Reisen mit Impfung

Tui kann Corona-Verlust noch nicht abstreifen - Hoffen auf Sommer und Impfstoff

Tui glaubt an eine Sommersaison 2021. Die Erwartungen des größten Anbieters haben in der Touristikbranche Gewicht. Ob Pauschalreisen und Kreuzfahrten wieder zünden, hängt aber vor allem von der Corona-Eindämmung ab. Also Urlaub nur mit Impfung?

  • Reiseweltmeister Deutschland hingt den Buchungen hinterher.
  • Pfingsten soll der Startschuss für den Sommerurlaub 2021 sein.
  • Erste Länder erlauben Einreise ohne Quarantäne.

Fritz Joussen bemüht sich, nicht nach Zweckoptimismus, sondern nach echter Zuversicht zu klingen. „Die Leute warten auf ihren Koffern und schauen, wo zuerst geöffnet wird.“ Die Sehnsucht nach Urlaub im Corona-Übergangsjahr 2021 sei groß - und auch dem Tui-Chef kann es dabei offenbar kaum rasch genug gehen.

Anteile an TUI Cruisesje 50 % TUI und Royal Caribbean Group
Gründung2008
HauptstandortHamburg
FlotteMein Schiff

Vergleichsweise häufig packen Kunden seines Konzerns ihre Koffer aber derzeit vor allem in Großbritannien. Ausgerechnet dort, wo in der ersten Pandemiewelle noch einiges im Krisenmanagement schieflief, gewännen Verbraucher durch fortschreitende Impfungen nun Sicherheit.

Der wichtige britische Markt startet auch zu normalen Zeiten etwas früher in die Sommer-Buchungssaison als das Reise-Weltmeisterland Deutschland. Diesmal ist es für Tui jedoch besonders entscheidend, dass die Nachfrage daheim ebenso anzieht. „Deutschland holt nun auf“, sagt Fritz Joussen zur Zahlenvorlage am Dienstag. Bisher indes gelte: „Mehr als die Hälfte unserer Buchungen kommt gerade aus dem Vereinigten Königreich.“ Keine schlechte Tendenz. Doch weil viele Reisewillige erst spät und kurzfristig buchen, bleibt die Planung schwierig. Der Tui-Chef warb außerdem erneut für mehr Corona-Schnelltests.

Ob und wie Urlaub im Frühjahr und Sommer möglich sein wird, ist noch offen.

Die gesamte Branche - 2020 von Corona teils an den Rand des Ruins getrieben - hofft, dass die Durststrecke bald überstanden sein möge. Hoffnungen, es könne schon im Frühling so weit sein, schwanden zuletzt. Tui musste bis Ende März gerade Reisen zu beliebten Zielen etwa in Portugal, der Türkei und Festland-Spanien sowie in ganz Ägypten, Tunesien, Marokko und zu den Kapverdischen Inseln absagen.

Und danach? „Eine große Reisewelle an Ostern werden wir vermutlich nicht sehen“, meinte der Chef des Deutschen Reiseverbandes, Norbert Fiebig, kürzlich. Sollte sicheres Reisen möglich sein, wird nach Einschätzung von Reinhard Meyer vom Deutschen Tourismusverband erst der Deutschland-Tourismus profitieren: „Viele hoffen auf einen Start zu Pfingsten im Mai, um im Sommer richtig durchstarten zu können.“

Tui setzt auf Corona-Impfstoff für den Urlaub

Umfragen zufolge ist die Reiselust groß. Aber kann im Sommer wirklich die Erholung gelingen? Tui setzt auf eine rasche Verbreitung der Impfstoffe, sobald die nötigen Mengen verfügbar sind. „Wir sind sehr positiv gestimmt, dass Sommerurlaub möglich wird“, so Fritz Joussen. Es werde wohl nicht überall Impfpflichten geben, sondern - je nach Land - auch Testvorschriften als Ersatz, wie schon für Kreuzfahrtgäste. In Großbritannien sollten Ende Mai alle über 50-Jährigen geimpft sein.

