3500 Traktoren in Hamburg

Rollender Protest: Bauern wollen Kooperation statt Konfrontation

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Landwirte demonstrieren am Donnerstag mit Traktoren in Hamburg.

Aus ganz Niedersachsen haben sich Bauern auf den Weg nach Hamburg gemacht, um dort gegen Umweltauflagen für die Landwirtschaft zu demonstrieren. Unter anderem sind sie dabei auch quer durch die Landkreise Verden und Rotenburg (Wümme) gefahren.

Update von 17.05 Uhr: Bauern aus ganz Norddeutschland haben am Donnerstag in Hamburg  gegen neue Umweltvorschriften protestiert. Vertreter der Landwirte übergaben den in der Hansestadt tagenden Umweltministern der Länder eine Resolution. Darin forderte das Aktionsbündnis aus Bauern, Schäfern und Jägern die Politiker auf, mehr auf Kooperation und Freiwilligkeit im Natur- und Umweltschutz zu setzen, statt auf neue Verbote und Konfrontation. Besonders die Vorschriften zum Schutz des Grundwassers, zum Insektenschutz, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat und das Wolfsmanagement stoßen bei den Landwirten und Schafzüchtern auf Kritik.

Die Bauern sehen sich in ihrer Existenz bedroht. „Wenn wir keine Pflanzenschutzmittel mehr einsetzen dürfen, dann verlieren wir 40 bis 50 Prozent unseres Ertrags“, sagte Anne Meyer, Landwirtin aus der Nähe von Barth in Mecklenburg-Vorpommern, deren Hof zu 100 Prozent in einem Vogelschutzgebiet liegt. „Es wird oft gesagt, die Landwirte sind gegen den Umweltschutz, aber das ist überhaupt nicht so“, so die 38-Jährige. Die Natur sei die Grundlage der Bauern. Es dürfe aber nicht über ihre Köpfe hinweg entschieden werden.

Umweltkonferenz-Teilnehmer stellen sich Bauern

Mehrere Teilnehmer der Umweltministerkonferenz stellten sich den Demonstranten. Der Vorsitzende der Ministerrunde, Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) hob die Bedeutung der Landwirtschaft für Umwelt, Ernährung und den Erhalt der Kulturlandschaft hervor. 

Der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, forderte die Bauern auf, Feindbilder beiseite zu packen. In den vergangenen Wochen habe die Bundesregierung mehr als eine Milliarde Euro bereitgestellt, um den Bauern bei der Bewältigung von Dürreschäden und der Umsetzung des Klimapakets zu helfen.

Auch bei der großen Treckerdemo in Berlin nahmen Landwirte aus Niedersachsen teil. Wir sprachen mit zwei Bauern über ihre Beweggründe für den Protest.

„Lassen uns hier nicht abstempeln“

Der Sprecher des Bauern-Zusammenschlusses „Land schafft Verbindung Deutschland“, Dirk Andresen, entgegnete Kerstan, schuld an den Nitraten im Hamburger Grundwasser seien vor allem Abwässer und die Klärwerke, die nicht dicht seien. „Uns hier abzustempeln, das lassen wir uns nicht gefallen!“

Update von 15 Uhr: Bauern aus ganz Norddeutschland sind am Donnerstag mit rund 3500 Traktoren zu einem Protest gegen die Agrar- und Umweltpolitik nach Hamburg gefahren. Die Verkehrsbehinderungen seien geringer als erwartet gewesen, sagte Polizeisprecher Timo Zill. Viele Pendler hätten sich auf den Protest eingestellt gehabt und seien eher losgefahren oder auf die Bahn umgestiegen

Der Polizeisprecher lobte auch das disziplinierte Verhalten der Landwirte. Auf dem Gänsemarkt ganz in der Nähe des Tagungshotels der Umweltministerkonferenz hätten sich bis zum Mittag rund 2500 Kundgebungsteilnehmer versammelt. Es gebe aber noch Zulauf. Der Protest der Bauern richtet sich unter anderem gegen das geplante Agrarpaket, das neue Maßnahmen für mehr Umwelt- und Tierschutz vorsieht.

Nach Kundgebung könnte es Probleme geben

Die eigentliche Herausforderung für die Polizei werde nach der Kundgebung am Nachmittag kommen, wenn sich die Bauern auf den Heimweg machten, sagte Zill. Dann würden die Landwirte nicht mehr alle in Konvois fahren, sondern zumindest zum Teil individuelle Routen wählen.

Mitunter waren Dutzende Trecker zeitgleich auf einer einzelnen Straße unterwegs.

Update von 11.30 Uhr: Mehr als 1000 Trecker sind von Niedersachsen aus zu den Bauernprotesten nach Hamburg gefahren. Dabei kam es am Donnerstagmorgen mehrfach zu Störungen im Berufsverkehr. Allein im Landkreis Harburg zählte die Polizei eine kilometerlange Kolonne von rund 700 Fahrzeugen, die von Buchholz in Richtung Harburg fuhren. Außer derartigen Störungen im Straßenverkehr gab es nach Polizeiangaben keine besonderen Vorfälle oder Unfälle.

In den frühen Morgenstunden waren rund 60 Landwirte aus Uelzen gestartet. Auch in den Landkreisen Lüneburg und Lüchow-Dannenberg sammelten sich Landwirte mit ihren Traktoren. Ziel der Sternfahrten aus verschiedenen Richtungen war die Hamburger Innenstadt. Dort wurden insgesamt 4000 Teilnehmer erwartet, die in der Zeit von 12 bis 15 Uhr an einer Abschlusskundgebung teilnehmen wollten. Bei der Rückfahrt der Traktoren rechnet die Polizei mit weiteren Störungen des Berufsverkehrs.

Bauern-Prostest während Umweltministerkonferenz

Die Landwirte wollen zur Umweltministerkonferenz in der Hansestadt gegen Umweltauflagen für die Landwirtschaft demonstrieren. Dabei geht es unter anderem um den Schutz des Grundwassers sowie um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat.

Auch in Ottersberg waren die Traktoren unterwegs.

Originalmeldung vom 14. November 2019: Verden/Stade/Hamburg - Im gesamten Norden haben sich am Mittwochabend und am frühen Donnerstagmorgen Landwirte mit ihren Traktoren zu einem Bauernprotest nach Hamburg aufgemacht. Rund um die Hansestadt sammelten sich die Demonstrationsteilnehmer mit ihren Treckern und machten sich auf den Weg. Zunächst gab es keine größeren Störungen, allerdings holte die Polizei nach Angaben des Lagedienstes in Kiel Trecker von der Autobahn A23 Heide-Hamburg, die dort unterwegs waren.

Traktoren waren auch über Stade hinweg auf dem Weg nach Hamburg.

Die ersten Traktoren erreichten am Morgen die südlichen und östlichen Randbereiche der Stadt. „Bislang gibt es aber keine übermäßigen Verkehrsbeeinträchtigungen“, sagte ein Sprecher der Hamburger Verkehrsleitstelle. Insgesamt werden am Mittag mehrere tausend Bauern mit ihren Traktoren erwartet. Die Polizei geht von erheblichen Verkehrsbehinderungen aus.

Bauern-Protest gegen Landwirtschaftspolitik

Die Bauern wollen bei der Umweltministerkonferenz in Hamburg gegen Umweltauflagen für die Landwirtschaft demonstrieren. Dabei geht es unter anderem um den Schutz des Grundwassers sowie um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat. Kürzlich hatten Bauern bereits in Hannover und Oldenburg demonstriert und dabei viel Verständnis der Bevölkerung erhalten.

dpa

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