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Corona in Niedersachsen: Wieder mehr Infektionen – Streit um Impfpflicht

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Von: Johannes Nuß

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Niedersachsen erwartet die erste Lieferung des Corona-Impfstoffes von Novavax. Die Nachfrage ist gering, unterdessen steigen die Infektionszahlen weiter an.

Hannover – Die Infektionszahlen mit dem Coronavirus in Niedersachsen schießen weiterhin in die Höhe. Aufgrund der Omikron-Variante, die derzeit äußerst aggressiv um sich greift, meldete das Robert Koch Institut (RKI) am Dienstagmorgen, 8. Februar 2022, für den Nordwesten eine 7-Tage-Inzidenz von 1169,0 (Vortag: 1120,5) – so viele Menschen infizierten sich in Niedersachsen innerhalb der vergangenen sieben Tage mit Covid-19, hochgerechnet auf 100.000 Einwohner. Vor einer Woche hatte der Wert noch bei 949,9 gelegen und damit deutlich unter der 1000er-Marke.

Corona in Niedersachsen: im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 seit Pandemiebeginn 7148 Menschen verstorben

Somit ergeben sich für Niedersachsen am Dienstagmorgen, 8. Februar 2022, 14.601 Neuinfektionen mit dem Coronavirus, im Zusammenhang damit verstorben sind neun weitere Personen. Somit haben sich seit Beginn der Pandemie in Niedersachsen insgesamt 759.014 Personen mit Covid-19 infiziert. An oder im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 verstorben sind seit Pandemiebeginn 7148 Menschen.

Auch die Belastung in den Krankenhäusern in Niedersachsen steigt weiter an. So liegt die Hospitalisierungsinzidenz derzeit bei 10,6 (Vortag: 10,1). So viele Menschen wurden in den vergangenen sieben Tagen im Nordwesten mit einer Covid-19-Infektion in ein Krankenhaus eingeliefert – hochgerechnet auf 100.000 Einwohner. Die Intensivbettenbelegung liegt aktuell in Niedersachsen bei 6,1 Prozent (Vortag: 5,5 Prozent).

Angesichts der steigenden Infektionszahlen wird es notwendig, dass die Impfkampagne wieder mehr an Fahrt aufnimmt. In den vergangenen Wochen seit Jahresbeginn hatte die Impfbereitschaft der Niedersachsen wieder deutlich nachgelassen. Jüngst mussten sogar tausende Corona-Impfdosen vernichtet werden. Aktuell sind in Niedersachsen 77,8 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft, die volle Grundimmunisierung – also zweifach geimpft – sind laut Angaben der Behörden in Niedersachsen inzwischen 75,9 Prozent der Einwohner. Eine Booster-Impfung haben bis jetzt 58,6 Prozent erhalten.

Corona in Niedersachsen: Lieferungen des Proteinimpfstoffes von Novavax gegen das Coronavirus erwartet

Ein kleiner Silberstreif am Horizont in der schleppend laufenden Impfkampagne ist die Ankündigung des niedersächsischen Gesundheitsministeriums in Hannover, dass in den kommenden Wochen die ersten Lieferungen des Proteinimpfstoffes von Novavax gegen das Coronavirus eintreffen sollen. Laut Gesundheitsministerium werden die ersten Chargen um den 21. Februar 2022 erwartet. Es gibt bereits Wartelisten, auf die sich Interessenten setzen lassen können. Seit Dienstag, 8. Februar 2022, dürfen in Niedersachsen auch die Apotheken gegen Corona impfen.

Stephan Weil (SPD) und Markus Söder (CSU) vor einer Corona-Impfung
Corona-Impfpflicht: Stephan Weil (SPD) und Markus Söder (CSU) sind nicht einer Meinung. (kreiszeitung.de-Montage) © Michael Matthey/Sven Hoppe/Paul Zinken/dpa

Doch auch bei diesem Impfstoff hält sich die Begeisterung in der Bevölkerung in Grenzen, wie aus den ersten Zahlen für die Wartelisten hervorgeht. Wie das Gesundheitsministerium am Montag mitteilte, stünden bis jetzt erst 5900 Menschen auf den Listen – geliefert werden sollen aber rund 140.000 Dosen des Impfstoffes von Novavax. Für eine komplette Immunisierung mit diesem Vakzin sind laut Angaben des Herstellers zwei Impfungen in einem Abstand von mindestens drei Wochen notwendig. Die Novavax-Impfungen sind ausschließlich für Menschen gedacht, die bisher gar nicht gegen Corona geimpft sind*.

