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Keine Umweltplakette: Ukraine-Geflüchtete erhalten Strafzettel

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Von: Johannes Nuß

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Ein Mitarbeiter der Städtischen Verkehrspolizei klemmt einen Strafzettel hinter den Scheibenwischer eines Pkw.
Eine Familie aus der Ukraine hat in Hannover einen Strafzettel erhalten. (Symbolbild) © Arne Dedert/dpa

Wer in Hannover in die Innenstadt will, der braucht auf dem Auto eine Feinstaubplakette im korrekten Farbton. Auch, wenn man gerade aus der Ukraine geflüchtet ist.

Hannover – Wer in die Hannoveraner Innenstadt in Niedersachsen will und keine Feinstaubplakette im korrekten Farbton hat, der muss Strafe zahlen – mittlerweile bis zu 80 Euro. Die Regel in der Landeshauptstadt besteht bereits mehr als ein Jahrzehnt und zumindest die heimischen Autofahrer wissen inzwischen, wo sie lang fahren dürfen und wo eher nicht. Feinstaub gibt es zwar auch in der Ukraine, aber nicht eine Plakette wie in Deutschland.

Das musste jüngst ein geflüchtetes Pärchen am eigenen Leib erfahren, nachdem sie aus Odessa bis nach Hannover geflüchtet waren, berichtet die Hannoversche Allgemein Zeitung (HAZ). Weil sie keine Umweltplakette am Auto hatten, bekamen es ein Knöllchen in Höhe von 80 Euro.

Ukraine-Flüchtlinge erhalten Strafzettel – weil sie keine Umweltplakette hatten

Wer die sogenannte Feinstaubplakette für den Innenstadtbereich nicht am Auto angebracht hat, der muss mit einer Verwarnung in Höhe von inzwischen 80 Euro rechnen. Und weil die Mitarbeiter vom städtischen Außendienst mit großer Akribie vorgehen, gibt es wenig Ausnahmen. So erhielt auch ein junges verheiratetes Paar aus der Ukraine ein, weil sie keine Umweltplakette am Auto hatten.

Das Ehepaar war mit ihrem Sohn Vadim (4) Ende Februar kurz nach Ausbruch des Krieges mit dem Auto aus ihrer Heimatstadt Odessa geflohen, berichtet die HAZ. Nach fünf Tagen Fahrt kamen sie bei Verwandten unter, dann bei freiwilligen Helfern, die innerhalb der Umweltzone in Hannover wohnen. Ihr Auto mit ukrainischen Kennzeichen stellten sie vor der Wohnung ab, am 15. März solle sie dann das Knöllchen an der Windschutzscheibe entdeckt haben.

Ukrainische Familie erhält 80-Euro-Knöllchen: Kontrolleurin konnte Bußgeld nicht mehr stornieren

Die junge Mutter Victoria (28) sagte der HAZ, ihr Mann Arthur habe regelmäßig nach dem Rechten geschaut. Doch dann sei er am 15. März auf die Kontrolleurin der Stadt getroffen, die bereits ein Bußgeld dafür verhängt hatte. „Weil wir keine Umweltplakette an der Windschutzscheibe des Autos hatten.“

Mein Mann versuchte zu erklären.

Victoria

„Mein Mann versuchte zu erklären, dass wir vor Kurzem aus der Ukraine hierher gekommen sind und noch nicht alle Regeln kennen und noch nicht einmal Zeit hatten, uns anzumelden“, so Victoria. Ebenso habe die Familie auch ihr Auto noch nicht anmelden können. Doch die Kontrolleurin sagte, sie könne den Strafzettel nicht mehr stornieren.

Stadtverwaltung bedauert Vorfall: „Selbstverständlich wird dieses Knöllchen zurückgenommen“

Das Ausstellen des Knöllchens „in dieser ganz besonderen Ausnahmesituation“ bedauere man bei der Stadtverwaltung, schreibt die HAZ. Stadtsprecher Dennis Dix: „Selbstverständlich wird daher dieses Knöllchen zurückgenommen und auch in allen vergleichbaren Fällen wird es von der Landeshauptstadt keinerlei Buß- oder Verwarngelder geben.“

Auch werde das Verfahren sofort nach Eingang im System eingestellt, wenn, wie in diesem Fall, eine Anzeige geschrieben wird „Geht eine Zahlung ein, wird die Landeshauptstadt Hannover diese selbstverständlich erstatten.“ Bezahlt habe die Familie noch nicht.

Geflüchtete Familie aus der Ukraine erhält Strafzettel: „So ein Vorfall könne nicht komplett ausgeschlossen werden“

Der Stadtsprecher bat in der HAZ um Nachsicht: „Der Verkehrsaußendienst der Stadt nimmt im Jahr rund 250.000 Anzeigen auf. Ein Vorfall wie der jetzt aufgefallene kann daher nicht komplett ausgeschlossen werden.“ Bis auf Weiteres würden ukrainische Auto einen Hinweis bei Plakettenverstößen erhalten. Die Mitarbeiter seien nochmals sensibilisiert worden.

Auch wenn der Vorfall mit dem Strafzettel erledigt wäre, der Krieg in der Heimat sei es noch nicht. „Wir hoffen sehr, dass der Krieg bald endet. Unsere Armee und unsere Freiwilligen tun dafür alles Mögliche und auch Unmögliche“, so Victoria zur HAZ. Bis zum Ende des Krieges wolle die Familie in Hannover bleiben. „Es ist gut, dass es uns gelungen ist, unser Kind an einen sicheren Ort zu bringen.“ * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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