Besorgniserregende Umfrage

Corona-Stress: Studenten und Auszubildende leben am Limit

Weniger motiviert und schneller gereizt – laut einer Umfrage bei Auszubildenden und Studenten sind dies Auswirkungen von Corona.

Hannover - Online-Semester, längere Studiendauer, Social Distancing, finanzielle Schwierigkeiten. Den Studenten geht es verhältnismäßig schlecht. Im Zuge der Corona-Pandemie ist der Anteil der psychisch belasteten Studierenden deutlich gestiegen. Neben den Studenten sind auch die Auszubildenden betroffen.

Studierenden im Wintersemester 2020/212,9 Mio.
2019/202,8 Mio
2015/162,7 Mio.
2010/112,2 Mio.

Forsa-Umfrage: Ein großer Teil an Studenten und Auszubildenden von Corona gestresst

Zwei Fünftel aller Studenten und Auszubildenden fühlen sich durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen stark gestresst. Das zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse. Fast 40 Prozent der Befragten beider Gruppen berichteten von depressiven Symptomen während der Covid-19-Krise und gaben an, schneller gereizt als üblich und häufiger demotiviert zu sein.

Auch das Deutsche Studentenwerk registriert eine deutlich stärkere Nachfrage nach psychosozialer Beratung und rechnet damit, dass der Trend die nächsten Jahre weiter anhalten wird. Insbesondere Ermüdungserscheinungen nehmen – nach mittlerweile drei Semestern im Corona-Ausnahmezustand – weiter zu. Dies bestätigt auch Ranja Kaiser, Leiterin der psychosozialen Beratungsstelle an der Ruhr-Universität Bochum im Interview mit Forschung & Lehre.

Lernen auf Distanz. So sah für viele Studenten der Alltag in den vergangenen Semestern aus.

Corona-Stress bei Studierenden und Auszubildenden: Kein Ende der Covid-19-Pandemie in Sicht – Beschwerden und Krankheiten nehmen zu

Viele Studierende belaste, dass kein Ende der Pandemie in Aussicht sei und das Semester noch für einige Zeit digital laufen wird: „Viele zweifeln an sich, weil ihnen der Austausch mit anderen fehlt: Mache ich es richtig? Bin ich die einzige Person, die einen Zusammenhang nicht versteht?“

„Rund ein Viertel der Hochschüler und Lehrlinge berichtet außerdem von körperlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Verspannungen sowie von Ein- oder Durchschlafproblemen“, so die KKH. Mit Blick auf die eigene Ausbildung befürchten 65 Prozent der Befragten, dass sich auch in den kommenden Monaten wichtige Praktika und Auslandssemester schlecht planen lassen. Fast die Hälfte mache sich darüber hinaus Sorgen, Lernstoff nachholen zu müssen, sodass es zu einer Verzögerung von Ausbildung oder Studium komme.

Corona-Folgen: Unterschiede bei Studentinnen und Studenten

Anscheinend gibt es große Unterschiede zwischen Männern und Frauen sowie zwischen den Fächern. Studentinnen gaben mit 12 Prozent häufiger an, sich gestresst zu fühlen, als ihre männlichen Kommilitonen (sieben Prozent). Unterschiede gibt es auch über Fächergrenzen hinweg: Besonders belastet zeigten sich 2020 Studenten der Geisteswissenschaften und Kunstwissenschaften (19 Prozent und 17 Prozent). In der Humanmedizin (sechs Prozent) und insbesondere im Sport (drei Prozent) fühlten sich die Studierenden deutlich besser. 

Die große Mehrheit (74 Prozent) treibt mit Blick auf die kommenden Monate vor allem die Sorge vor erneuten Kontaktbeschränkungen um, womit auch die Furcht vor Einsamkeit (44 Prozent) einhergeht. Fast die Hälfte der Studenten und Auszubildenden setze auf eigene Strategien, um hohen psychischen Belastungen zu bewältigen.

