Reizthema „Suedlink“

Stromspeicher: Die Batterie für Niedersachsen ist eine technische Herausforderung

Strom fürs Smartphone kommt aus einer Batterie - genauer: dem Akku. Will man ein Haus oder eine Region mit gespeichertem Strom versorgen, müssen großflächige Lösungen her. Eine steht in Niedersachsen. Aber auch der Transport bereitet noch Probleme.

  • Förderungsprogramme ermöglichen private Stromspeicher.
  • Stromspeicher sind ein wichtiger Baustein für die Energiewende.
  • Große Batterie steht in Niedersachsen und stabilisiert regionales Stromnetz.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien aus Wind, Sonne und Biomasse schreitet voran. Neben der Erzeugung ist die Speicherung eine große Herausforderung. Auch in Niedersachsen wird der Strom meistens dann benötigt, wenn kein Windrad sich dreht oder die Sonne scheint. Um irgendwann völlig unabhängig von Kohle- und Atomstrom zu sein, werden verschiedene Strategien verfolgt. Das Problem: Außer in Akkus lässt sich Strom nur umgewandelt speichern. Diese Umwandlung, beispielsweise in Wasserstoff frisst einen Teil der Energie auf.

Bundesland:Niedersachsen
Hauptstadt:Hannover
Fläche:47.709 Quadratkilometer
Einwohner:7.993.608

Stromspeicher: Batterie fürs Eigenheim - nicht nur für Niedersachsen

Strom vom Dach in der eigenen Batterie speichern und damit abends kochen und die Wohnung beleuchten: Eine wachsende Zahl von Haushalten wird so zumindest teilweise vom Stromversorger unabhängig gemacht. Einer Untersuchung des Forschungszentrums Jülich und der RWTH Aachen zufolge ist die Zahl der privaten Stromspeicher in Deutschland in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen.

Ende 2019 gab es demnach in Deutschland etwa 180.000 solcher stationären Stromspeicher, rund 55.000 mehr als ein Jahr zuvor. Zusammen hatten die Stromspeicher eine Speicherkapazität von rund 1400 Megawattstunden. Zum Vergleich: Ein mittelgroßes Pumpspeicherkraftwerk hat eine Speicherkapazität von 1000 Megawattstunden. Pumpspeicherkraftwerke nehmen in nachfrageschwachen Zeiten ein Überangebot im Stromnetz auf und geben die Energie bei Spitzenlast wieder ins Netz ab. 2018 wurden in Niedersachsen 3472 Stromspeicher aufgestellt.

Mein Haus, mein Auto, mein Boot? Künftig könnte es heißen: Mein Haus, mein Windrad, meine Solaranlage.

Die Zahl der privaten Stromspeicher nehme beständig zu, seit die Einspeisevergütung 2012 unter den Verbraucherpreis gefallen sei, schreiben die Forscher. So hätten Privatleute 2018 durchschnittlich 11 Cent je Kilowattstunde gutgeschrieben bekommen, die von ihrer Fotovoltaikanlage ins öffentliche Netz einspeist wurde. Um die gleiche Menge als Verbraucher aus dem Netz zu beziehen, mussten sie dagegen im Schnitt an die 30 Cent zahlen. „Prinzipiell ist es daher erst einmal günstig, den Eigenverbrauch so hoch wie möglich zu halten“, betonen die Autoren der Studie.

Für die Anschaffung seien Gründe wie die Erwartung weiter „steigender Strompreise und der Wille, einen eigenen Beitrag zum Gelingen der Energiewende zu leisten“, betonte Jan Figgener von der RWTH Aachen. Hinzu kommen noch weitere finanzielle Anreize. Diese variieren nach Bundesland.

„Die Speicherung von Strom wird in den kommenden Jahren spürbar an Bedeutung gewinnen und ein wesentlicher Baustein für eine erfolgreiche Energiewende sein“, so Niedersachsens Energie- und Klimaschutzminister Olaf Lies. „Um die Klimaschutzziele zu erreichen und die Energiewende voranzutreiben, müssen wir sowohl die erneuerbaren Energien als auch die Stromnetze massiv ausbauen.

