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Wetter und Ukraine-Krieg: Belastung für deutsche Windräder

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Von: Andree Wächter

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Parallel zu der russischen Offensive konnte der Windenergieanlagen-Hersteller Enercon seine Anlagen nicht mehr per Fernwartung steuern. Zufall?

Aurich - Der Februar brachte eine Rekordmenge an Strom aus Windanlagen: 21 Milliarden Kilowattstunden Strom. Torpediert wird diese Zahl von der Meldung, dass der russische Einmarsch in die Ukraine für die Steuerung der Windenergieanlagen (WEA) schlimme Folgen hatte. Allein beim großen deutschen Windenergieanlagen-Hersteller Enercon seien rund 5800 Anlagen betroffen, sagte ein Firmensprecher laut dpa. Die Windkrafträder liefen zwar noch und erzeugten auch Strom, sie seien aber für eine Überwachung und Steuerung aus der Ferne nicht mehr erreichbar.

BundeslandNiedersachsen
HauptstadtHannover
MinisterpräsidentStephan Weil
internetniedersachsen.de

Betroffen sind demnach Enercon-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 11 GW, wie das Handelsblatt berichtete. Ein Sprecher des britischen Herstellers Vestas konnte den Vorfall nicht bestätigen. Weil die Windkraftanlagen zur kritischen Infrastruktur zählen, meldete Enercon den Vorfall an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Ein BSI-Sprecher bestätigte: „Wir sind informiert, stehen im Austausch mit der Bundesnetzagentur und versuchen das zu bewerten.“

Angesichts des Angriffs Russlands auf die Ukraine und vermehrter Cyberangriffe auf ukrainische Ziele warnten deutsche Sicherheitsbehörden vor Cyberangriffen auch auf deutsche Behörden und Unternehmen. Das BSI sprach am Freitag von einer „erhöhten Bedrohungslage für Deutschland“

Störung der Windräder durch Hackerangriff

Inzwischen scheinen Experten die Ursache identifiziert zu haben. Die Störung der Windkraftanlagen ist offenbar die Folge eines Hacker-Angriffs auf den US-Satellitenbetreiber Viasat. Er erfolgte mit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine. Einen Zusammenhang hat die US-Betreiberfirma Viasat bislang nicht hergestellt. Allerdings vermutet das auch für militärische Dienste aktive Unternehmen eine Hacker-Attacke als Ursache.

Trotz dieser Panne bestand keine Gefahr. Enercon betonte, die Anlagen könnten sich „grundsätzlich autark und selbstständig regulieren“. Nur eben die Überwachung aus der Ferne fiel aus.

Abgesehen von dem möglichen Hackerangriff war der Februar ein guter für die Windenergie. Es gab einen neuen Windstrom-Rekord. „Windenergieanlagen haben im Februar in etwa so viel Strom erzeugt wie sieben Millionen Haushalte in einem ganzen Jahr verbrauchen“, erklärte Kerstin Andreae, Chefin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Der Februar war ein guter Monat für den Klimaschutz: Windräder produzierten soviel Strom, wie seit zwei Jahren nicht mehr.
Der Februar war ein guter Monat für den Klimaschutz: Windräder produzierten soviel Strom, wie seit zwei Jahren nicht mehr. © Roland Weihrauch/dpa/Symbolbild

Im Februar erzeugten WEA an Land und auf See 21 Milliarden Kilowattstunden Strom, wie erste Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg sowie des BDEW ergaben. Demnach entfielen 18 Milliarden Kilowattstunden Strom auf Windenergie an Land und 3 Milliarden auf Windenergieanlagen auf See. Der bislang windenergie-stärkste Monat sei der Februar 2020 gewesen. Um überschüssigen Strom speichern zu können, sei es wichtig, die Entwicklung leistungsfähiger Speicher zu beschleunigen, so der BDEW.

Trotz der hohen Menge an Strom, reicht sie nicht für eine Versorgungssicherheit. Daher muss Niedersachsen den Turbo anschmeißen. Dies fordern auch mehrerer Verbände. Die Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN) warnten, die gestiegenen Energiepreise gefährdeten die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes. Zudem zeige sich durch den Krieg in der Ukraine die Abhängigkeit von russischem Gas. „Deshalb brauchen wir schnell mehr Windräder und schlankere Genehmigungsverfahren“, sagte UVN-Hauptgeschäftsführer Volker Müller.

Niedersachsen bei der Windenergie vorne

Mit 21 Prozent lag mit Stand Ende 2021 der größte Anteil der installierten Leistung bei der Windkraft an Land nach Angaben der Energiewirtschaft in Niedersachsen. Schleswig-Holstein weist demnach unter den Flächenländern die mit Abstand höchste Leistungsdichte auf. Auch Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt leisteten absolut und relativ einen großen Beitrag zum Gesamtbestand.

Die Geschäftsführerin des Landesverbands Erneuerbare Energien (LEE), Silke Weyberg, monierte, es fehlten die Instrumente, um die Klima- und Ausbauziele zu erreichen. Die Kommunen bräuchten Hilfestellung, um bei Raumordnung und Genehmigungen rechtssicher agieren zu können, sagte sie. Die Gewerkschaft IG BCE erklärte, eine Halbierung der Planungs- und Genehmigungszeiten sei für Beschäftigte sowohl in der Erneuerbaren-Branche als auch in energieintensiven Betrieben wichtig.

Der Waldbesitzerverband hob hervor, auch der Wald biete „enormes, bisher ungenutztes Potenzial“ für die Energiewende, wie Präsident Philip Freiherr von Oldershausen sagte. Bisher stünden jedoch erst 6 von landesweit rund 6100 Windenergieanlagen in Wäldern.

Windkraft ist Klimaschutz

Dies hat auch die Bundesregierung erkannt. Sie plant, die Stromerzeugung aus Windkraft in den kommenden Jahren deutlich schneller auszubauen, vor dem Hintergrund der Bemühungen für mehr Klimaschutz. Außerdem soll damit die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wie russischem Gas verringert werden.

Die drei Stürme haben zu 21 Milliarden Kilowattstunden Strom eher wenig dazu beigetragen. Bei zu starkem Wind schalten sich die WEA selbstständig ab. Für einen Februar war der Februar 2022 eher ein Flop. Die Durchschnittstemperatur lag bei 4,5 Grad. Damit war er der fünftwärmste Februar seit Datenaufzeichnung. Von Winter-Wonder-Land war man weit entfernt in Niedersachsen. Erst ab 700 Meter Höhe gab es Naturschnee.

Ein positives hatte der Februar dann doch: Es schien deutlich mehr die Sonne als im Mittelwert. 84,6 schien sie, bei einem Sollwert von 73 Stunden. Macht ein plus von 15 Prozent. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

 

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