Hamburger Forscher warnen

UKE-Studie: Corona hinterlässt Organ-Schäden – trotz mildem Verlauf

An Lunge, Nieren oder Beinvenen: Trotz einer milden Corona-Erkrankung können Patienten Schäden davontragen, warnen Forscher. Was heißt das in der Omikron-Welle?

Hamburg – Hamburger Forscher schlagen vor der Omikron-Welle Alarm: Laut einer neuen Studie des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) sollten Corona-Patienten einen leichten Krankheitsverlauf nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn auch diese Personengruppe kann nach einer Infizierung mit wenig Symptomen erhebliche Gesundheitsschäden in verschiedenen Organen davontragen*, wie die im „European Heart Journal“ veröffentlichte Analyse zeigt. Um keine langfristigen Beeinträchtigungen an der Lunge, den Nieren oder den Beinvenen zu erlangen, seien für die Betroffenen Vorsorgeuntersuchungen ratsam, sagte Studienkoordinator Stefan Blankenberg dem Hamburger Abendblatt.

Virus:Coronavirus, Covid-19
Krankheitserreger:SARS-CoV-2
Erster bekannter Fall:1. Dezember 2019
Neuentdeckte Variante aus dem südlichen Afrika:Variante Omikron (B.1.1.529)

Bislang war der Blick vor allem auf die Patienten mit schweren und mittleren Krankheitsverläufen gerichtet worden. So klagen diese auch Wochen und Monate häufig über Beschwerden, die zunächst schwierig mit Diagnosen zu erklären waren. Für die Vermutung, dass sich das Virus auch nach dem Abklingen der Infektion weiter im Körper ausbreitet und Folgeschäden (Long-Covid) verursacht, finden sich mittlerweile immer mehr Belege. Zuletzt unterstützte das US-Forscherteam vom Clinical Center der US-National Institutes of Health in ­Maryland mit einer neuen Untersuchung diese These.

European Heart Journal: Corona-Studie des Hamburger Universitätsklinikums (UKE) untersucht milde Krankheitsverläufe

Die Hamburger Wissenschaftler lenkten nun zum ersten Mal den Blick auf die Infizierten, die nicht in einem Krankenhaus behandelt werden mussten und nur wenig Auswirkungen der Erkrankung verspürten. Dafür rekrutierte ein 38-köpfiges Forscherteam um Blankenberg insgesamt 443 Menschen aus der Umgebung der Hansestadt, die im Alter zwischen 45 und 74 Jahren alt waren und die nachweislich an Covid-19 erkrankt waren – und zwar in der ersten und zweiten Pandemiewelle, als noch keine Impfungen zugelassen waren. Die Erkrankung der Testgruppe lag im Schnitt fast zehn Monate zurück und 93 Prozent aller Studienteilnehmer hatten einen milden Verlauf beklagt.

Milder oder schwerer Verlauf? In jedem Fall kann eine Covid-Erkrankung viele Langzeitfolgen haben.

Für die Erhebung wurden dann 1328 Teilnehmer aus einer Hamburger Langzeitgesundheitsstudie herangezogen, die bereits 2016 gestartet worden war und deren Mitglieder bislang nicht an Corona erkrankt waren. Die Vergleichsgruppe absolvierte die gleichen Tests und Medizinchecks wie die Corona-Patienten. Aus dem Vergleich der Daten erlangten die Studienautoren dann ihre Rückschlüsse. Das Ergebnis: Die Corona-Patienten wiesen häufiger Schäden an Nieren, Herz oder den Beinvenen auf als die Teilnehmer aus der Vergleichsgruppe.

Wie das Abendblatt berichtet, war bei den Probanden, die eine Corona-Infektion hinter sich hatten, das Gesamtlungenvolumen im Mittel um drei Prozent geringer als im Vergleich zur Testgruppe. Der Atemwegswiderstand hatte im Mittel indes um acht Prozent zugenommen. Dies könne bedeuten, dass nach einer Corona-Infektion die Atemwege geringfügig an Elastizität verlieren könnten, hieß es.

UKE-Studie zu Corona: Covid-Patienten erleiden Langzeitschäden an Herz, Niere oder Lunge

Zu ähnlichen Ergebnissen kamen die Forscher auch in Bezug auf Herz und Nieren. Während bei ehemaligen Corona-Patienten etwa die Pumpkraft des Herzens im Schnitt um ein bis zwei Prozent abnahm, war auch die Filterleistung der Nieren im Schnitt um zwei Prozent geringer.

Außerdem zeigten Ultraschall-Untersuchungen, dass bei der Corona-Gruppe zwei bis dreimal häufiger Hinweise auf eine zurückliegende Venenthrombose vorlag. Keine Anzeichen fanden die Forscher indes auf eine Hirnschädigung oder andere neurologische Befunde.

UKE-Studie zu Corona und Organ-Schäden: Was bedeutet das Studienergebnis?

Was bedeuten jetzt die Studienergebnisse? Die Forscher selber halten sich mit Urteilen noch zurück und warnen vor Panikmache. Es sei unklar, ob die Organveränderungen langfristig auch bestehen bleiben würden oder sich vielleicht auch wieder normalisieren könnten. Die Mittelwerte seien in einem Bereich, der nicht zwingend als krankhaft gelten müsste. Dennoch sei Vorsicht und Kontrolle geboten, teilten die Autoren mit.

Dies gilt vor allem auch mit Blick auf die Omikron-Variante. Die Virusmutation, die bereits in den kommenden Tagen in Deutschland die Delta-Variante ablösen und zur vorherrschenden Mutation werden soll, gilt als hochansteckend, weswegen die Bundesregierung bereits über die Verschärfung der Corona-Regeln nachdenkt. Jedoch verursacht Omikron eher milde Krankheitsverläufe, wie unlängst eine dänische Studie dokumentierte*.

Coronavirus: Omikron könnte Debatte befeuern – Bundesregierung plant Verschärfung der Regeln

Laut des Serum Instituts (SSI) in Dänemark, wo Omikron mittlerweile bereits 90 Prozent der Fälle ausmacht, ist das Risiko für eine Krankenhauseinweisung demnach um 50 Prozent geringer als im Vergleich zur Delta-Variante. Eine Infektion mit der hochansteckenden Omikron-Variante verlaufe deutlich milder als Delta, sagte SSI-Chefin Tyra Grove Krause im Fernsehsender TV2. Menschen infizieren sich, ohne ernsthafte Symptome zu zeigen und infolgedessen werde in der Bevölkerung bald ein gutes Maß an Immunität bestehen, fügte sie hinzu.

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Die Hamburger Studie dürfte diese Debatte aber noch einmal in ein neues Licht rücken. Denn auch wenn das Risiko für einen Klinikaufenthalt geringer wird, so schützt eine Ansteckung nicht vor den Langzeitfolgen. Davor warnte am Mittwoch auch der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Die Strategie einiger Impfgegner, die für den Aufbau ihrer Immunabwehr statt einer Impfung lieber eine Omikron-Infektion in Kauf nehmen wollten, bezeichnete der Sozialdemokrat als gefährlich. „Omikron als schmutzige Impfung ist keine Alternative zur Impfpflicht“, betonte Lauterbach. * kreiszeitung.de, merkur.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Daniel Cole/dpa

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