Erkundungsfahrten abgebrochen

Wegen Sturmtief: „Keine große Hoffnung“ auf freie Bahn-Strecken am Abend

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Bäume und Äste auf der B6 verhindern am Donnerstagnachmittag ein Durchkommen zwischen Melchiorshausen und Erichshof.

Bremen/Hamburg - Sturmtief „Xavier“ hat am Donnerstag den Bahnverkehr in Norddeutschland komplett zum Erliegen gebracht. Ein Ende der Sperrungen war am Abend noch nicht abzusehen und lässt vielerorts in Niedersachsen wohl bis Freitagmorgen auf sich warten.

+++Update 20.50 Uhr+++

Die Bamfällarbeiten auf der B51 bei Bassum-Bischof, die zu einer Sperrung der Bundesstraße geführt haben, waren am Donnerstagabend gegen 20.45 Uhr noch nicht beendet. Die Arbeiten dort zögen sich noch bis in den späten Abend hinein, sagte ein Sprecher der Polizei. An einer zweiten Stelle bei Bassum-Klenkenborstel waren die Baumarbeiten zu diesem Zeitpunkt wiederum beendet.

+++Update 20.30 Uhr+++

Auch die Metronom Eisenbahngesellschaft hat schlechte Nachrichten für ihre Kunden im Norden: „Aufgrund der teilweise massiven Sturmschäden wird es auf allen Strecken heute keine Zugfahrten mehr geben. Die Reparatur der Gleisanlagen und Oberleitungen wird noch die gesamte Nacht andauern“, heißt es in einer Meldung am Donnerstagabend. „

Für gestrandete Fahrgäste stellen die Bahnbetreiber an folgenden Bahnhöfen Hotelzüge bereit, welche beheizt und bewacht sind:

  • Uelzen
  • Lüneburg
  • Harburg
  • Göttingen
  • Wolfsburg (enno)

„Für den morgigen Berufsverkehr rechnen wir ebenfalls noch mit starken Einschränkungen. Genaue Informationen können leider erst ab morgen früh 5 Uhr gegeben werden, wenn der genaue Fortschritt der Aufräumarbeiten bekannt ist“, heißt es weiter.

Bereits jetzt stehe fest, dass auf den Strecken Hamburg-Stade-Cuxhaven und Lüneburg-Dannenberg (erixx) die ersten Züge erst gegen Mittag am Freitag wieder fahren können.

„Ein Ersatzverkehr mit Bussen kann nach wie vor nicht eingerichtet werden, da der Busverkehr in ganz Niedersachsen ebenfalls weitgehend zum Erliegen gekommen ist. Alle verfügbaren Busse sind bereits für Notfälle (gestrandete Fahrgäste) im Einsatz.“

+++Update 19.40 Uhr+++

Bei der Deutschen Bahn rechnen die Verantwortlichen nicht mehr damit, am Donnerstagabend den Reisenden noch gute Nachrichten überbringen zu können. „Es sieht nicht gut aus“, sagte ein Bahnsprecher am Abend. Aufgrund der Dunkelheit müssten die zur Räumung der Strecken in Niedersachsen gestarteten Erkundungsfahrten ohne positive Vollzugsmeldung beendet werden.

 „Heute Abend gibt es keine große Hoffnung auf freie Strecke“, teilte der Sprecher weiter mit. Auch für Freitag rechnet er mit spürbaren Einschränkungen auf alle Strecken. Dann sollen auch die Erkundungsfahrten fortgesetzt werden.

Auf ihrer Homepage informiert die Bahn über den aktuellen Stand der Lage. Dort heißt es: „Im Norden Deutschlands sind noch zahlreiche Strecken wegen umgestürzter Bäume und Äste in den Oberleitungen gesperrt, auf anderen Strecken wurde der Verkehr vorsorglich eingestellt. Zur Betreuung der Reisenden ist zusätzliches Personal an den Bahnhöfen im Einsatz. An mehreren betroffenen Bahnhöfen stehen Hotelzüge bereit um Reisende, die ihre Fahrt nicht fortsetzen können, aufzunehmen.“

+++Update 18 Uhr+++

Auf den Metronom-Strecken sind beispielsweise Erkundungsteams unterwegs, um die Lage überblicken zu können: „Auf allen Strecken finden derzeit Erkundungsfahrten statt, um die konkreten Schäden an den Gleisanlagen und Oberleitungen zu prüfen“, heißt es dazu in einer Meldung der Metronom Eisenbahngesellschaft. 

„Nach bisherigen Erkenntnissen sind auf den Strecken durch den Sturm sehr viele Bäume auf die Gleise oder Oberleitungen gefallen. Bis mindestens 20 Uhr wird es keine Zugfahrten auf den Strecken des Metronom, Erixx und Enno geben.“ Eine Prognose für den späteren Abend und den Berufsverkehr morgen könne das Metronom-Team ab etwa 20 Uhr geben, heißt es weiter.

Originalmeldung:

In Hamburg-Horn ist am Nachmittag eine Frau gestorben, als ein Ast auf ihr Auto gestürzt ist, eine weitere Fahrzeuginsassin sei dabei schwer verletzt worden. Das teilte die Polizei mit. Mindestens zehn weitere Menschen seien in der Hansestadt bei dem Unwetter verletzt worden. Allein in Hamburg habe die Feuerwehr binnen zweier Stunden über 600 sturmbedingte Einsätze gehabt, teilte ein Sprecher der Einsatzkräfte mit. Im Lauf des Nachmittags zog „Xavier“ weiter nach Ostdeutschland.

