Wissenschaftler gehen der Geschichte rund um die Brauerei Hermanns auf den Grund

Totenschädel auf der Bierflasche ist ein Rätsel

Marvin Mädel (links) und Axel Fahl-Dreger mit Flaschen der Hermanns-Brauerei. Die eine zeigt im Stadtwappen das Gesicht des heiligen Paulus, die andere einen Schädel. - Foto: Chowanietz

Vechta - Von Lars Chowanietz. Die letzten Überreste des einst größten Unternehmens Vechtas – der Brauerei H. Hermanns – verschwanden mit dem Abriss der Gebäude an der Falkenrotter Straße im Jahr 1979. Jetzt sind archäologische Funde Startpunkt für ein Forschungsprojekt.

Ein Jahrhundert ist für Archäologen ein kurzer Zeitraum. „Das heißt aber nicht, dass 100, vielleicht 120 Jahre alte Fundstücke uninteressant sind“, sagt Marvin Mädel von der Firma Denkmal 3d. Er hat im Auftrag der Stadt die Erdarbeiten für die neuen Häuser auf dem ehemaligen Zob-Gelände wissenschaftlich begleitet und Spuren der Vergangenheit gesichert.

Gefunden hat er dabei neben Strukturen der alten Zitadelle vor allem neuzeitliche Abfälle wie Töpfe und Pfannen, aber auch Glasflaschen. Gerade diese interessieren Mädel, da sie ein Stück Stadtgeschichte seien.

Denn darunter ist auch eine Bierflasche der Vechtaer Brauerei H. Hermanns. Das Besondere daran: Das auf der Flasche eingeprägte Vechtaer Stadtwappen zeigt einen Totenkopf statt das Gesicht eines Mannes.

Wie die Flasche in den Untergrund kam, ist für Mädel klar. Irgendjemand hatte sie in die Piske – einen seit Jahrzehnten zugeschütteten Arm des Moorbachs – geworfen. Da, wo jetzt Häuser entstehen, blieb die Flasche schließlich im Schlamm stecken. Unklar ist aber, wann das passierte. Das Gefäß lässt sich nicht oder nur ungenau datieren – genauso wie viele andere Flaschen, die im Archiv des Vechtaer Museums im Zeughaus lagern.

Museumsleiter Axel Fahl-Dreger kann nur spekulieren, wann die 1857 an der Falkenrotter Straße gegründete Hermanns-Brauerei die Flaschen herausgegeben hat. Die Form und die Einprägungen auf dem Glas hätten sich aber in den Jahren mehrfach komplett geändert, sagt er. Die vermutliche Urversion der Prägung des Stadtwappens zeige noch das Gesicht des heiligen Paulus statt eines Schädels. Warum und wann es zu der Veränderung kam, ist völlig unklar. Deshalb sucht Fahl-Dreger jetzt weitere Flaschen, um eine Typologie aufzustellen. Anhand bestimmter Merkmale wie der Form und der Verschlussart will er eine zeitliche Abfolge aufstellen. Genauer werde diese, wenn ihm zum Vergleich auch Flaschen weiterer Vechtaer Brauereien zur Verfügung stehen würden.

Im 18. Jahrhundert etwa habe es mindestens fünf derartige Betriebe in Vechta gegeben. Die Dampfbrauerei Hermanns war aber die bei weitem größte. Sie galt auch als eines der größten Unternehmen des Oldenburger Münsterlands.

Heinrich Hermanns gründete auch die Vechtaer Feuerwehr und produzierte in seiner Brauerei den ersten Strom für die Kreisstadt. Der Erfolg endete mit dem Ersten Weltkrieg und der folgenden Wirtschaftskrise. Sein Sohn verkaufte das Werk 1930 schließlich an Haake Beck.

Fahl-Dreger hofft, dass einige Vechtaer noch historische Flaschen zu Hause haben und ihm diese zur Verfügung stellen. Behalten will er sie aber nicht. Die Gefäße sollen nur fotografiert, vermessen und kurz untersucht werden. Deshalb sei es am besten, wenn sich die Inhaber der Flaschen telefonisch bei ihm meldeten, um einen Termin auszumachen.

Das Museum im Zeughaus ist unter Tel. 04441/93090 zu erreichen.

Bayern nach Leipzig-Patzer wieder vorn

Bayern nach Leipzig-Patzer wieder vorn

Riesenjubel in Grün-Weiß

Riesenjubel in Grün-Weiß

DHB-Frauen starten mit Sieg in EM-Hauptrunde

DHB-Frauen starten mit Sieg in EM-Hauptrunde

Weihnachtsmarkt in Sankt Hülfe/Heede

Weihnachtsmarkt in Sankt Hülfe/Heede

Meistgelesene Artikel

Waschbären breiten sich in Niedersachsen immer mehr aus

Waschbären breiten sich in Niedersachsen immer mehr aus

17-jähriger Autofahrer tödlich verunglückt

17-jähriger Autofahrer tödlich verunglückt

68-Jähriger tot in brennender Wohnung gefunden

68-Jähriger tot in brennender Wohnung gefunden

Haus nach Gasexplosion einsturzgefährdet

Haus nach Gasexplosion einsturzgefährdet

Kommentare