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Umweltfreundliches Reisen: Mit gutem Gewissen in den Urlaub

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Von: Andree Wächter

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Urlaub geht immer. Dabei wird CO₂ ausgestoßen. Um die Belastung auszugleichen, kann man Ausgleichszahlungen leisten.

Hannover. Mit dem Fahrrad zur Arbeit oder in einem Unverpacktladen einkaufen, im Alltag klappt es schon ganz gut, seinen ökologischen Fußabdruck klein zuhalten. Allerdings wird die so „angesparte“ CO₂-Menge im Urlaub verbraucht. Einer der Gründe: Die Anreise zum Urlaubsort und das dortige Verhalten. Kurzum: Nicht erst seit Corona steht die Reisebranche vor großen Herausforderungen.

Urlaub 2022: Wie kann ich nachhaltig reisen?

CO2-Fußabdruck pro Kopf11,1 Tonnen gesamt
davon Mobilität19%
Wohnen18%
Ernärung15% (Quelle: UBA, 2020)

Um seinen ökologischen Fußabdruck nicht zu groß werden zu lassen, kann der umweltbewusste Reisende eine Kompensationszahlung leisten. Diese Spende wird dann für Klimaschutzprojekte, Verringerung des Energieverbrauchs in Hotels oder Reduzierung der Abfallmengen verwendet. Laut einer Studie, auf die das Bundesumweltamt hinweist, verursacht der Tourismus rund 5 bis 8 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. „Achillesferse“ der Branche ist dabei die Mobilität, derzeit vor allem das Fliegen, sagt Norbert Fiebig, Präsident des Reiseverbandes DRV. „Das Ziel heißt: CO₂-neutrale Mobilität.“

Schnell zeigt man mit dem Finger auf die Flugbranche. Angeblich sollen sie der CO₂-Treiber sein. Diese pauschale Aussage stimmt nur in Teilen. Selbst ein Flug mit Ryanair kann umweltfreundlich sein – sofern man ins Flugzeug kommt. Ein Vergleich zwischen Flugzeug, Bahn und Auto ist schwer. Die Bahn wäre ökologischer, wenn sie zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien wie Wind oder Sonne fahren würde.

Bis zum grünen Fußabdruck ist es noch ein weiter
Weg in der Urlaubs-Branche.
Bis zum grünen Fußabdruck ist es noch ein weiter Weg in der Urlaubs-Branche. © lightsource

Ein Flugzeug verbraucht beim Start und der Landung am meisten Kerosin. Eine Alternative wäre Wasserstoff. Forscher haben eine entsprechende Brennstoffzelle entwickelt.

Bei den Werten spielt auch eine Rolle, mit wie vielen Personen die Bahn, das Auto oder Flugzeug unterwegs ist. Ist es voll besetzt, hat es pro Person einen geringeren Verbrauch als eins, wo jeder zweite Sitz leer ist. Bei Flugzeugen kann man noch den Platz pro Reisenden nennen. Ein Flugzeug mit engen Reihen und ohne Business-Class transportiert mehr Männer und Frauen. Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer der Umweltorganisation Atmosfair sagte im Deutschlandfunk: „Als Airline können Sie am meisten damit rausholen, dass Sie die Stühle, die da sind, dann auch voll machen.“

Umweltfreundlich in den Urlaub dank Ausgleichszahlungen

Derzeit setzen viele Veranstalter auf Ausgleichszahlungen. Vor allem auf einen Ausgleich der CO₂-Belastung über Atmosfair, Myclimate oder andere Anbieter, bei denen Reisende Flüge, Kreuzfahrten und anderes quasi kompensieren können, indem sie Geld spenden. Damit werden weltweit Projekte etwa zum Energiesparen oder zur Erzeugung von Ökostrom gefördert. Bei manchen Veranstaltern ist der Beitrag im Reisepreis enthalten, andere bieten Urlaubern eine freiwillige Kompensation bei der Buchung an.

Doch das reicht aus Sicht von Antje Monshausen von Tourism Watch bei Brot für die Welt nicht: „Im Fernreisesegment, wo sich Flüge meist nicht vermeiden lassen, sollten Urlaube seltener, dafür länger stattfinden, um so die Zahl der Flüge zu reduzieren.“ In den letzten Jahren habe sich die Aufenthaltsdauer verkürzt, zugleich sei die Zahl der Reisen pro Person gestiegen. „Wir stellen fest, dass alle Einsparungen aufgezehrt werden durch das Wachstum des Luftverkehrs. Wir brauchen technologische Lösungen und zugleich eine Verringerung der Flüge“, sagt Monshausen.