Studenten sollten die Corona-Folgen nicht aussitzen

KKH-Ärztin Aileen Könitz riet von einer Selbstbehandlung als auch vom Aussitzen stressbedingter Beschwerden ab, vor allem wenn Symptome wie Niedergeschlagenheit und Erschöpfung länger anhielten oder stärker würden. Dann sei professionelle Hilfe angezeigt.

Die Frage, wie Studenten in Deutschland den Studienalltag während der Corona-Pandemie erleben, stand auch im Mittelpunkt einer kürzlich vorgestellten Online-Befragung der Universität Hildesheim, die unter dem Titel „Stu.diCo II - Die Corona Pandemie aus der Perspektive von Studierenden“ stand.

Auch in dieser Umfrage wurde deutlich, dass die Auswirkungen der Pandemiezeit sich auf das soziale Miteinander deutlich bemerkbar machen und das Empfinden seelischer Belastungen zugenommen hat. Über 91 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen die Gespräche mit den Kommilitonen „etwas oder sehr fehlen“.

Der Wunsch vieler Studenten: Ein voller Uni-Hörsaal.

Corona-Stress: Fehlender Austausch mit Kommilitonen, Professoren und Dozenten nagt ebenso an den Studierenden wie das fehlende Sozialleben.

Gleiches gilt für den Austausch mit den Professoren sowie Dozenten (über 80 Prozent). Und auch das soziale Leben jenseits des Studienalltags, wie Partys oder andere Veranstaltungen für Studenten an den Hochschulen wurden von mehr als 72 Prozent etwas oder sehr vermisst. Um die psychosozialen Folgen der Corona-Krise einzudämmen, fordert schon länger das Deutsche Studentenwerk von Bund und Ländern ein gemeinsames Förderprogramm für Hochschulen und Studentenwerke.

Während Studenten schon einen „Ausbildungsplatz“ – genauer gesagt einen Studienplatz haben, suchen Schulabgänger meist nach einem. Ende 2020 gaben in einer Befragung des BIBB (Bundesinstitut für Berufsbildung) rund 50 Prozent der Bewerber an, dass die Suche nach einem Ausbildungsplatz aufgrund der Pandemie für sie mit Stress, großer Anstrengung und Angst verbunden war. Rund 60 Prozent der 14-20-jährigen Schüler berichteten bereits im Juli 2020 in einer Befragung, dass sie ihre aktuellen Chancen auf einen Ausbildungsplatz aufgrund der Pandemie als schlechter einschätzten.

Corona hat Auszubildenden heftig zugesetzt

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch die Studie „Plan B“, die die IG Metall gemeinsam mit dem Jugendforscher Simon Schnetzer erstellt haben. Corona-Krise hat jungen Berufstätigen und Auszubildenden in Deutschland heftig zugesetzt. Die zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, Christiane Benner, kritisierte das unzureichend vorbereitete berufliche Bildungssystem.

Im Übergang zu digitalen Unterrichtsformen hätten die Berufsschulen mangelhafte Leistungen erbracht. Benner warnte vor gravierenden Folgen, falls sich die Situation nicht ändern sollte. „Wenn Pläne durch die Pandemie zerstört wurden, müssen neue Pläne her und wir stehen alle in der Verantwortung, diese zu begleiten.“ Arbeitgeber und Politik müssten unverzüglich handeln, um Ausbildungsplätze in guter Qualität zu erhalten und auszubauen sowie die Nachwuchskräfte dann auch zu übernehmen.

„Die Jugendlichen haben sich wirklich eingeigelt“, sagte Jugendforscher Schnetzer. Auch habe bei vielen das Selbstwertgefühl gelitten. Sie bräuchten jetzt „kleine Stupser“ wie beispielsweise Mentorenprogramme, um durchzustarten. (mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Bernd Wüstneck/dpa/Archivbild

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