Aber keine Gewinne mit dem Impfstoff

Trotz Impf-Skandalen: AstraZeneca verdoppelt Gewinn

Impfstoff, Lieferprobleme oder Blutgerinnsel - alles Wörter, die im Zusammenhang mit AstraZeneca stehen. Trotz häufig negativer Berichterstattung läuft das Pharmageschäft gut.

Der Corona-Impfstoff-Hersteller AstraZeneca hat im ersten Quartal 2021 seinen Nettogewinn verdoppelt. Wie das britisch-schwedische Unternehmen am Freitag mitteilte, stieg der Gewinn nach Steuern von 780 Millionen Dollar auf 1,56 Milliarden Dollar (rund 1,29 Milliarden Euro). Der Umsatz kletterte von Januar bis März um 15 Prozent auf 7,3 Milliarden Dollar. Während viele Pharmakonzerne zuletzt über schleppende Geschäfte berichteten, da Menschen weniger zum Arzt gehen, bescherte AstraZeneca das Geschäft mit Krebsmedikamenten und neuen Arzneien steigende Umsätze.

Zum ersten Mal machte AstraZeneca auch Angaben zum Umsatz mit seinem Corona-Vakzin. Dieser lag im ersten Quartal 2021 bei 275 Millionen Dollar (rund 226,8 Millionen Euro). Wobei die Verkäufe des Impfstoffs nur rund vier Prozent des gesamten Umsatzes ausmachen.

Astrazeneca: Keine Gewinne mit dem Corona-Impfstoff während der Pandemie

AstraZeneca hatte sich von Beginn an zum Ziel gesetzt, mit dem Corona-Impfstoff während der Pandemie keine Gewinne erwirtschaften zu wollen. Der Kerngewinn je Aktie lag nun bei 1,63 Dollar und sei wegen des Pandemie-Impfstoffs drei Cent geringer ausgefallen, so das Unternehmen.

Konzernchef Pascal Soriot sprach von „soliden Fortschritten“ in den vergangenen drei Monaten. „Neue Medikamente haben zu mehr als der Hälfte unseres Umsatzes beigetragen, und alle Regionen sind ermutigend gewachsen.“ Für das Gesamtjahr 2021 erwartet AstraZeneca ein Umsatzwachstum im niedrigen Zehnerprozentbereich.

In diesem Ausblick ist der Corona-Impfstoff, der wohl zumindest die öffentliche Wahrnehmung des Unternehmens in den kommenden Monaten weiterhin prägen dürfte, gar nicht inbegriffen. Mit einem Preis von rund 3,40 Euro pro Dosis liegt der Impfstoff, der federführend von Forschern der Universität Oxford entwickelt wurde, preislich deutlich unter den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna. Außerdem kann das Mittel relativ einfach transportiert und gelagert werden, da Kühlschranktemperaturen ausreichen. So eignet es sich etwa besonders für den Einsatz in Entwicklungsländern.

Nach Corona-Impfungen mit dem Impfstoff von Astrazeneca kam es vereinzelt zu Hirnblutungen.

Doch trotz seines logistischen und preislichen Vorteils und der nachweislich hohen Wirksamkeit* verlief die noch recht junge Historie des AstraZeneca-Impfstoffs relativ holprig*: Selten auftretende Blutgerinnsel im Zusammenhang mit der Impfung führten dazu, dass mehrere Staaten das Mittel nur noch für höhere Altersgruppen offiziell empfehlen oder den Impfstoff sogar gar nicht mehr einsetzen.

Das Hin-und-Her wiederum sorgte auch in Altersgruppen, für die das Vakzin uneingeschränkt empfohlen wird, zu Misstrauen. Zeitweise blieben zigtausende Impfdosen liegen, weil Männer und Frauen ihre Termine nicht wahrnahmen. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) AstraZeneca für Menschen ab 60 Jahren* - nach ärztlicher Aufklärung können sich auch Jüngere damit impfen lassen.

Doch auch AstraZeneca selbst sorgte immer wieder für Ärger: So kürzte der Konzern mehrfach seine Liefermengen in die EU-Staaten, während Großbritannien weiterhin relativ geräuschlos beliefert wurde. Die EU sieht darin einen Vertragsbruch und zog gegen AstraZeneca vor Gericht. Das Unternehmen hält die Klage für unbegründet. Der Vertrag enthält die umstrittene Klausel, die Firma müsse „best reasonable efforts“ zur Erfüllung der Zusagen unternehmen - zu Deutsch in etwa „alle vernünftigen Anstrengungen“. AstraZeneca argumentiert, das habe man eingehalten; die EU-Kommission sieht das anders. Ende Mai wird vor Gericht verhandelt. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Stefan Sauer/dpa

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