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Orkan wütet in Niedersachsen und Bremen: Eiche erschlägt Mann

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Von: Fabian Raddatz

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Ein durch den Sturm umgestürzter Baum liegt auf einem Pkw
Als eine Eiche auf seinem Auto einschlug, wurde ein 37-Jähriger in Niedersachsen tödlich verletzt. © Philipp Schulze/dpa

Sturmtief „Ylenia“ dreht im Norden auf und hält Feuerwehr und Polizei in Atem. Lkws kippten um, Bäume stürzten auf Häuser. Jetzt gab es auch den ersten Toten zu beklagen.

Hamburg/Bremen/Hannover – „Ylenia“ ist angerollt und sorgt mit schweren Orkanböen von bis zu 150 Stundenkilometern für den bislang heftigsten Sturm des Jahres. Mit unserem Sturm-Ticker Orkan-Alarm in Norddeutschland haben Sie alle wichtigen Infos zu Bahnverkehr und Schulausfällen im Überblick.

Vor allem Feuerwehr und Polizei sind im Kampf gegen die Orkan-Schäden im Dauerstress. Zu großen Teilen sind sie damit beschäftigt, umgestürzte Bäume zu beseitigen und abgedeckte Dächer zu sichern. Aber auch größere Einsatzlagen beschäftigen die Helfer in Niedersachsen und Bremen. Nun hat der Sturm auch ein erstes Todesopfer gefordert. Ein Überblick.

Orkantief „Ylenia“ wütet über Bremen und bläst große Seecontainer ins Hafenbecken

In Bremen verteilten sich die Einsätze nach Angaben der Feuerwehr auf das gesamte Stadtgebiet. In der Zeit von 22 Uhr bis 11 Uhr mussten die Helfer 180 Mal ausrücken – hauptsächlich wegen umgekippter Bäume und abgebrochener Äste. Bei zwei Einsätzen richteten umgestürzte Bäume erheblichen Schaden an Häusern an. In Bremen-Vahr stürzte ein großer Baum auf ein geparktes Auto.

Ein Baum ist auf ein Auto gestürzt.
In Bremen-Vahr stürzte ein großer Baum auf ein geparktes Auto. © NonstopNews

Zudem blies der Wind am Holz- und Fabrikenhafen sind zwei große Seecontainer ins Hafenbecken. Die leeren Behälter gingen vollständig unter. Ein Bergung soll zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, kündigt die Feuerwehr an. Bei keinem der Vorfälle wurden Menschen verletzt.

Sturm-Alarm in Stuhr: Riesige Birke stürzt in Garten

Auch in der Gemeinde Stuhr hatten die Einsatzkräfte alle Hände voll zu tun: Der erste Einsatz war in Moordeich im Neuen Weg. Hier war eine große Birke in einem Garten auf eine Terrassenüberdachung gefallen, die dadurch teilweise eingestürzt war, berichtet die Feuerwehr.

Ein Feuerwehrmann zerlegt eine umgestürzte Birke in einem Garten mit einer Kettensäge.
In Stuhr-Moordeich war große Birke in einem Garten auf eine Terrassenüberdachung gefallen. Einsatzkräfte sicherten den Baum gesichert, um weitere Schäden zu verhindern – und zerlegten ihn dann mittels Handsäge und Kettensäge. © Feuerwehr Stuhr

Danach mussten die Helfer noch eine Werbetafel an der Moordeicher Landstraße sichern, die auf die Fahrbahn gestürzt war. In Heiligenrode war ein Baum auf den Hämelheider Weg gestürzt und blockierte die Fahrbahn. Ein weiterer Baum war am Kätinger Mühlenweg Ecke Goldene Aue in eine Telefonleitung umgekippt und blockierte ebenfalls die Fahrbahn.

Des Weiteren gab es noch 5 Einsätze in Fahrenhorst und einen in Groß Mackenstedt. Bis heute Morgen, 11 Uhr, zählte die Feuerwehr 18 Einsätzen in den verschiedenen Ortsteilen. Auch am Freitag rechnet die Feuerwehr mit einigen Sturmeinsätzen.

