Theologen und Tierrechtler diskutieren

Kommen Tiere in den Himmel?

Hannover - Der Hund daheim wird verhätschelt. Darüber dass für das Schnitzel auf dem Teller ein Schwein sterben musste, denken die wenigsten nach. Unser Verhältnis zu Tieren ist oft zwiespältig. Theologen und Tierrechtler diskutieren darüber, ob Tiere in den Himmel kommen.

Man sieht es nicht nur an der wachsenden Zahl von Vegetariern und Veganern: Das Verhältnis der Menschen zu Tieren hat sich gewandelt. Wurde über Jahrhunderte hinweg vor allem ihr Nutzen etwa als Fleischlieferant gesehen, sind Haustiere heute für viele vollwertige Familienmitglieder oder sogar Kind-Ersatz. Diese innige emotionale Bindung müssten sowohl Tierärzte im Umgang mit den Besitzern, aber auch Seelsorger in den Blick nehmen, fordert Peter Kunzmann. Der Philosoph und Theologe ist Inhaber der bundesweit einzigen Professur für Ethik in der Tiermedizin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo).

Am Mittwochabend diskutierte er mit dem evangelischen Theologen Marco Hofheinz von der Universität Hannover und dem österreichischen Tierethiker Kurt Remele über das Mensch-Tier-Verhältnis. „Dein Tier kommt nicht in den Himmel“, lautete der provokante Titel der Veranstaltung.

Vollwertiges Familienmitglied

„Geschichtlich ist das Christentum keine tierfreundliche Religion“, meint Remele, Autor des Buches „Die Würde des Tieres ist unantastbar“. Schon in der Schöpfungsgeschichte wird der Mensch aufgefordert, sich die Erde untertan zu machen und über die Tiere zu herrschen. Erst Papst Franziskus habe sich mit seiner Umwelt-Enzyklika davon verabschiedet, den Menschen als Mittelpunkt zu betrachten. „Ich glaube schon, dass Tiere in den Himmel kommen“, sagt der Professor der Universität Graz, der sich seit den 1970er Jahren intensiv mit Tierrechten beschäftigt.

„Viele Menschen können nicht nachvollziehen, warum Tiere nach dem Tod irgendwo anders hinkommen sollten als Menschen“, sagt Kunzmann. Darauf deute auch eine Befragung von Besitzern von Patienten hin, die in der Kleintierklinik der Tierärztlichen Hochschule Hannover behandelt wurden. Über 90 Prozent der Befragten gaben an, ihr Tier sei ein „vollwertiges Familienmitglied“. Für mehr als die Hälfte war der Hund oder die Katze sogar Kind-Ersatz.

„Tiere sind Mitgeschöpfe“

Es gebe eine Kluft zwischen Haustieren, die wir verhätscheln, und Nutztieren, die wir quälen, meint Tierrechtler Remele. Er plädiert dafür, kein Fleisch zu essen. In Indien seien heute noch über 50 Prozent der Menschen Vegetarier. „Die Hoffnung, dass Tiere in den Himmel kommen, kann ich teilen“, sagt der Theologe Hofheinz. Allerdings warnt er davor, Tiere auf eine Stufe mit Menschen zu stellen. „Sie sind Mitgeschöpfe.“

Der geänderte Blick auf Tiere hat mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu tun. Es sei zwar schwierig, in Tiere hineinzuschauen, sagt Kunzmann. „Wir wissen heute aber viel mehr über Emotionen und Bedürfnisse von Tieren.“ Der Unterschied zwischen Mensch und Tier werde in der Wissenschaft zunehmend eingeebnet. „Der Mensch an sich ist von der Biologie her ein höheres Säugetier, ein Primat“, betont Remele. „Ein Schimpanse hat mit den Menschen mehr gemeinsam als mit einer Muschel und mit einer Ameise.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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