Viele Jugendliche sind „bewaffnet“

Schockierend: 17 Tote und 1003 Verletzte durch Messerangriffe in Niedersachsen

Mehr als 2000-mal wurde ein Messer als Waffe eingesetzt. Niedersachsen hat nun die genauen Zahlen für 2021 bekannt gegeben.

Hannover - Die Zahl der Messerangriffe hat in Niedersachsen in den vergangenen Jahren zugenommen. Laut Eingangsstatistik wurden im laufenden Jahr 2221 Messerangriffe (Stichtag 10. November) verzeichnet, wie das Innenministerium in Hannover mitteilte. Diese vorläufigen Daten seien nur bedingt mit der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für die vergangenen Jahre vergleichbar. Die PKS sei eine Ausgangsstatistik, in der alle Fälle nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen erfasst seien.

LandeshauptstadtHannover
Fläche47.614 km²
Einwohner7,982 Millionen (2019)
Internetniedersachsen.de

2020 gab es demnach in Niedersachsen 2377 Messerangriffe, ein Jahr zuvor waren es 2218 - die Zahlen entsprechen der Anzahl der abgeschlossenen Strafverfahren. 2020 wurden 839 (2019: 807) Menschen dabei leicht, 164 (2019: 110) schwer und 17 Menschen (2019: 19) tödlich verletzt. Eine 2019 vorgestellte Studien kam zu dem Ergebnis, dass inzwischen jeder fünfte Jugendliche ein Messer mit sich trage, entweder zur Verteidigung oder um andere zu bedrohen.

Messerangriffe in Niedersachsen haben zugenommen

Auch das Bundesland Bremen berichtete von mehr Messerangriffen in diesem Jahr. Zahlen nannte die Innenbehörde aber nicht. „Ein Anstieg zeigt sich auch bei der Zahl der Verletzten“, hieß es. Für 2020 verzeichnete die Kriminalstatistik in Bremen 229 Angriffe mit Stichwaffen, 215 Mal wurde dabei ein Messer eingesetzt. Im Jahr 2015 wurden 285 Angriffe mit Stichwaffen registriert. Bereits 2017 rückte bei der Bremer Polizei das Viertel wieder in den Brennpunkt. Eine damalige Analyse brachte das Ergebnis: mehr Kriminalität im Viertel.

Angriffe mit einem Messer nehmen zu. (Symbolbild)

Zu Fällen, in denen Polizeibeamte oder Rettungskräfte Opfer einer Straftat wurden, gab es in Niedersachsen wie Bremen zunächst keine Zahlen für 2021. Im vergangenen Jahr wurden in Niedersachsen 3548 Fälle registriert, in denen Polizeibeamte Opfer wurden - 2019 waren es 3260. 1389 (2019: 1260) dieser Opfer wurden dabei verletzt. Im Rettungsdienst wurden im vergangenen Jahr 216 (2019: 244) entsprechende Fälle erfasst. Dabei wurden 103 (2019: 125) Rettungskräfte verletzt.

Die Bremer Innenbehörde sprach von einer steigenden Zahl der tätlichen Angriffe auf Polizisten und andere Einsatzkräfte in diesem Jahr. Es habe auch mehr Verletzte gegeben. Im Jahr 2020 wurden 432 Angriffe auf Polizisten und Polizistinnen in Bremen und Bremerhaven verzeichnet.

Messerangriffe: Nicht alle Länder liefern konkrete Zahlen

Der ARD-Faktenfinder hat alle Bundesländer nach Zahlen zur Kriminalität mit Stichwaffen (dazu gehören auch Messer) gebeten. In vielen Ländern werden solche Delikte aber nicht ausgewiesen – darunter Bayern, Bremen und Sachsen-Anhalt.

Doch nicht nur in Niedersachsen und Bremen gibt es ein Problem mit Messern. In Nordrhein-Westfalen wurden in verschiedenen Städten Waffenverbotszonen eingerichtet. So richtete Köln entsprechende Zonen an den Party-Hotspots ein. In Bremen gibt es seit 2014 Waffenverbotszonen. Von 22 bis 6 Uhr ist unter anderem auf der „Discomeile“ das Tragen von Waffen verboten. Auch dort greift das Corona-Tanzverbot.

Messer und andere Waffen: Was sind Waffenverbotszonen?

Als Waffenverbotszone wird ein Gebiet bezeichnet, in dem per behördlicher Verordnung das Mitführen von Waffen verboten ist. Die Waffenverbotszone kann zeitlich begrenzt werden und gibt der Polizei beziehungsweise den Sicherheitsbehörden die Möglichkeit, an Kriminalitätsschwerpunkten verdachtsunabhängige Personenkontrollen durchzuführen. Zusätzlich ist oft eine polizeirechtliche Zone eingerichtet, welche das Mitführen von sogenannten gefährlichen Gegenständen untersagt. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Gottfried Czepluch/Imago

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