Landkreis Verden: 15 Meter hohe Birke kracht fast auf Schulweg

Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Landkreisen in Niedersachsen entschied sich der Landkreis Verden gegen einen Unterrichtsausfall. Das hätte am Donnerstagmorgen übel enden können. Ausgerechnet an einem Zugang zum Schulgelände des Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums und der benachbarten Erich-Kästner-Schule in Achim kippte eine 15 Meter hohe Birke um und fiel in einen anderen Baum.

Eine Birke hängt auf einem Schulgelände in einem anderen Baum.
Eine 15 Meter hohe Birke wurde auf einem Schulgelände in Achim umgerissen. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. © Christian Butt

Glücklicherweise fiel der Stamm nicht auf den Schulweg. Ein Hausmeister bemerkte den Sturmschaden und rief die Feuerwehr. Mit Hilfe einer Drehleiter wurde der Baum von oben nach unten gefällt. „Bei Windstärke neun ist das für uns eine gefährliche Situation“, sagt Achims Ortsbrandmeister Thomas Köster. Laut ihm waren Menschen gefährdet, da der Baum direkt zu Schulbeginn an einem wichtigen Schulweg umgekippte.

Verkehrsunfälle und überflutete Straßen im Landkreis Rotenburg

Auch im Landkreis Rotenburg tobte der Orkan, aber bislang blieb es nur bei kleineren Rettungseinsätzen. Es kam zu Überschwemmungen, Verkehrsunfällen und zahlreichen Einsätzen wegen umgekippter Bäume. Auf der Hansalinie A1 zwischen Bremen und Hamburg sei es sturmbedingt zu keinen nennenswerten Vorfällen gekommen, teilte die Polizei mit.

Orkan-Alarm in Niedersachsen: Mehr als 350 Einsätze im Raum Oldenburg – Lkw umgekippt

Auf einer Autobahnbrücke bei Oldenburg hat eine Sturmböe einen Lastwagen erfasst und umgekippt. Der Fahrer blieb unverletzt, wie ein Polizeisprecher am Donnerstagmorgen sagte. Da der Sattelzug nun mitten auf der Brücke liege, gestalte sich die Bergung schwierig. Ein Kran wurde angefordert. Die Huntebrücke der A29 wurde in Richtung Wilhelmshaven gesperrt. In der Gegenrichtung Osnabrück fließe zwar der Verkehr, sagte der Polizeisprecher – doch für Lastwagen und Gespanne sei die Brücke nun wegen des Sturms gesperrt.

Feuerwehrleute mit sägen mit Kettensägen einen Baum an einer Straße durch.
Feuerwehrleute räumen einen umgestürzten Baum von einer Kreisstraße. Das Sturmtief „Ylenia“ hält die Einsatzkräfte in Norddeutschland in Atem. © Jens Büttner

Im Raum Oldenburg rückten die Feuerwehren seit dem Mittwochabend zu vielen Einsätzen aus, vor allem um umgekippte Bäume zu beseitigen. Die Großleitstelle twitterte am Donnerstag um 9.30 Uhr, dass seit Mittwoch um 19 Uhr bis Donnerstag um 8.15 Uhr mehr als 350 Feuerwehreinsätze aufgenommen und durch die Einsatzkräfte abgearbeitet wurden.

Landkreise Nienburg und Schaumburg: Sturm bläst Trampolin und Mülltonnen weg

Keine Verletzten, dafür zahlreiche Verkehrsunfälle, vermeldete die Polizei Nienburg/Schaumburg. In Diepenau (Mindener Straße) und in Rehburg-Loccum (Auf der Horst) stürzten Bäume auf fahrende Autos, in Rodewald (B 214) war ein LKW betroffen. Auch hier wurde niemand verletzt.

In Bückeburg fuhr ein Auto gegen einen umgestürzten Baum. Die Fahrerin blieb unverletzt, ihr Wagen wurde allerdings beschädigt.
Auch auf der B83 krachte ein Fahrzeug gegen einen dicken Ast.

