„Abzocke“: Abofalle vom Autohersteller

Toyota legt Autoschlüssel lahm – Käufer müssen für Funktion extra zahlen

Einmal die Abo-Rechnung nicht bezahlt und schon geht das Auto nicht mehr an. Das könnte Kunden von Toyota bald blühen. Shitstorm vorprogrammiert.

Washington – Der größte Autohersteller der Welt, Toyota, hat ein Abo-System für seine Kundinnen und Kunden. Dadurch werden Funktionen für das Auto freigeschaltet. Das Abo gibt es als „Service-Pauschale“ beim Autokauf meist erstmal gratis dazu. Doch wenn es erstmal ausgelaufen ist, sind die Extras des Toyotas eingeschränkt. Nur gegen kostenpflichtige Verlängerung profitiere Käufer dann wieder von vielen Extras. Dazu zählt auch, dass der Autoschlüssel wie gehabt funktioniert. Kundinnen und Kunden zeigen sich im Netz darüber entsetzt.

AutomobilherstellerToyota
Gründung28. August 1937, Japan
HauptsitzToyota, Präfektur Aichi, Japan
GründerToyoda Kiichirō

Toyota deaktiviert Autoschlüssel: Kunden müssen für Funktionen im Abo draufzahlen

Doch von vorn: Eine sogenannte Fernstart-Funktion für Autos ist besonders in den USA beliebt und gehört zu den potenziellen Vorteilen beim Kauf vieler Toyota-Modelle. Damit lässt sich das Fahrzeug aus der Ferne starten. Das ist im Winter praktisch, denn dann heizt die Standheizung schon mal vor. Um Schnee, Eis und Frost vom Auto zu befreien, nutzen viele Toyota-Fahrerinnen und Fahrer die Fernstart-Funktion. So wird das Auto bereits vor Abfahrt warm.

Besonders umweltfreundlich ist das nicht, dafür aber hocheffektiv. Bei Elektroautos ist das Vorwärmen an der Ladestation sogar empfohlen. Die Funktion des Fernstartens ist aber nicht im Autokauf enthalten. Kunden müssen dafür monatlich bezahlen. Vielen ist dies nicht bewusst, da es mit der Service-Pauschale abgedeckt ist. Läuft dieses aus müssen Kundinnen und Kunden für das Toyota-Abonnement draufzahlen. Das Abonnement koste 8 Euro pro Monat oder alternativ 80 Euro im Jahr.

„Abzocke“: Kunden stinksauer wegen Abofalle von Toyota

„Erst soll man das Auto an sich bezahlen und dann auch noch dafür, dass man es nutzen kann. Das ist Abzocke“, schreibt ein verärgerter User auf Twitter. „Ich habe mich gerade erst daran gewöhnt, das Auto aus dem Haus heraus vorzuheizen“, schreibt eine weitere Userin aus den Vereinigten Staaten. Tja, da kommt einem doch direkt wieder der alte Werbe-Jingle in den Sinn – allerdings sehr ironisch: „Nichts ist unmöglich – Toyota“.

Toyota lässt sich Fernstart-Funktion im Abo bezahlen – in Deutschland ist Fernstart rechtliche Grauzone

In den USA ist das erlaubt. In Deutschland ist das Nutzen der Fernstart-Funktion laut Straßenverkehrsordnung nicht so richtig zulässig, aber eben auch nicht explizit verboten. Es scheint, eine Grauzone zu sein. Die Straßenverkehrsordnung jedenfalls sagt erstmal nur, dass der Motor eines Autos nur dann laufen darf, wenn die unmittelbare Absicht besteht, zu fahren.

Abo-Falle bei Toyota: einige Schlüsselfunktionen müssen bald monatlich bezahlt werden. (kreiszeitung.de-Montage)

Gerade bei Kälte, wenn ein direktes Losfahren wegen Vereisung gar nicht möglich ist, lassen viele Fahrerinnen und Fahrer in der Realität dennoch ihren Motor bereits vorher laufen, um das Auto zu entfrosten – unabhängig von Fernstart-Funktionalität des Autos. Um rechtlich sauber zu bleiben, sollten Fahrerinnen und Fahrer jedoch die Standheizung ohne den Motor nutzen.

Notfallhilfe ist Teil des Toyota-Abonnements

Auch in Deutschland sind ein paar Toyota-Modelle mit integrierter Fernstart-Funktion unterwegs, meist importiert aus den USA. Somit könnten auch deutsche Toyota-Kundinnen und Kunden vor neuen Kosten beim Autofahren stehen. Zu den Funktionen des Abonnements zählen neben der Fernstart-Funktion unter anderem auch eine Notfallhilfe, Hotspot-Konnektivität und App-basierte Dienste.

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Auch dass die Notfallhilfe kostenpflichtig werden soll, empört die Nutzerinnen und Nutzer im Netz: „Sollte so etwas nicht eigentlich selbstverständlich sein?“, hinterfragt eine Userin den Schritt von Toyota, ein weiterer User kommentiert: „Ich bin fassungslos, Geld darf nicht über Sicherheit entscheiden. Die Notfallhilfe sollte ein Gesetz und kein Zahlungsdienst sein.“

Ein andere User hingegen sieht das etwas anders: „Das Abo zum Betreiben von Autos heißt Benzin. Ohne dafür zu bezahlen, können Sie es nicht fahren. Übersehen Sie diese Tatsache nicht, um sie bedeutender erscheinen zu lassen, als sie tatsächlich ist.“ Elektroauto-Nutzer regen sich im Netz ebenfalls auf, jedoch nicht über teure Abonnement, sondern mangelnde Ladestationen für E-Autos in deutschen Innenstädten. Wer von dem Toyota-Abo betroffen ist, kann allerdings auch ohne Fernstart-Funktion künftig immernoch ganz manuell sein Auto öffnen und losfahren – nur eben ohne warmen Poschi. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Igor Kralj/Noah Wedel/Steve Heap/imago

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