Bahnverkehr massiv eingeschränkt

Sturm „Friederike" wütet und hinterlässt im Norden Chaos

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Bäume und Äste haben auf der Trasse Hannover - Göttingen bei Lamspringe (Niedersachsen) einen ICE gestoppt. 

Hannover/Bremen - Herabfallende Äste, umstürzende Bäume und wankende Baukräne: Die Fahrt nach der Arbeit nach Hause wurde am Donnerstag für viele Menschen in Niedersachsen und Bremen zu einem Parcours. Wegen des extremen Wetters fuhr am Nachmittag fast kein Zug mehr.

Mit Orkanböen von bis zu 120 Stundenkilometern ist Sturmtief „Friederike" über Niedersachsen und Bremen hinweggezogen und hat Chaos hinterlassen. Zwar rollten am Donnerstagabend schon wieder einige Züge auf Regionalstrecken, im Fernverkehr erreichten die meisten Züge ihr Ziel aber nicht mehr. 

Die Feuerwehren mussten im Laufe des Donnerstags zu vielen Hundert Einsätzen wegen umgestürzter Bäume ausrücken, die auf Autos krachten oder Landes- und Bundesstraßen blockierten. Bei Meine im Landkreis Gifhorn wehte der Anhänger eines Autos auf die Bahngleise. In anderen Orten fielen wegen des starken Windes teilweise Dachziegeln von Kirchtürmen herunter, auch ein Baukran drohte, umzustürzen.

Im Oberharz hatten die Einsatzkräfte alle Hände voll zu tun.

Vielerorts brachte der Sturm außerdem Autofahrer aus der Spur. Auf der Emslandautobahn krachte ein Umzugslastwagen aus Düsseldorf in den Graben. Auf der Autobahn 1 bei Dinklage wurde ein Lastwagengespann von einer Windböe erfasst und stellte sich quer. Wegen starken Schneefalls wurde der Oberharz am Donnerstag für allen Verkehr gesperrt. „Die Bäume fallen um wie Streichhölzer", sagte ein Sprecher des Lagezentrums in Goslar. Die Einsatzkräfte kämen mit dem Sperren von Straßen und dem Räumen der umgestürzten Bäume nicht mehr hinterher. Ein Polizeisprecher bezeichnete die Lage als chaotisch. 

In Südniedersachsen saßen etwa 250 Reisende über Stunden in einem Waldstück in einem ICE von Hamburg nach Stuttgart fest, der in einen umgestürzten Baum gefahren war. Ein weiterer Baum fiel daraufhin noch auf einen Erste-Klasse-Waggon. Der Zug setzte sich von seinem unfreiwilligen Zwischenstopp in der Nähe von Bad Gandersheim am Abend wieder in Richtung Hannover in Bewegung. 

Bahnreisende sitzen fest

Am frühen Nachmittag hatte die Bahn den Verkehr in Niedersachsen wie auch in anderen Bundesländern vorübergehend ganz eingestellt. Am Abend fuhren dann aber wieder einzelne Regionalzüge im Norden - etwa zwischen Bremen und Norddeich Mole sowie S-Bahnen von Hannover nach Hildesheim und von Celle nach Hannover. Seit dem Nachmittag starteten bundesweit allerdings keine Fernzüge der Deutschen Bahn mehr. 

Mit Heißgetränken, Salzgebäck und Weingummi versuchte die Bahn, gefrustete Reisende zu besänftigen. Sophia Homilius aus Bad Pyrmont war mit ihrem Sohn in Hannover beim Arzt. „Und jetzt muss ich nach Hause, weil meine Tochter noch im Kindergarten ist." Ihr Mann musste seine Arbeit unterbrechen, um das Kind zu holen. Sauer auf die Bahn ist die 34-Jährige aber nicht. „Der Sturm, das ist höhere Gewalt, dagegen kann man jetzt nichts machen." 

Schüler dürfen früher nach Hause

Am Flughafen Hannover beruhigte sich die Lage am Donnerstagnachmittag wieder. Die Abfertigung lief dort seit etwa 16 Uhr wieder normal. Wegen des Orkantiefs konnten am frühen Nachmittag keine Maschinen von dort aus starten. Flugzeuge, die nach Hannover unterwegs waren, landeten aber weiterhin in der Landeshauptstadt. Am Bremer Flughafen kam es zu keinen Einschränkungen wegen „Friederike". 

Auch die Schüler wurden aufgrund des Sturms an vielen Schulen im Land frühzeitig nach Hause geschickt. Für die Schulen im Oberharz war der Unterricht bereits im Vorfeld abgesagt worden. Auch am Freitag fällt wegen extremer Witterungsverhältnisse im Kreis Hameln-Pyrmont und im Kreis Holzminden der Unterricht an allen Schulen aus. An der Grundschule in Uslar gibt es Sturmschäden, deshalb müssen die Kinder am Freitag zu Hause bleiben. Auch die Zoos in Hannover und Osnabrück sowie der Tierpark Nordhorn schlossen für Besucher. Die Tiere wurden in ihre Ställe gebracht. - dpa

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