Seelsorger für Urlauber

Kirchen machen keine Ferien

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Am Nordseedeich bei Schillig steht eine katholische Kirche auf dem Campingplatz - die „Kirche am Meer“.

Schillig - Von Hans-Christian Wöste. In der Hauptreisezeit sind Millionen Menschen im Norden unterwegs. Die Urlauber suchen vor allem Erholung - und hin und wieder Gespräche über Gott und die Welt. Darauf haben sich die Kirchen eingestellt und schicken Seelsorger zu den touristischen Brennpunkten.

An der Nordsee gibt es eine katholische „Kirche am Meer“ für Urlauber auf einem benachbarten Campingplatz, andernorts sind Freiwillige mit Wohnwagen unterwegs. Daneben richten sich Angebote an Radfahrer oder Pilger. „Viele Menschen haben erst jetzt im Urlaub richtig Zeit, um zu reden“, sagte ein Kirchenvertreter.

„Erholung ist eine Insel“ lautet ein Werbeslogan auf Wangerooge. Passend dazu gibt es viele kirchlichen Angebote auf der einzigen ostfriesischen Insel mit einer eigenständigen katholischen Pfarrei. Dort wird Inselpfarrer Egbert Schlotmann bei der Urlauberseelsorge während der Sommersaison von drei wechselnden Teams mit Ehrenamtlichen unterstützt. „Da brummt es ganz massiv“, sagte Ludger Heuer vom Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta. „Die Gottesdienste sind knallvoll. Es gibt immer wieder Gelegenheit zu Gesprächen, in der Kirche, in Zelten und vor Ferienwohnungen.“

Volles Haus hat meistens auch Pfarrer Lars Bratke in der St.-Marien-Kirche in Schillig (Kreis Friesland) bei Wilhelmshaven. Vor vier Jahren baute die katholische Kirche an der evangelisch geprägten Küste das auffällige Gebäude, das entfernt an eine Welle oder an einen Schiffsrumpf erinnert. Nebenan liegt einer der größten deutschen Campingplätze mit 1500 Stellplätzen. Die meisten Gäste kommen aus überwiegend katholischen Gebieten in Nordrhein-Westfalen. Die sonst kleine Gemeinde mit rund 750 Mitgliedern wächst im Sommer sprunghaft an und beschert Bratke enormen Zulauf.

„Regen Zuspruch finden auch Aktivitäten an anderen Hot-Spots in der Lüneburger Heide, im Weserbergland und im Osnabrücker Land“, sagte Tourismus-Referent Klaus Stemmann von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover. Es seien Angebote gefragt, die sich nicht gleich aufdrängten: „Ein kühler, schattiger Ort im Sommer, der Ruhe und etwas Spirituelles ausstrahlt - da kann eine Kirche für Radfahrer oder Pilger ein guter Anlaufpunkt sein.“

Vor allem auf Campingplätzen sind Helfer unterwegs und laden Kinder zum Basteln, Spielen und Singen ein. Sonntags bringt ein Gottesdienst die Gläubigen zusammen. „Das sind gefragte Angebote, die wie ein zusätzlicher Stern auf der Campingplatz-Wertung wirken“, sagte Stemmann.

Auch Pilgerstrecken gibt es in Niedersachsen, etwa von Loccum nach Volkenroda. Auch hier geht es um Gott und die Welt - bei Abstechern in Kirchen und Klöstern, falls gewünscht. „Sich selbstbestimmt auf den Weg machen: dieser Stil ist gefragt“, sagte Stemmann.

dpa

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