Bürgerwehr gegen Wildschweinplage

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Die Ortschaft Wieda (Niedersachsen) leidet unter einer Wildschweinplage.

Wieda - Von Mattias Brunnert. Gärten, Grünanlagen, Spielplätze werden jeden Morgen aufs Neue verwüstet. Die Täter: Wildschweine. Ein Ort im Südharz will sich jetzt wehren.

Der Südharzer Ferienort Wieda (Kreis Osterode) leidet unter einer Wildschweinplage. Seit Wochen werde Wieda fast jede Nacht von den Tieren heimgesucht, sagt Samtgemeindebürgermeister Dieter Haberlandt. Auf der Suche nach Futter gräbt das Schwarzwild Grünflächen, Gärten, Spielplätze und den Kurpark um. „Es ist wirklich schlimm“, sagt Haberlandt. Nicht einmal Zäune würden die Wildschweine aufhalten. Die Schäden immer wieder zu beseitigen, verursache hohe Kosten. Jetzt will der Ort gegen die Tiere vorgehen.

Auch in der Vergangenheit habe es in Wieda immer wieder Ärger mit Wildschweinen gegeben, sagt Haberlandt. „Doch so schlimm wie jetzt war es noch nie.“ Dass Problem: In den vergangenen Jahren haben sich innerhalb des Ortes kleine Waldinseln gebildet. Dort würden sich die Tiere tagsüber verstecken und nachts über das Dorf herfallen, berichtet Haberlandt. Ortsbürgermeister Klaus-Erwin Gröger beklagt im örtlichen „Harzkurier“, dass sich Bürger und Gäste abends kaum noch aus dem Haus trauen würden. Die Wildschweine wären, nach Aussagen Grögers, sogar an der Ortsdurchfahrt allgegenwärtig.

Sie seien auf der Suche nach Essbarem, sagt Hubertus Köhler von den niedersächsischen Landesforsten. Die Felder im Harzvorland, in denen sie sich im Sommer aufhalten, seien abgeerntet. „Die Tiere brauchen jetzt Eiweiß. Und das finden sie in den Gärten, zum Beispiel in Gestalt von Würmern“, sagt der Leiter des Forstamtes Bad Lauterberg, „Deswegen brechen sie alles um.“ Weil die Schweine in den Waldstücken innerhalb der geschlossenen Bebauung guten Schutz finden, sei die Plage in Wieda besonders schlimm, meint Köhler. Er glaubt zudem, dass die Tiere teilweise durch Futter in den Ort gelockt wurden.

Viele Bürger wollten jetzt etwas unternehmen, berichtet Bürgermeister Haberlandt. Das Wort von der „Bürgerwehr gegen Wildschweine“ macht die Runde. Geplant sei, die Tiere mit Lärm und Hunden aufzuschrecken und sie so aus dem Ort zu vertreiben. Im Gespräch sind Knaller und eine Schreckschussanlage. Die Gemeinde möchte darüber hinaus zu härteren Mitteln greifen. Normalerweise darf in geschlossenen Ortschaften nicht gejagt werden. Um der Plage Herr zu werden, bemühe man sich um eine Abschussgenehmigung auch innerhalb des Ortes, sagt der Bürgermeister.

Die Landesforsten haben zudem das in ihren Wäldern geltende Anfütterungsverbot für Wildschweine aufgehoben. So sollen die Tiere aus Wieda zu Stellen außerhalb des Ortes gelockt werden, damit sie dort geschossen werden können. Im Winter werde es zudem Treibjagden auf Schwarzwild geben, sagt Forstamtsleiter Köhler.

Im Landkreis Osterode graben Wildschweine seit Jahren immer wieder öffentliche Flächen um. Betroffen waren der Kurpark von Sieber, der Sportplatz von Lerbach und der Friedhof von Bad Grund. Im benachbarten Kreis Göttingen wurde ein Golfplatz verwüstet. Umgegraben wurde auch die Landebahn des Flugplatzes Northeim.

Eine generelle Wildschweinplage in Niedersachsen gibt es nach Einschätzung der Landesjägerschaft aber nicht. Was sich derzeit in Wieda abspiele, sei die Ausnahme und nicht die Regel, sagt Sprecher Florian Rölfing. „Es handelt sich um ein lokales Problem.“

dpa

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