Auch zahlreiche Straßen sind von Behinderungen betroffen. Bei Bassum-Klenkenborstel und Bassum-Bischof machen Baumfällarbeiten eine Sperrung der Bundesstraße 51 in beiden Richtungen notwendig. Eine Umleitung sei eingerichtet, teilte die Polizei auf Nachfrage mit. Die Sperrung solle je nach Verlauf der Arbeiten rund drei Stunden andauern und somit gegen 19 Uhr beendet sein.

„Xavier“ wütet über Niedersachsen und Bremen

Auch auf der B214 zwischen Diepholz und Nienburg musste die Straße für Baumfällarbeiten gesperrt werden. Die Einsatzkräfte dort waren bis zum frühen Abend zwischen Borstel und der Abzweigung nach Bockhop im Einsatz.

Zuvor verhinderten umgestürzte Bäume und abgeknickte Äste mehrere Stunden eine Durchfahrt auf der Bundesstraße 6 in Weyhe zwischen Melchiorshausen und Erichshof. Im Bereich der Polizeidirektion sei es zwischen 13 und 15 Uhr wegen “Xavier„ zu Dutzenden Einsätzen gekommen, heißt es.

Auch Nordwestbahn betroffen

Auch der Zugverkehr auf den Nordwestbahn-Strecken ist am Nachmittag komplett zum Stillstand gekommen. Am späten Nachmittag fuhren Busse als Ersatz für die stillstehenden Bahnen - beispielsweise pendelt seit 15.30 Uhr ein Bus zwischen Twistringen und Bremen, heißt es auf der Homepage der NWB.

„Aufgrund gravierender Sturmschäden und aus Sicherheitsgründen wurde der gesamte Zugverkehr des metronom (und erixx, enno) eingestellt“, heißt es wenig später von der Metronom-Eisenbahngesellschaft. 

Tierpark Bassum vorerst geschlossen 

Auch abseits der Straßen sorgte „Xavier“ für Schäden: In Bassum musste das Team des Tierparks Petermoor den Zoo bis auf Weiteres schließen. Auf Facebook veröffentlichten die Mitarbeiter Fotos von umgestürzten Bäumen. Allen Tiere gehe es gut, heißt es in dem Posting.

Fährverkehr an der Nordsee teilweise eingestellt

„Xavier“ behindert derweil auch den Fährverkehr zu den Nordseeinseln. Fünf Katamaran-Verbindungen nach Borkum wurden am Donnerstag abgesagt, dafür sollten drei zusätzliche Fährabfahrten eingerichtet werden, teilte das Fährunternehmen AG Ems mit.

 Auch im Schiffsverkehr mit Norderney und dem Fährverkehr nach Wangerooge wurden Einschränkungen erwartet. Wegen erwarteter hoher Wasserstände wurden für den Freitag bereits mehrere Verbindungen nach Wangerooge abgesagt.

Sturmschäden in Syke.

Flugausfälle in Bremen und Hannover

Wegen des heftigen Sturms mussten auch etliche Flugverbindungen am Donnerstag ausfallen. Der Flughafen Bremen meldete drei gestrichene Flüge von und nach Amsterdam sowie eine abgesagte Maschine aus Istanbul. Auch in Hannover fielen Verbindungen mit der niederländischen Hauptstadt sowie nach Istanbul aus. Obwohl der Airport nach Angaben einer Sprecherin grundsätzlich angeflogen werden konnte, mussten mehrere Piloten ihre Landeversuche abbrechen und durchstarten.

In Weyhe ist am Donnerstag ein Baum auf ein Haus an der Grützmacherstraße in Melchiorshausen gestürzt.

Sturmwarnung gilt seit Donnerstagmorgen

Bereits am Donnerstagmorgen warnte der Deutsche Wetterdienst vor dem Sturmtief „Xavier“, im Lauf des Nachmittags erreichte das Unwetter die Landkreise im Süden Bremens. Bis in den Landkreis Nienburg hinein waren die Einsatzkräfte vielerorts im Einsatz.

Mit kräftigem Regen hatte sich sich das Sturmtief angekündigt, das anschließend über Norddeutschland hinwegziehen sollte. Polizei und Feuerwehr zufolge gab es am Morgen aber noch keine wetterbedingten Einsätze. Die Einsatzkräfte seien aber auf das Tief vorbereitet. Autofahrer müssen sich auf Aquaplaning einstellen. 

Auf einem Supermarkt-Parkplatz in Syke wurde ein Baum umgerissen, Dachziegel flogen über den Parkplatz unweit der Innenstadt.

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor orkanartigen Böen im kompletten Landesgebiet von Niedersachsen und in Bremen zwischen 8 Uhr morgens und 16 Uhr. Demnach bestehe die Gefahr von orkanartigen Böen mit Windgeschwindigkeiten bis zu 110 km/h. Die Experten warnten dabei vor entwurzelten Bäumen, herabstürzenden Gegenständen und Schäden an Gebäuden. 

Auch in Drakenburg (Kreis Nienburg) musste die Feuerwehr wegen „Xavier“ ausrücken.

Besonders im Küstenbereich sowie im Oberharz muss außerdem mit Dauerregen und Niederschlagsmengen von 30 bis 50 Litern pro Quadratmeter in 24 Stunden gerechnet werden. Vereinzelt sind auch Gewitter möglich. Die Metronom Eisenbahngesellschaft bat die Fahrgäste schon am späten Mittwochabend, sich „ab Mittag/Nachmittag auf Verzögerungen im Bahnverkehr einzustellen“.

Dies gelte vor allem für die Strecken zwischen Lüneburg und Uelzen, zwischen Buchholz und Rotenburg sowie zwischen Stade und Cuxhaven.

kom/dpa

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