Hausärztemangel

Studie schlägt Alarm: Großer Rückgang der Hausärzte in der Region erwartet

Laut einer Studie werden bis zum Jahr 2035 in Deutschland Tausende Hausärzte fehlen. In den Landkreisen Diepholz, Verden und Rotenburg könnten ein Drittel der Ärzte fehlen.

Hannover – Laut einer Studie könnten in Niedersachsen schon bald die Hausärzte in vielen Regionen knapp werden. So soll beispielsweise die Hausarztdichte im Landkreis Osnabrück bis zum Jahr 2035 um rund 47 Prozent zurückgehen, im Emsland um 43 Prozent und im Landkreis Aurich um 41 Prozent. Hervor geht dies aus einer Studie, die im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung erstellt worden ist.

Landkreise in NiedersachsenRückgang der Hausarztdichte je 100.000 Einwohner
Osnabrück:-47 Prozent
Emsland:-43 Prozent
Aurich:-41 Prozent
Cuxland:-40 Prozent
Leer:-40 Prozen
Hildesheim:-39 Prozent
Diepholz:-39 Prozent
Cloppenburg:-39 Prozent
Rotenburg (Wümme):-34 Prozent
Verden:-33 Prozent

Spitzenreiter im Verlust von Hausärzten bei Großstädten ist in Niedersachsen die Stadt Oldenburg, die mit einem Rückgang von gut 20 Prozent rechnen muss. In Osnabrück ist es ein Minus von 14 Prozent und in Delmenhorst immer noch ein erwarteter Rückgang von 13 Prozent. Bundesweit fehlen dieser Prognose zufolge bis 2035 etwa 11.000 Hausärzte, rund 40 Prozent aller Landkreise dürften betroffen sein.

Hausärztemangel auf dem Land: Bis 2035 scheiden bis zu 30.000 Hausärzte aus dem Beruf aus

„Im Extremfall müssen Patienten in unterversorgten Kreisen damit rechnen, in ihrem Umfeld keinen einzigen niedergelassenen Hausarzt zu haben“, sagte Hans-Dieter Nolting, Geschäftsführer des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) in Berlin, das die Studie ausgearbeitet hat. Die Studie geht von der Altersstruktur der derzeit praktizierenden Hausärzte aus sowie von der beruflichen Orientierung der nachwachsenden Ärztegeneration.

Bis zum Jahr 2035 werden der Studie zur Folge deutschlandweit fast 30.000 Hausärzte in den Ruhestand gehen oder aus ihrem Beruf ausscheiden. Das Problem: Es folgen nicht genügend Nachwuchsmediziner nach, die sich in einer Hausarztpraxis niederlassen möchten. Wie in vielen Bereich des Erwerbslebens streben auch die Nachwuchsmediziner ein Angestelltenverhältnis oder ein Teilzeitmodell für die Zukunft an.

Hausärzteversorgung auf dem Land: Älter werdende Gesellschaft benötigt andere ärztliche Versorgung

Aber das ist nicht alles, was in die Hausärzteversorgung auf dem Land mit hineinspielt. Aufgrund der immer älter werdenden Bevölkerung, wird den Experten des IGES zur Folge sich auch der Bedarf an medizinischer Betreuung stark verändern. Künftig gebe es mehr ältere Menschen mit chronischen und Mehrfacherkrankungen, die in vielen Fällen eine individuelle Unterstützung in allen Lebensbereichen bräuchten. Es reiche daher nicht, nur die Zahl der Hausärzte zu erhöhen, heißt es in der Studie.

Eine Studie der Robert-Bosch-Stiftung warnt, dass es in einem Jahrzehnt in vielen Landkreisen schwierig werden dürfte, einen Hausarzt zu finden.

Vielmehr müsse das Versorgungssystem rasch umgebaut werden. Sinnvoll sei der Aufbau von lokalen Gesundheitszentren, in denen Ärzte und Vertreter anderer Gesundheitsberufe ihre Patienten als Team behandeln. Die Robert-Bosch-Stiftung fördert seit 2017 patientenorientierte Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung (PORT). Deutschlandweit könnte den Experten zufolge mit 1.000 solcher Zentren eine flächendeckende Erstversorgung möglich werden.

Niedersächsischer Städte- und Gemeindebund favorisiert örtliche Gesundheitszentren

Der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund sieht durch die Studie die Ergebnisse der niedersächsischen Enquete-Kommission zur medizinischen Versorgung bestätigt. „Der Aufbau von örtlichen Gesundheitszentren ist ein richtiger Ansatz, der allerdings ausfinanziert werden muss und nicht ohne Mitgabe von Finanzen den Kommunen umgehängt werden darf“, sagte Städte- und Gemeindebundpräsident Marco Trips.

Wichtiger sei allerdings, dass die jetzige Landesregierung wie vorgesehen im neuen Doppelhaushalt 2022/23 die Studienplätze für Medizin um insgesamt 200 erhöhe. Notfalls müsse dafür auch die Schuldenbremse fallen. Anderenfalls nehme die Koalition aus SPD und CDU wider besseres Wissens ein Ausbluten der unterversorgten Regionen in Kauf. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Moritz Frankenberg/dpa

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