenen Lehrerstellen im Lande 1410 besetzt - bis Ende Februar könne aber noch eingestellt werden. Auf der anderen Seite seien 1174 Lehrkräfte zum Schuljahr 2015/16 ausgeschieden.

dpa

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