Das bedeutet zugleich, dass sich auch das Stromsystem als Ganzes verändern und deutlich flexibler werden muss, um Schwankungen bei Erzeugung und Verbrauch auszugleichen“, so Olaf Lies. Grund dafür seien fehlende rechtliche, aber teilweise auch fehlende wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Niedersachsen will eine Bundesratsinitiative starten, um genau diese Missstände zu beheben.

Transport statt Stromspeicher: Suedlink bremst den Stromstransport

Der Ökostrom der in Niedersachsen produziert wird, benötigt auch entsprechende Stromnetze. Für viele Anwohner ist „Suedlink“ allerdings ein absolutes Reizwort. So wird die Stromautobahn zwischen der Nordsee und Süddeutschland bezeichnet. Über den Suedlink-Streckenverlauf wird seit Jahren gestritten. Durch den schnellen Transport zu den Verbrauchern würden weniger Stromspeicher benötigt.

Stromspeicher in Niedersachsen als Demo-Projekt

Im Varel (Kreis Friesland/Niedersachsen) steht ein Hybridgroßspeicher. Der Stromspeicher in Varel verbindet zwei bewährte Technologien miteinander: Lithium-Ionen-Batterien erlauben einen raschen Zugriff auf die gespeicherte Energie und sind perfekte „Sprinter“, während sich Natrium-Schwefel-Batterien als „Marathonläufer“ besser zum längerfristigen Zwischenspeichern größerer Kapazitäten eignen. Die Vorteile beider Batterietechnologien lassen sich durch intelligentes Steuern so miteinander kombinieren, dass der Stromspeicher auf möglichst wirtschaftliche Weise den Stromtransport im regionalen Stromnetz stabilisieren kann. Betrieben wird die Anlage von EWE. Das japanische Unternehmen Hitachi und die Wirtschaftsförderungsbehörde NEDO beteiligen sich an dem Projekt.

Zunächst dient der Stromspeicher als Demo-Projekt: Über einen Zeitraum von etwa vier Jahren liefert er praktische Erkenntnisse zum Ausgleich von Stromerzeugung und Strombedarf.

Rubriklistenbild: © Getty Images/iStockphoto

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Playstation 5 und Xbox Series im Überblick

Playstation 5 und Xbox Series im Überblick

Das große Sommergewinnspiel: Alle Fotos

Das große Sommergewinnspiel: Alle Fotos

Japanische Roadsterträume in Italien

Japanische Roadsterträume in Italien

Mit Kindern durchs Ruppiner Land

Mit Kindern durchs Ruppiner Land

Meistgelesene Artikel

Coronavirus-Alarm bei Cloppenburg: Mini-Lockdown trifft mehrere Kommunen

Coronavirus-Alarm bei Cloppenburg: Mini-Lockdown trifft mehrere Kommunen

Coronavirus-Alarm bei Cloppenburg: Mini-Lockdown trifft mehrere Kommunen
Niedersachsen plant neue Corona-Lockerungen: „Sind uns der Gefahr sehr bewusst“

Niedersachsen plant neue Corona-Lockerungen: „Sind uns der Gefahr sehr bewusst“

Niedersachsen plant neue Corona-Lockerungen: „Sind uns der Gefahr sehr bewusst“
Wetter heute in Deutschland: Letztes Sommer-Wochenende treibt Dürre auf die Spitze

Wetter heute in Deutschland: Letztes Sommer-Wochenende treibt Dürre auf die Spitze

Wetter heute in Deutschland: Letztes Sommer-Wochenende treibt Dürre auf die Spitze
Freizeitpark statt Volksfest – diese Märkte sehen im Corona-Jahr 2020 völlig anders aus

Freizeitpark statt Volksfest – diese Märkte sehen im Corona-Jahr 2020 völlig anders aus

Freizeitpark statt Volksfest – diese Märkte sehen im Corona-Jahr 2020 völlig anders aus

Kommentare