Trekking-Tour im Selbstversuch: Kälte trifft auf energiegeladene Schlittenhunde

Mit vier Kraftpaketen durch den Harz

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Die Trecking-Tour läuft nicht immer so entspannt ab, wie das Bild vermuten lässt. Die Zugkraft der Schlittenhunde aufzufangen kann zum richtigen Kraftakt werden – besonders der Rücken wird beansprucht.

Clausthal-Zellerfeld - Von Vivian Krause. Ein Rudel mit klar zugewiesenen Positionen – Shadow, der Anführer, Hix, der Mit(tel)läufer, Mäuschen, das einzige Mädchen an diesem Tag, und Iinooq, das Kraftpaket. Willkommen bei einer Schlittenhunde-Trecking-Tour im Harz.

Der eisige Wind macht nur den menschlichen Teilnehmern des Marsches zu schaffen, die Hunde lieben die Kälte, erklärt Tourguide Jens Habich. Den Nachmittagsausflug bestreiten drei Alaskan Malamute und ein Siberian Husky. Dazu gesellen sich jeweils zwei Menschen. Maximal gehen fünf Hunde mit auf eine Tour. „Die kleine Gruppengröße unterstreicht das intensive Erlebnis“, sagt Habich. Er bietet ähnliche Touren schon seit 1994 an.

Nach einer Sicherheitseinweisung rund um die Umgangsweise mit den Hunden werden diese den Menschen zugeteilt. Die kräftigsten Teilnehmer kriegen den kräftigsten Hund, die jüngsten den jüngsten. Meinem Bruder und mir wird Apachè, liebevoll Mäuschen genannt, zugewiesen – die „Schmusezicke“.

Die Schlittenhunde können das Zehnfache ihres eigenen Gewichts ziehen, das wären beim Anführer Shadow stolze 520 Kilogramm. Sollte nun ein Hund oder ein Wildtier während der Tour unseren Weg kreuzen, müssen die zwei Hundeführer ausreichend Kraftreserven haben, um die Vierbeiner zurückzuhalten.

Es kommt, wie es kommen muss. Schon nach ein paar Metern: der erste Hund. Alle Teilnehmer schnappen ihre Gefährten, gehen fünf Meter in den Wald und suchen sich einen geeigneten Baum, an dem sie sich mit einem Arm festhalten können. Unseren Schlittenhund packe ich mit dem anderen Arm im Geschirr und warte ab. Plötzlich zerrt er, springt hoch und kläfft mit einem so tiefen Ton – den ich einem so zierlichen Hund wirklich nicht zugetraut hätte. Nachdem der Hund vorbei und der Rudel-Chor verstummt ist, geht es weiter. Über Stock und Stein, durch Matsch und Dreck, immer aufmerksam, um nicht über Wurzeln zu stolpern.

„Das ist doch eine schöne Idee für ein erstes Date“, höre ich von dem Team hinter uns. Wieso nicht? Apropos Liebe – woher kommt die Liebe zu den Schlittenhunden? Schon mit zwölf Jahren entwickelte Jens Habich diese. So war er jedes Jahr beim internationalen Schlittenhunde-Rennen in Clausthal-Zellerfeld als Helfer im Einsatz. Im Lauf der Jahre unternahm er mehrere monatelange Reisen durch Alaska, Kanada, Sibirien und Schweden, welche ihn „noch mehr dazu bewogen, mit Schlittenhunden zu arbeiten“.

Habich fuhr bei Rennen mit, konnte mit der Mentalität der anderen Teilnehmer aber nicht viel anfangen. So entschloss er sich, bei seinen Erlebnis-Touren den Schlittenhund seinem Ursprung entsprechend zu zeigen: als Last-und Arbeitstier.

Und das bekommen wir auch zu spüren. „Ihr habt morgen Muskelkater an Stellen, wo ihr ihn noch nie hattet“, sagt Habich. Damit soll er recht behalten. Denn der Gurt, den wir uns um die Hüfte schnallen, wird ganz schön beansprucht. Und damit auch der Rücken. Denn: Die Hunde ziehen während der gesamten Tour, die Leine steht ständig unter Spannung. Vor allem beim Bergabgehen warnt Habich: „Lehnt euch richtig in das Geschirr rein.“ Andernfalls würden die Tiere uns wortwörtlich hinter sich herziehen.

Nach einer Pause für Hund und Halter mit Snacks und Tee geht es in die zweite Runde – insgesamt sind wir zehn Kilometer unterwegs.

Als sich die Familie Habich entschloss, einen Husky anzuschaffen, „war der Grundstein zur Huskyfizierung gelegt“, erzählt der Hundeführer. So nimmt er sich auch Problemhunden wie Apachè an. Sie kommt aus einer schlechten Zucht und scheint noch immer Spuren davon zu tragen – nicht nur äußerlich, auch im Verhalten: Sie braucht viel Liebe und Zuneigung.

Mit Einbruch der Dunkelheit bekommen die Hunde Blinklichter und jeweils ein Begleiter eine Stirnbandleuchte auf den Kopf: sicher durch die dunklen Wälder.

„Fahrt nach Hause, nehmt ein Bad und geht auf dem Weg zum Sofa in der Küche vorbei“, rät uns Jens Habich zum Abschied. Recht hat er: Erschöpft von dem Marsch fallen wir abends ins Bett. Und wachen morgens mit Muskelkater wieder auf.

Besonders für Tierliebhaber, Rasse-Interessierte oder Wanderfreunde ein toller Ausflug. Laufmuffel sind bei Shadow und Mäuschen allerdings an der falschen Adresse.

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