Unter den klassischen Zielen zeigten sich in den bisherigen Buchungen vor allem Griechenland und Spanien als beliebte Regionen. Insgesamt verkaufte die Tui-Gruppe bereits 2,8 Millionen Reisen, etwas mehr als die Hälfte des Volumens für den Vorkrisen-Sommer vor zwei Jahren. Und der Löwenanteil stammt mit 1,5 Millionen aus Großbritannien, wo Tui das Programm drei Monate früher freigeschaltet hatte. Deutschland ist mit gut einer halben Million Buchungen noch etwas abgeschlagen.

Mit dem Flugzeug in den Urlaub - viele wünschen es sich.

Doch Corona hat die Veranstalter mehr oder wenig freiwillig gezwungen, ihre Preisstruktur zu überdenken. Herausgekommen sind sogenannte Flex-Tarife. Urlaub buchen ohne Risiko, so lautet das Versprechen. Verbraucherschützer sehen das ein bisschen anders. Bislang ist es meist so, dass bereits gebuchte Reisen ohnehin kurzfristig umgebucht oder storniert werden können. Diese Kulanzregelung wird nun bei vielen Veranstaltern abgelöst von neuen Tarifen. Das Prinzip ist folgendes: Wer für seinen Pauschalurlaub etwas mehr bezahlt, darf ihn auch kurzfristig ohne die sonst üblichen Stornierungsgebühren wieder absagen oder umbuchen.

Bei Tui wird der Aufschlag pro Reise fällig: 39 Euro bei einem Preis bis 2500 Euro, 69 Euro bis 4000 Euro, 99 Euro bis 6000 Euro, 199 Euro bis 10.000 Euro, 399 Euro bis 20.000 Euro. Umbuchen oder Stornieren ist dann bis jeweils 14 Tage vor Abreise ohne weitere Kosten möglich. Aber Achtung: Flex-Tarife gelten meist nicht für das gesamte Sortiment eines Veranstalters, wie die Verbraucherzentrale Brandenburg betont. Pauschalpakete auf Basis von dynamischen, tagesaktuellen Preisen sind in der Regel ausgeschlossen.

Urlauber dürfen mit Impfung in diese Länder reisen

Zum Tui-Konzern gehört auch die „Mein Schiff“-Flotte. Die „Blauen Reisen“ rund um die Kanaren sind für Februar und März buchbar. Wer allerdings die Reise antreten möchte, benötigt einen negativen Corona-Test. Des Weiteren sind die Schiffe nicht voll ausgelastet. Für die zweite Jahreshälfte verzeichnen die Anbieter eine deutliche Zunahme an Buchungen.

Ob die Kreuzfahrten stattfinden hängt auch davon ab, wer wo einreisen darf. Und da kommen die Impfungen ins Spiel. Island hat seine Einreise-Regeln für Personen, die gegen das Coronavirus geimpft sind, enorm gelockert. Sie dürfen nun wieder ohne Quarantäne einreisen und müssen nicht einmal einen negativen Corona-Test vorlegen. Island akzeptiert aktuell aber nur die Impfungen von Pfizer-Biontech und Moderna. Rumänien hat laut Informationen des Auswärtigen Amtes die Quarantäne für Corona-Geimpfte aufgehoben. Die Betroffenen müssen beide Impfdosen mindestens zehn Tage vor der Einreise erhalten haben und einen entsprechenden Nachweis parat halten. 

Sommerurlaub: Ihre Meinung ist gefragt

Wer beide Impfdosen erhalten hat, darf auf die Seychellen ohne Quarantänepflicht einreisen. Allerdings muss die zweite Impfung mindestens 14 Tage zurückliegen. Trotzdem wird eine negativer Coronatest benötigt. Für die Republik Moldau und Polen gilt ebenfalls eine Ausnahme für Reisende, die einen Nachweis über die Corona-Impfung erbringen können. 

Reiseveranstalter können eine Impfung zur Pflicht machen. Tui plant bislang keine Impfpflicht. „Die Rahmenbedingungen muss aber die Politik schaffen, am besten einheitlich in der EU. Das können wir als Reiseunternehmen dann umsetzen, aber es wird keine eigene Regelung geben, wonach wir nicht immune Kunden von Reisen ausschließen“, sagte Tui-Sprecher Aage Dünhaupt.

Wer viel in der Welt unterwegs ist, der schmunzelt über das Impfentheater. Denn viele Länder fordern eine Impfung gegen Krankheiten wie Gelbfieber. dpa/awt

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