Neubau contra Ausbau

Streit um Y-Trasse wütet weiter

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Knapp 1000 Menschen demonstrierten in Uelzen vor der Stadthalle.

 Uelzen - Von Angelica Jansen. Alle Seiten sollen gehört und alle Argumente abgewogen werden, ehe über den Ausbau der Y-Trasse entschieden wird. Der Bürgerdialog für das Bahnprojekt aber weckt wie nun in Uelzen auch Misstrauen. Hat die Bahn hinter den Kulissen die Weichen schon gestellt?

Rund 100 Traktoren rollen laut hupend durch Uelzen, fast zehnmal so viele Menschen demonstrieren mit Transparenten und Trillerpfeifen vor der Stadthalle. Der Protest am Donnerstagabend in der Stadt in der Lüneburger Heide richtete sich gegen die Y-Trasse, ein Großprojekt der Deutschen Bahn, das in Niedersachsen seit mehr als 20 Jahren für Streit sorgt. Zwar wurden die ursprünglichen Pläne für eine Neubautrasse von Hannover Richtung Hamburg und Bremen inzwischen zur Seite geschoben, aber auch die Alternativen, die die Bahn seit dem Frühsommer quer durch die Region Bürgern und Verantwortlichen vorstellt, sorgen für Konfliktstoff.

Obwohl Landesregierung und Bahn nun in einem Bürgerdialog nach der besten Route suchen wollen, sitzt das Misstrauen der Menschen tief. Drei Stunden lang diskutierten nach der Protestkundgebung rund 600 Menschen in der Stadthalle mit DB-Projektleiterin Simone Ilgner und dem Sprecher der Bahn für Großprojekte, Michael Baufeld, über die insgesamt sechs Varianten. Die Diskussion wurde nach draußen übertragen, wo weitere 300 Interessierte im Foyer und im Freien zuhörten.

Ursprünglich sollte die Y-Trasse ICE-Reisende eine Viertelstunde schneller nach Hamburg und Bremen bringen, inzwischen aber geht es vor allem um mehr Platz auf den Schienen für die zunehmende Zahl von Güterzügen aus den Häfen. Baut man dafür einfach die bestehende Strecke von Hamburg Richtung Hannover aus, oder sind Neubauabschnitte quer durch die Natur die bessere Lösung - darum dreht sich die Debatte.

„Ihre Trasse zerschneidet mein ganzes Leben“, sagte die Inhaberin des Immenhofs in Schwienau, Brigitte Schulz. Andere Zuhörer sind misstrauisch und meinen, die Bahn sei mit den Planungen schon weiter, als sie nach außen sagt. „Kurios ist, dass die meisten Details schon in den Isophonen-Karten zu finden sind“, erläuterte Tobias Schütte, ein betroffener Landwirt aus Hansen mit Blick auf die Lärmprognose. Die Bahn lege zwar großen Wert darauf, von „Untersuchungsräumen“ zu sprechen, „aber die haben dabei schon viel weiter gedacht, als uns bekanntgemacht wird“, vermutet Kinderarzt Karsten Dietrich, Eigenheimbesitzer in Böddenstedt. Elisabeth Schulz von der Landwirtschaftkammer Uelzen verlangte einen Ausgleich für betroffene Landwirte.

Die aufgebrachten Einwohner forderten allesamt den Ausbau der bestehenden Strecke. Die dort schon jetzt unter Bahnlärm leidenden Menschen würden bei einem Ausbau künftig von Schallschutzwänden geschützt, meinte ein Zuhörer. Die Bahn scheue wohl die hohen Kosten, bei laufendem Betrieb die Strecke auszubauen, sagte ein anderer. Auch stillgelegte Trassen der Osthannoverschen Eisenbahnen könnten einbezogen werden, so der Uelzener Bürgermeister Otto Lukat (SPD). Nach den Zahlen der Bahnplaner sind von einem Ausbau der bestehenden Strecke 55 000 Wohneinheiten betroffen, bei den Neubauabschnitten nur 5000.

Mit Bund und Bahn ist nach Angaben des niedersächsischen Verkehrsministeriums vereinbart, dass die zum Abschluss des jetzt angelaufenen Dialogverfahrens im kommenden Sommer favorisierte Trassenvariante dann auch zügig gebaut werde, selbst wenn es sich nicht um die kostengünstigste Lösung handelt. Mit dem Neu- und Ausbau kann nach Abschluss der Planungsverfahren wohl frühestens ab 2020 begonnen werden.

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