Sturmflut lässt Dörfer und Klöster versinken

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Die Ems fliesst am durch den Dollart bei Pogum. Hier zog vor 500 Jahren eine Sturmflut über das Land.

Emden/Nieuwestatenzijl - Vor 500 Jahren suchte die Cosmas- und Damianflut das Rheiderland in Ostfriesland und das benachbarte Oldambt in den Niederlanden heim. Am 26. September 1509 rollte eine gewaltige Sturmflut über das Land.

Menschen und Tiere ertranken, Dörfer versanken. Orte wie Torum, Jansum, Oosterreide sowie das Kloster Palmar verschwanden von der Landkarte. Der Dollart erreichte seine größte Ausdehnung, die Ems suchte sich ein neues Flussbett und der damals blühende Emder Hafen lag an einem verlandeten Seitenarm. Der Hafen verlor seine Bedeutung als wichtigster Hafen Europas. Mit einem kulturellen und multimedialen Spektakel wollen deutsche und niederländische Organisationen am heutigen Samstag an die Katastrophe erinnern.

Wie viele Menschen damals bei der Flut ihr Leben verloren, ist ungeklärt. „Über mittelalterliche Sturmfluten ist wenig bekannt, die Quellen sind sehr lückenhaft und ungenau“, sagt der Historiker. „Man weiß nur, dass die Menschenverluste riesig und die Tierverluste noch viel höher waren.“ Nach den Überlieferungen müssen es gewaltige Wassermassen gewesen sein, die ins Landesinnere drängten.

Nach Ansicht von Behre waren auch die Menschen nicht ganz unschuldig an der Katastrophe, „weil sie im 15. Jahrhundert ganz tüchtig an der Ausweitung des Dollarts mitgeholfen haben“. Die Friesen hatten viele Häuptlinge, die sich untereinander bekämpften. So hätten sich im Dollartgebiet die Friesen gegenseitig die als Absperrung dienenden Holz-Siele abgebrannt. „Wenn das Siel niederbrennt, kann das Wasser rein.“

„Große Sturmfluten wurden damals nicht der Natur zugeschrieben, sondern als Strafe Gottes empfunden“, sagt Behre. „So hat es die Menschen unheimlich beeindruckt, dass bei der Flut große Moorflächen mit Häusern, Menschen und Tieren drauf aufschwammen, über den ganzen Dollart trieben und sie lebend auf der Ostseite ankamen.“

Nach der Katastrophe begann die Wiederbedeichung. „Doch es waren immer zwei Schritte vorwärts und einer zurück, weil wieder neue große Sturmfluten kamen, die die Deiche einrissen“, sagt Behre. Erst durch die verbesserte Deichbautechnik und Zusammenarbeit an den Küsten seien die Schutzanlagen immer besser geworden.

„Heute sind Mensch und Gesellschaft hinter den norddeutschen Deichen wesentlich besser geschützt als 1509“, sagt Prof. Hans von Storch vom Forschungszentrum GKSS in Geesthacht. Das Risiko einer extremen Sturmflut mit Versagen von Deichen und anderem Küstenschutz sei sehr klein, aber nicht verschwunden. Ein solches Ereignis würde vermutlich verheerende Folgen haben, „weil viele es als undenkbar ausschließen“. Nach seiner Ansicht wird der Klimawandel die Gefahrensituation etwas verschärfen. „Unsere Szenarien für das vor uns liegende Jahrhundert deuten an, dass es erforderlich ist, über innovative Anpassungsmaßnahmen nachzudenken“, sagt Storch. „Dafür haben wir aber noch einige Jahre Zeit.“

Die Gedenkfeier an die Cosmas- und Damianflut ist an drei Standorten geplant: an der Seeschleuse in Emden , in Pogum in der Gemeinde Jengum und in Nieuwestatenzijl. Von dort aus können die Besucher am Abend eine Lichtershow auf dem Dollart erleben. Mit großen Projektionsscheinwerfern werden von Schiffen aus die Positionen von 15 der damals versunkenen Dörfer gezeigt. Außerdem gibt es Aktionen für Kinder, ein historisches Fischermahl und Szenen aus dem Musical „Dat lesde Lücht“. Zum Abschluss sollen Menschen beiderseits des Dollarts Fackeln entzünden.

Von Vera Jansen, dpa

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