Bei Novavax handelt es sich anders als bei Biontech oder Moderna um einen Proteinimpfstoff. Die Landesregierung hofft, dass das insbesondere die noch nicht geimpften Fachkräfte im Pflege- und Gesundheitsbereich überzeugt, sich doch noch impfen zu lassen. Für sie gilt von Mitte März an eine Impfpflicht.

Inzidenz in Niedersachsen: 140.000 Novavax-Impfdosen anstelle von geplanten 180.000

Die erste Novavax-Lieferung wird für die achte Kalenderwoche erwartet, die am 21. Februar beginnt. Niedersachsen soll rund zehn Prozent der Gesamtlieferung für das Bundesgebiet bekommen. Da das Bundesgesundheitsministerium zuletzt von rund 1,4 Millionen Dosen sprach, wären dies rund 140.000 Dosen. Ursprünglich hatte das Land Niedersachsen mit einer ersten Charge von rund 180.000 Novavax-Impfdosen gerechnet. „Wir gehen aber davon aus, dass die Nachfrage vollständig bedient werden kann“, erklärte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.

Unterdessen nimmt die Diskussion um die geplante Impfpflicht für Berufe im Gesundheits- und Pflegebereich heftig an Fahrt auf. Eigentlich soll diese in den Ländern ab dem 15. März 2022 umgesetzt werden. Doch bereits im Vorfeld ist eine heftige Diskussion entbrannt – auch mit Blick auf geplante Lockerungen. Denn, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will nicht nur die Maßnahmen im Corona-Abwehrkampf deutlich lockern, sondern auch die geplante Impfpflicht für Bedienstete im Gesundheitswesen vorerst nicht umsetzen.

Es werde „großzügigste Übergangsregelungen“ geben, was „de facto zunächst einmal auf ein Aussetzen des Vollzugs hinausläuft“, sagte der CSU-Vorsitzende am Montag nach einer Videoschalte des Vorstands seiner Partei in München. „Für wie viele Monate wird man dann sehen“, fügte er hinzu – jedenfalls zunächst für einige Zeit, „um das Ganze vernünftig zu gestalten“.

Coronavirus in Niedersachsen: Bayern will Impfpflicht lockern – Weil bekräftigte Forderung nach Impfpflicht

Nach den Worten von Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) könnte die Impfpflicht zumindest für Neulinge in Gesundheitseinrichtungen durchaus von Beginn an greifen. Bei „Bestandskräften“ brauche es dagegen Übergangsfristen – Holetschek brachte eine Übergangszeit bis zum 30. Juni ins Gespräch.

Zuvor hatte auch Sachsen angekündigt, „vertretbare Umsetzungsregelungen“ schaffen zu wollen. Andere Bundesländer halten ebenfalls Übergangsfristen für erforderlich, um die Gesundheitsämter in die Lage zu versetzen, eine Impfpflicht vernünftig umsetzen und kontrollieren zu können. Die Gesundheitsminister der Länder hatten am 22. Januar einstimmig beschlossen, eine «Umsetzungszeit» sei notwendig - ohne deren Länge aber zu konkretisieren.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hingegen bekräftigte seine Forderung nach einer Impfpflicht. Etwa 15 Prozent aller Erwachsenen seien nach wie vor nicht gegen Corona geimpft – und das sei eindeutig zu viel. „Je mehr Virus in der Gesellschaft aktiv ist, desto mehr wird das Virus auch seine Opfer finden.“ Die Politik habe über eine sehr lange Zeit versucht, die Skeptiker zu überzeugen. „Wenn wir uns nun aber nüchtern die Karten legen, müssen wir feststellen, dass die Überzeugungsarbeit bei einer zu großen Minderheit ins Leere gelaufen ist. Deswegen ist für mich klar: Wir brauchen jetzt eine Impfpflicht, und zwar zügig“, appellierte er an den Bund, keine Zeit mehr zu vergeuden. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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