Der nächste Urlaub kann kommen. Um den CO₂-Ausstoß auszugleichen, setzen viele Veranstalter auf (freiwillige) Ausgleichszahlungen.
Der nächste Urlaub kann kommen. Um den CO₂-Ausstoß auszugleichen, setzen viele Veranstalter auf (freiwillige) Ausgleichszahlungen. © Antonio Guillem/Imago

Um schädliche Emissionen zu verringern, sollten Veranstalter zudem auf der Mittelstrecke in Europa andere Produkte anbieten, zum Beispiel vermehrt Anreisen mit dem Zug, mahnt Monshausen. Umweltexperten plädieren generell für eine möglichst kurze Anreisestrecke, wenn möglich mit Bus oder Bahn.

Die Realität sieht bislang allerdings anders aus: Der Anteil der beiden Verkehrsmittel bei Urlaubsreisen liegt nach DRV-Daten seit Jahren bei jeweils etwa sechs Prozent. Sogar die Lieblingsinsel der Bundesbürger, Mallorca, lässt sich ohne Flugzeug erreichen. Mit der Bahn und mit Fähren, die von wenigen Ausnahmen abgesehen allerdings mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, brauchen Urlauber beispielsweise aus dem Süden Deutschlands 11 bis 14 Stunden, wie Atmosfair vorrechnet. Dies ist alles Zeit, die vom Urlaub weggeht.

Umfrage: Klimaschutz im Urlaub ist wichtig

Doch wie steht es mit der Bereitschaft, Klimaschutz im Urlaub stärker zu berücksichtigen? Bei einer Umfrage im Auftrag des DRV gaben im vergangenen Jahr zwar 62 Prozent der Befragten an, dass die Klimafreundlichkeit einer Reise für sie wichtig oder sehr wichtig sei. 46 Prozent wären bereit, für eine Flugreise einen höheren Preis zu bezahlen, wenn damit CO₂-Emissionen kompensiert werden. 42 Prozent würden sogar eine verlängerte An- und Abreisezeit in Kauf nehmen. Allerdings haben sich erst 23 Prozent konkret über Möglichkeiten informiert, die Reise möglichst umweltschonend zu gestalten.

An diesem Punkt setzt der Reisekonzern DER Touristik an: „Durch die Erhebung eines CO₂-Abdrucks, den wir den Kunden transparent vermitteln wollen, wollen wir das Buchungsverhalten steuern“, sagte Zentraleuropachef Ingo Burmester unlängst. Auch der Branchenverband DRV spricht sich dafür aus, alle Reisen mit einem nachvollziehbaren CO₂-Abdruck zu versehen.

Neben der An- und Abreise belasten auch die Unterbringung Sonnenhungriger und ihre Aktivitäten am Urlaubsort das Klima. Zudem verschlingen der Bau und die Instandhaltung von Hotels, Straßen, Freizeitparks und Co. Ressourcen.

Nachhaltiger Urlaub auf Rhodos

Branchenprimus Tui will in Zusammenarbeit mit der Regierung der südlichen Ägäis die beliebte griechische Urlaubsinsel Rhodos zu einem Zukunftslabor für nachhaltigen Tourismus machen und damit Blaupausen für andere Ziele schaffen. So soll zum Beispiel der ökologische Fußabdruck des Tourismus auf Rhodos durch neue Konzepte für das Energie-, Wasser- oder Müllmanagement deutlich verringert werden.

„Wir brauchen ein Verständnis dafür, wie alle Bestandteile zusammenkommen können“, sagte Tui-Chef Fritz Joussen bei der Vorstellung des Projektes. „Nachhaltigkeit ist nicht nur ökologische Nachhaltigkeit. Sie muss auch in einem wirtschaftlichen und sozialen Sinn betrachtet werden.“ Daher soll auch die Teilhabe der Menschen vor Ort gefördert werden, zum Beispiel durch neue Jobchancen.

Am Ende könnten nach Einschätzung des griechischen Tourismusministers Vassilis Kikilias alle Akteure profitieren – „vom einzelnen Anbieter, der seinen Kunden Kaffee verkauft, bis zu den Leuten, die Autos und Boote vermieten, bis zu den Winzern, bis zu den Urlaubern selbst“. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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