Weniger tote Tiere

Technik gegen Vogelschlag: Kameras in Windrädern statt Abschaltung

Nach Ansicht vieler sterben zu viele Vögel durch Windräder. Eine mögliche Lösung: das Abschalten der Anlagen. Nur wird dann kein Strom produziert. Kameras und künstliche Intelligenz können helfen.

Bei Fußball gehören es inzwischen zur Grundausstattung in der Bundesliga: das Hawk-Eye. Mit dieser (Tor-) Linientechnologie kann zweifelsfrei nachgewiesen werden, ob der Ball hinter oder doch noch auf der Linie war, also ob tatsächlich ein Tor gefallen ist oder nicht. Mit einem ähnlichen System versuchen Windpark-Betreiber das Vogelsterben zu minimieren. Immer wenn ein Vogel den Rotorblättern bedrohlich nah kommt, schaltet sich die Anlage ab – das Kollidieren mit dem Windrad, dem sogenannten Vogelschag, wird dann höchstwahrscheinlich verhindert.

Windkraft ist ein enorm wichtiger Faktor bei der Energiewende, allerdings: Durch die Rotorblätter sterben viele Vögel – vermutlich, weil sie die Rotorblätter im Flug nicht rechtzeitig erkennen können. Um die Vögel (teilweise auch bedrohte Arten) zu schützen, können Behörden die zeitlich begrenzte Abschaltung der Anlagen anordnen. Die Abschaltzeiten sind starr. Das Problem: Der Vogel müsste wissen, dass beispielsweise von 8 bis 18 Uhr das Windrad sich nicht dreht. Das kann nicht funktionieren. Hinzu kommt, dass die Vögel nicht die ganze Zeit in der Luft sind. Auch wenn kein Vogel in der Luft ist, steht das Windrad.

Moderne Kameras an Windräder retten Vögel

Wenn die Rotoren sich nicht drehen, wird auch kein Öko-Strom erzeugt. Dies bedeutet auch weniger Umsatz für die Betreiber. Schlussendlich ist es eine Zwickmühle: Auf der einen Seite möchte man möglichst viel Öko-Strom und auf der anderen Seite sollen die Vögel geschützt werden.

Neben einem Windrad gibt’s noch weitere Möglichkeiten, warum ein Vogel tot bei einem Windrad liegt. Diese können beispielsweise auch vom Kampf mit Artgenossen (Balz, Futterstreit) stammen. Oft kommen aber doch nur die Rotorblätter als Todesursache in Frage,

Die Lösung sind – vereinfacht gesagt – Überwachungskameras an den Windrädern. Ein französisches System heißt Probird. Dazu werden in fünf bis zwölf Meter Höhe Kameras an den Turm angebracht. „Der Vorteil ist, dass sie mit einem Steiger angebaut und gewartet werden können“, sagt Söhnke Schierloh. Er ist Inhaber von Schierloh Engineering – eine Firma, die Windparks plant. Andere Hersteller installieren ihre Kameras in 60 Meter Höhe. Für Wartungsarbeiten müsste ein Industriekletterer gebucht werden.

Windräder erzeugen viel Öko-Strom, sind aber auch eine Gefahr für Vögel.

Beim Probird überwacht eine Kamera ein anderes Windrad und nicht ihr eigenes. So kann auch der Raum hinter dem Windrad beobachtet werden. Die Aufnahmen werden in einem Computer analysiert. Eine Software entscheidet dann, ob ein oder mehrere Windräder temporär abgeschaltet werden müssen. „Jeder Vogel hat charakteristische Bewegungen“, so Söhnke Schierloh. Das System wird aktiv, wenn ein Vogel in den definierten Sicherheitsbereich eindringt. In Abhängigkeit von Fluggeschwindigkeit des Vogels und Drehzahl wird die Anlage heruntergefahren. Dies dauert bis zu 40 Sekunden. Zwei Umdrehungen pro Minute gelten als sicher.

Die Windkraftanlage fährt erst wieder hoch, wenn der Vogel den Gefahrenbereich verlassen hat. Dieser Vorgang dauert bis zu drei Minuten. Durch diese begrenzte Zeitspanne werden die Vögel geschützt und die Stromerzeugung nur minimal verringert. Allerdings sind nicht alle Windenergieanlagen für diese Systeme ausgelegt. Das Hoch- und Runterfahren bedeutet enorme Belastungen für das verbaute Material. Eine Nachrüstung geht nur, wenn die Herstellerfirma grünes Licht gibt.

KI-Hilfe gegen Vogelschlag durch Windräder

Aber auch künstliche Intelligenz kann beim Vermeiden von Vogelschlag helfen, wie die Technologie des US-Unternehmens Boulder Imaging zeigt. Das System setzt auf eine Mischung aus selbstlernenden Algorithmen und optischer Technologie und kann so mit insgesamt zehn Kameras die genaue Art, Geschwindigkeit und Flugbahn herannahender Vögel erkennen und bestimmen. Nach eigenen Angaben von Boulder Imaging dauert die Erkennung nur eine Sekunde. Da geschützte Vögel wie Adler bereits aus einer Entfernung von einem Kilometer erkannt und eingeordnet werden können, reicht die Zeit, um mit der Anlage entsprechend zu reagieren. 

Das Unternehmen hat das System nun in einer wissenschaftlichen Studie testen lassen, heißt es auf der Seite Techandnature.com. In einem Windpark im US-Bundesstaat Wyoming konnten Todesfälle von Adlern durch das System um 82 Prozent reduziert werden. Getestet wurde in dieser Studie nur mit Adlern. Laut Boulder Imaging kann das System aber auch auf andere geschützte Vogelarten wie Rot- und Schwarzmilane, Steinadler, Weißkopfseeadler, Schreiadler und Kondore angewandt werden.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte

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