Bundesweite Aktion der Polizei

Todesfalle Smartphone: Kontrollen an etwa 300 Orten in Niedersachsen

Hannover - Von Sonja Wurtscheid. Riesige Plakate an Autobahnen versuchen, Fahrern in Sekundenschnelle auf das Risiko Handy aufmerksam zu machen. Kreuze an Landstraßen erinnern an Unfalltote. Doch schrecken diese Botschaften ab?

Tippen tötet: Die Polizei will am Donnerstag deutschlandweit auf die Gefahren der Ablenkung am Steuer aufmerksam machen. Es geht vor allem um die Handy-Nutzung, die immer wieder Unfälle zur Folge hat. In Niedersachsen sollen Verkehrsteilnehmer an gut 300 Orten kontrolliert werden. 

Wissenschaftlern zufolge sind Autofahrer bei mehr als 50 Prozent aller Unfälle abgelenkt. „Ob durch das Handy am Steuer, auf dem Fahrrad oder als Fußgänger mit Kopfhörern auf den Ohren - durch Ablenkung im Straßenverkehr bringt man sich und andere in tödliche Gefahr“, sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) anlässlich der ersten länderübergreifenden Aktion unter dem Motto "sicher.mobil.leben". 

Das Hintergrundbild auf dem Handy zeigt zwei junge Frauen. Eine trägt roten Lippenstift, die andere macht einen Kussmund. Sie könnten gerade auf dem Weg zu einer Party gewesen sein. Aber die Mädchen sind tot - Unfall. Auf dem Plakat an der Autobahn prangt in fetter Schrift: „tipp tipp tot“. 

Handy-Problem am Steuer wird eher schlimmer

Bei mehr als 50 Prozent aller Verkehrsunfälle sind die Fahrer abgelenkt, schätzen Forscher. Der Polizei liegen noch keine Zahlen zur Unfallursache Handy vor. Ablenkung werde in der Statistik noch nicht gesondert aufgelistet, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums. Die Landesregierung will das ändern. In einer Studie lässt sie derzeit unter anderem die Gefahr von Handys als Unfall-Auslöser untersuchen. 

„Das Problem Handy am Steuer wird eher schlimmer“, sagte Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, und ergänzte: „Das Thema telefonieren am Steuer ist eins von gestern“. Viel gefährlicher sei das Texten. Keine andere Beschäftigung nehme so viel von unserem Blickfeld und unseren Gedanken ein. 

Wirken die Mega-Plakate?

Die Mega-Plakate der Kampagne „Runter von Gas“ säumen mit unterschiedlichen Motiven seit zehn Jahren die deutschen Autobahnen. Aktuell warnt das Bundesverkehrsministerium mit den Plakaten vor Smartphones am Steuer. Darüber, ob die Abschreckung auch wirkt, sind sich Experten nicht einig. Zu schockierend dürfe die Botschaft nicht sein, sonst nehme sie niemand mehr ernst, meint Heinz Albert Stumpen, Dozent für Verkehrspsychologie und -wissenschaft an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster. 

Der Vorsitzende des Bundesverbandes Niedergelassener Verkehrspsychologen, Karl-Friedrich Voss, vergleicht die Plakate mit den Schock-Bildern auf Zigarettenpackungen: „Die, die es angehen soll, interessiert es nicht“, glaubt er.

Infos für Fahrschüler im Landkreis Rotenburg

Die niedersächsische Polizei setzt am Aktionstag nicht nur auf Kontrollen und das Verteilen von Bußgeldern, sondern auch auf die Prävention. Die Polizeidirektion Göttingen will dabei unter dem Hashtag #sichermobilleben verstärkt Twitter und Facebook einsetzen. Im Landkreis Rotenburg informieren die Polizisten in Fahrschulen Fahranfänger und bieten Radfahrtraining für Schüler an. 

Wer ein Handy am Steuer nutze, müsse mit einem Bußgeld von 100 Euro rechnen, sagte der Rotenburger Polizeisprecher, Heiner van der Werp. Hinzu komme ein Punkt in Flensburg. Wer andere dabei gefährde oder gar schädige, müsse 150 oder 200 Euro Bußgeld zahlen. In diesen Fällen seien zwei Punkte fällig und es drohe ein Fahrverbot. Wer mit einem Handy auf dem Fahrrad erwischt werde, müsse 55 Euro zahlen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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