Ein Mann sägt einen Bauma auf einem Dach
Vor allem umgestürzte Bäume beschäftigten die Helfer. © Philipp Schulze/dpa

Insgesamt erhielt die Polizei bislang zirka 70 Meldungen über Bäume, die auf die Straßen und Gehwege zu stürzen drohten oder bereits auf diese gefallen waren, sowie größere Äste und Büsche, welche die Sicherheit des Straßenverkehrs beeinträchtigten.

Zusätzlich meldeten Bürgerinnen und Bürger auch Mülltonnen, größere Müllreste, Folien sowie Trampoline, die durch den Sturm auf die Straße geweht wurden. Auch Straßenlaternen wurden teilweise beschädigt. In vielen Fällen rückten auch die Freiwilligen Feuerwehren, der Bauhof und die Straßenmeisterei aus.

Todes-Drama in Niedersachsen: Eiche erschlägt Mann bei Bad Bevensen

Zu einem schrecklichen Unfall kam es am Donnerstagmorgen um kurz nach 9 Uhr auf der L252 zwischen Sasendorf und dem Seedorfer Kreuz (B4): Dort stürzte eine Eiche auf die Fahrgastzelle eines Fahrzeugs* eines Bevenser Unternehmens, wie az-online berichtet. Der Fahrer, nach Erkenntnissen der Polizei ein 37-jähriger Mann aus Lüchow, war sofort tot.

Massiver Baum reißt Garage in Delmenhorst ein

Nahe der Delmenhorster Stadtmitte riss eine kräftige Böe einen massiven Baum um, woraufhin der Baum auf eine große Mehrfachgarage stürzte, berichtet das Nachrichtenportal „NonstopNews“.

Ein Baum ist auf eine Garage gefallen.
Dieser große Baum knallte in Delmenhorst auf eine Garage. Sie wurde erheblich beschädigt. © NonstopNews

Menschen wurden dabei nicht verletzt; die Garage jedoch erheblich beschädigt. Die Feuerwehr rückte aus und musste den Baum mithilfe einer Drehleiter entfernen.

Sturm über Bremerhaven: Oberleitungen krachen auf Bahn

Auch in Bremerhaven stürzten Bäume um – in zwei Fällen ebenfalls auf Oberleitungen der Deutschen Bahn. In beiden Fällen sei es zu sogenannten elektrischen Überschlägen und damit zu Bränden gekommen, teilte die Feuerwehr mit. Das Feuer sei schnell unter Kontrolle gebracht und Menschen nicht verletzt worden. Um die Oberleitungen zu befreien, musste der Bahnverkehr ein- und der Strom abgestellt werden. Es kam dadurch zu Störungen des Bahnverkehres.

Für den Mittag hatte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie vor einer Sturmflut an der Unterelbe gewarnt, wie der Landkreis Stade mitteilte. Das Wasser sollte um rund 1,50 Meter über das mittlere Hochwasser ansteigen. Im Landkreis fielen Schülerbeförderung und Unterricht aus Sicherheitsgründen am Donnerstag aus.

Bäume stürzen in Wilhelmshaven auf zwei Häuser – keine Verletzten

In Wilhelmshaven sind Bäume auf zwei Häuser in Wohngebieten gestürzt. Niemand wurde dadurch verletzt, wie die Stadt Wilhelmshaven am Donnerstag mitteilte. Zudem wurde die Feuerwehr am Morgen an eine Grundschule gerufen, wo eine 25 Meter hohe Tanne drohte umzustürzen. „Hier ist gerade noch einiges los“, sagte eine Stadtsprecherin mit Blick auf die Einsatzlage. Die Feuerwehr in Wilhelmshaven rückte von Mittwochabend bis Donnerstagmorgen zu insgesamt 16 sturmbedingten Einsätzen aus.

