Für Fahranfänger nur die neueste Autotechnik

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Das abgerissene Heck eines VW Golf liegt nach einem Verkehrsunfall in der Wolfsburger Innenstadt (Archivfoto vom 16.09.2009). Mit Tempo 140 war ein 19-Jähriger in seinem 170-PS-starken Wagen durch die Wolfsburger Innenstadt gerast. In den Wrackteilen sterben im Herbst des vergangenen Jahres der Fahrer und drei seiner Freunde (18 bis 20 Jahre), die er zur Spritztour eingeladen hatte.

Mit Tempo 140 rast der 19-Jährige in seinem 170-PS-starken Wagen durch die Wolfsburger Innenstadt. Er verliert die Kontrolle über das Fahrzeug. Der Wagen prallt gegen einen Baum und zerreißt. In den Wrackteilen sterben im Herbst des vergangenen Jahres der Fahrer und drei seiner Freunde (18 bis 20 Jahre), die er zur Spritztour eingeladen hatte.

Zu oft überschätzten junge Fahrer im Alter von 18 bis 24 Jahren ihre Fähigkeiten, meint Prof. Hans-Peter Krüger, Verkehrspsychologe an der Universität Würzburg. „Sie verkennen die tödliche Gefahr.“ Allein im Jahr 2008 starben 887 junge Autofahrer auf deutschen Straßen.

Stets nur an die Vernunft der Fahrer zu appellieren, helfe auf Dauer nicht, sagte Krüger am Rand des 48. Verkehrsgerichtstages in Goslar. Er regte deshalb an, dass Fahranfänger nur in technisch hochmodernen Autos unterwegs sein sollten. „Denn modernste Technik in den Fahrzeugen könnte die Folgen von Fahrfehlern junger Fahrer ausgleichen.“ Es gebe Untersuchungen, dass allein die sogenannte ESP-Technik (elektrisches Stabilitäts-Programm) die Zahl der tödlichen Unfälle um bis zu 30 Prozent reduzieren könnte, sagte der Forscher.

Einschneidende Erfolge könnten auch mit Kurvenunterstützungs- und Notbremssystemen erzielt werden. Stattdessen sei jedes zweite Fahrzeug von Fahranfängern älter als acht Jahre. Mehr als 80 Prozent von diesen Autos haben gravierende Sicherheitsmängel an den Bremsen, dem Fahrwerk und der Beleuchtung. So war 2008 nach Angaben des statistischen Bundesamtes jeder zweite an einem Unfall beteiligte 18- bis 24-Jährige in einem Auto unterwegs, das älter war als zehn Jahre. Nur jeder 15. verunglückte junge Fahrer saß in einem maximal zwei Jahre alten Wagen. Bei fast jedem dritten Unfall in dieser Altersgruppe hatte der Fahrer ohne Fremdeinfluss die Kontrolle über sein Auto verloren.

Experten fordern deshalb, die Ausbildung der Fahranfänger weiter zu verbessern. „Erfolgreiche Projekte wie das begleitete Fahren mit 17 sollten für alle Fahranfänger attraktiv gemacht werden“, sagte Prof. Dietmar Sturzbecher von der Universität Potsdam. Zwar sei es rechtlich schwierig, einem volljährigen Anfänger vorzuschreiben, zunächst nur in Begleitung zu fahren. „Aber das Alter darf hinsichtlich des Schutzes keine Rolle spielen.“ Allgemein gelten die ersten 10.000 Fahrkilometer als die kritischsten für Fahranfänger.

Sturzbecher regte deshalb an, im Ausland äußerst erfolgreich erprobte Einschränkungen für Fahranfänger zum Fahren bei Nacht oder zur Mitnahme von Jugendlichen zu überdenken. Zudem müsse in den Fahrschulen die ganzheitliche Vermittlung in den Vordergrund rücken, forderte Verkehrspsychologe Krüger. So könnten Simulatoren und Videoaufnahmen in den Fahrschulwagen gezielt bei der Abwehr von Gefahrensituationen helfen. Andere Experten schlagen eine Sicherheitsprämie für junge Fahrer oder einen Unfalldatenschreiber in deren Fahrzeug vor. Dass diese Maßnahmen nicht zum Nulltarif zu bekommen sind, sei klar, sagte Krüger. „Aber die Gesellschaft muss abwägen, ob sie diese Chancen nutzen will.“ Wenn ein junger Mensch verletzt oder gar getötet werde, wiege dies in jedem Fall weitaus schwerer als die Kosten für zusätzliche Investitionen in Technik.

Von André Jahnke und Matthias Brunnert

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