Vom Körbchen in die große Freiheit

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Ein Heuler der Seehundstation Norddeich. Foto: Seehundstation Norddeich/Archiv

Norddeich - An der Ostspitze der Insel Juist werden heute die ersten Heuler aus der Seehundstation Norddeich ausgewildert.

Vom Körbchen in die große Freiheit: Die ersten drei Heuler der Seehundstation Nationalpark-Haus in Norddeich wurden am Dienstag auf Juist ausgewildert. Jule, Luke und Ida genossen noch ein wenig die Sonne am Sandstrand, dann robbten sie in die Nordsee. Für Stationsleiter Peter Lienau kein sentimentaler Moment: „Das ist das Ziel unserer Arbeit. Wir haben keine Abschiedstränen in den Augen.“ In diesem Jahr wurden rund 40 Prozent weniger Jungtiere in die Schutzstation gebracht. Ein Grund dafür ist laut dem Stationsleiter auch der späte Beginn der Sommerferien.

Nach Jule, Luke und Ida warten in der Seehundstation noch weitere 96 Heuler auf ihre Auswilderung. Im vergangenen Jahr waren 136 verwaiste Jungtiere in der Station groß gezogen worden. Geboren werden die Seehund-Jungen zwischen Juni und Juli. Wegen des späten Ferienstarts seien in dieser Zeit weniger Spaziergänger und Wassersportler unterwegs gewesen.„Die Tiere wurden somit in den wichtigen Ruhephasen weniger oft gestört“, sagte Lienau.Ein weiterer Grund dafür, dass weniger Heuler in der Station großgezogen wurden, sei die Seehund-Influenza - durch sie seien schwache Tiere bereits gestorben.

Heuler Jule war der erste Seehund-Waise, der in diesem Jahr in die Seehundstation gebracht wurde, nachdem sie auf Spiekeroog gefunden worden war. Mithilfe von Brei und Fisch legte das Seehund-Mädchen innerhalb von 54 Tagengut 20 Kilogramm zu. „Alle drei Tiere waren Raketen“, sagt Tierpfleger Tim Fetting. Sie hätten sehr schnell eine dicke Fettschicht angelegt. Auch Luke und Ida waren rund 50 Tage in Obhut der Tierschützer. Nur zehn Tiere, die bisher abgegeben wurden, waren nach Angaben der Seehundstation nicht überlebensfähig und mussten eingeschläfert werden.

Die Seehundstation Nationalpark-Haus nimmt bereits seit 40 Jahren Seehund-Welpen auf, die ihre Mutter verloren haben. Noch bis Oktober werden die Heuler nach und nach wieder an der Nordsee ausgewildert. Zurück in der Freiheit erkunden die Tiere nicht nur das heimische Wattenmeer. Es seien schon Meldungen über die Seehunde aus Dänemark, Frankreich und England gekommen, sagte Fetting.

dpa

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