Sturmtief „Ylenia“ sorgt für Dutzende Einsätze im Norden: Mann durch Anhänger verletzt

Bei den meisten Alarmierungen in der Nacht zum Donnerstag ging es zunächst um umgestürzte oder vom Umstürzen bedrohte Bäume, wie die zuständigen Leitstellen berichteten. Auf der Bundesstraße 70 bei Westoverledingen (Landkreis Leer) konnte ein Lkw-Fahrer nicht mehr rechtzeitig bremsen und fuhr in einen umgestürzten Baum hinein. Der Mann sei nicht verletzt worden, sagte ein Sprecher der Polizei.

Die Polizei in Lüneburg meldete in Folge des Sturms vier leichte Verkehrsunfälle. Es wurde aber niemand verletzt. Die Polizei in Osnabrück registrierte rund 130 sturmbedingte Einsätze. In Emlichheim (Grafschaft Bentheim) war ein Mensch nach Angaben der Polizei bereits am frühen Mittwochabend leicht verletzt worden, als bei einem Unfall ein Anhänger wegwehte.

Umgekippte Bäume versperren zahlreiche Straßen im Harz

Umgekippte Bäume haben in der Nacht zum Donnerstag zahlreiche Straßen im Harz unpassierbar gemacht. Wie die Polizei mitteilte, versperrten besonders im Oberharz wegen des Sturmtiefs „Ylenia“ umgekippte Bäume die Fahrbahnen und sorgten für viele Polizeieinsätze. Bei Goslar seien am frühen Morgen etwa elf Straßen unbefahrbar gewesen. Betroffen sind etwa die Bundesstraße 4 zwischen Bad Harzburg und Torfhaus sowie die B248 bei Ildehausen.

Baumstämme liegen auf einer Fahrbahn bei Schierke
Im Harzen kippten zahlreiche Bäume auf die Straße. © Matthias Bein/dpa

Die Polizeiinspektion Goslar registrierte von Mittwochabend bis Donnerstagmorgen rund 30 sturmbedingte Einsätze. Die Aufräumarbeiten hätten bereits begonnen und der Verkehr laufe langsam wieder an, sagte eine Sprecherin der Polizei in Braunlage. Menschen seien nicht verletzt worden. Vereinzelt sei es zu Sachschäden an Häusern und Leitplanken gekommen.

Unwetter wütet im Norden: Bahnverkehr lahmgelegt, Fischmarkt in Hamburg überschwemmt

Doch der Sturm wirbelt nicht nur das Einsatzgeschehen in Norddeutschland durch. Auch in anderen Bereichen kommt es zu teils massiven Beeinträchtigungen. Zahlreiche Landkreise kündigten am Donnerstag Schulausfälle in Niedersachsen an. Begleitet von heftigen Regenfällen, beeinträchtigt das Sturmtief aber auch den Reiseverkehr. Sturm „Ylenia“ legt den Bahnverkehr lahm, auch Flüge wurden gestrichen.

Der Fischmarkt mit der Fischauktionshalle ist am Morgen während einer Sturmflut beim Hochwasser der Elbe überschwemmt.
Der Fischmarkt in Hamburg wurde überschwemmt. © Daniel Bockwoldt/dpa

Auch in Hamburg wütet der Sturm, der Fischmarkt wurde überschwemmt. 24hamburg.de berichtet aktuell über den Sturm in Hamburg*.

Dutzende Einsätze wegen Orkan „Ylenia“ in Ostfriesland

Das Orkantief „Ylenia“ hat bis zum Donnerstagmorgen an der ostfriesischen Küste zu Dutzenden Einsätzen der Polizei und der Feuerwehren geführt. Im Zusammenhang mit dem Sturm registrierte die Polizei in den Landkreisen Aurich und Wittmund insgesamt 38 Einsätze und im Landkreis Leer und der Stadt Emden zusammen 36 Einsätze. Vor allem umgestürzte Bäume und auf die Straße gewehte Gegenstände hätten entfernt werden müssen, hieß es. Außerdem kam es zu sechs sturmbedingten Verkehrsunfällen - lediglich mit Sachschäden.

Der Kreisfeuerwehrverband Aurich teilte mit, weitere Sturmeinsätze zu erwarten. Bis zum Donnerstagabend sollte es an der Küste noch stürmisch bleiben. * kreiszeitung.de, 24hamburg.de und az-online.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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