Experte fordert Umdenken der Polizei bei Drogenkontrollen im Verkehr

Autofahrer, die unter Drogeneinfluss stehen, sind ebenso eine Gefahr im Straßenverkehr wie alkoholisierte Fahrer. Der Nachweis des Drogenkonsums ist jedoch nicht immer einfach.

Hamburg - Der Drogenexperte des Landeskriminalamtes Niedersachsen, Christian Vidal, hat angesichts immer neuer synthetischer Drogen ein Umdenken bei Verkehrskontrollen gefordert.

„Polizisten müssen erkennen, dass es Substanzen gibt, die zwar noch nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, die aber trotzdem als Rauschmittel einzustufen sind“, sagte Vidal der Nachrichtenagentur dpa. In Hamburg beschäftigen sich heute Polizisten aus mehreren Bundesländern mit dem Thema „Drogenerkennung im Straßenverkehr“. Jede Woche schwemme eine Fülle sogenannter Herbal Highs auf den Markt, die wie Kräutermischungen oder Badesalz aussehen, tatsächlich aber synthetische Rauschmittel beinhalten. Der Gesetzgeber komme nicht mehr hinterher, die neuen Substanzen zu verbieten, sagte Vidal.

„Jedes Mal, wenn ein synthetischer Inhaltsstoff verboten wird, tauchen neue, veränderte Substanzen auf.“ Dieser Umstand erschwere den Nachweis der Rauschmittel im Blut von Fahrzeugführern: „Das ist die Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, sagte Vidal. Laut Vidal besteht nur dann eine Chance, dem Problem von Herbal- High-Konsumenten im Straßenverkehr Herr zu werden, wenn mehr neurologische Tests gemacht würden. Nach seiner Ansicht unterschätzen viele Konsumenten zudem die Wirkung der Kräuterdrogen. „Die Wirkung dieser Rauschmittel kann bei einigen Menschen stärker ausfallen als die Wirkung von klassischen Drogen“, warnte er.

Aufgrund der Vielzahl an unterschiedlichen, chemischen Inhaltsstoffen sei die Wirkung der neuen Drogen auf den menschlichen Organismus unvorhersehbar. „Konsumenten, die “Herbal Highs“ verräuchern und inhalieren, spielen Russisch Roulette mit ihrem Leben“, sagte Vidal. Was genau zwischen die Salze und Kräuter gemischt werde, könne niemand im Voraus sagen. Den Konsumenten müsse klar sein, dass sie unzulässige, höchst bedenkliche Substanzen zu sich nehmen.

dpa

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