Nur wenige wechseln

Stromanbieter wechseln und Geld sparen: diese Alternativen zu Vergleichsportalen gibt es

Seit mehr als 20 Jahren ist der Strommarkt in Deutschland liberalisiert. Aber noch immer nutzen nur wenige Deutsche die Chance zum Wechseln. Neben den großen Vergleichsportalen tummeln sich auch lokale Lösungen am Markt.

  • Strommarkt seit 1998 in Deutschland liberalisiert.
  • Nur wenige Deutsche wechseln ihren Strom-Anbieter.
  • Kunden kaufen regionalen Ökostrom direkt beim Erzeuger.

Bis 1998 lag der Energiemarkt in staatlicher Hand. Der Grund: Die Versorgung mit Energie (Strom und Gas) sah man als zu wichtig an, um sie der freien Marktwirtschaft zu überlassen. Da jedoch die Liberalisierung des Telefonmarktes funktionierte, beschloss man einen ähnlichen Kurs für den Strommarkt. Inzwischen gehört Deutschland bei der Liberalisierung des Strommarktes zu den Vorreitern, und zwar EU-weit. Viele andere Länder folgten erste Jahre später.

Stromanbieter in Deutschland453 (Stand 2016)
Spanien68
Frankreich21
Ungarn4

29. April 1998 trat das „Gesetz zur Neuregelung des Energiewirtschaftsrechts“ in Kraft. Damit setzte Deutschland die EU-weit rechtliche vorgegebene Liberalisierung der Strommärkte um. Man erhoffte sich, dass es viele neue Stromanbieter geben würde und so eine Monopolstellung der Energieriesen zu vermeiden sei. Gleichzeitig sollte auch der Wettbewerb um Stromkunden angekurbelt werden. Die Hoffnung dabei war, dass der Wettbewerb Preissenkungen auslösen würde.

Strommarkt braucht Regeln zur Nutzung der Stromkabel

Schnell stellte sich heraus, dass kleine Anbieter an den Netzentgelten scheiterten, also an der Gebühr zur Nutzung fremder Stromkabel. Um dieses Übel zu beheben, beschloss man 2005 die Einführung einer Regulierungsbehörde, der Bundesnetzagentur. In den folgenden Jahren führte man Netzentgelte ein, die für jeden Energielieferanten gleich sein sollten. Nun war es auch kleineren Stromlieferanten möglich, Fuß am Markt zu fassen. 

Erzeugergemeinschaften verkaufen Solarstrom.

Ganz wichtig für den Verbraucher ist es, dass er seinen Energieversorger frei wählen kann. So kann man sich den günstigsten Stromanbieter heraussuchen. Einfach und unkompliziert geht dies über Vergleichsportale wie Check24 oder Verivox. Der Anbieterwechsel geht problemlos, meist in wenigen Minuten. Und sollte ein Stromanbieter einmal vom Markt verschwinden, oder nicht mehr fähig sein, Strom zu liefern, übernimmt einfach wieder der örtliche Grundversorger. Als Endkunde steht man niemals ohne Strom da.  Laut dem Statistischen Bundesamt wechselten 2018 4,7 Millionen Haushaltskunde ihren Stromanbieter. Das entspricht einer Quote von unter zehn Prozent.

Neben den großen Vergleichsportalen tummeln sich am Markt auch diverse kleine Stromanbieter. Einer davon ist das Hamburger Start-up Enyway. Dort können Kunden sich ihren regionalen Öko-Stromlieferanten aussuchen. Die Produzenten stellen sich mit einem kurzen Video und Beschreibung vor. Aktuell verkaufen fünf Personen aus Niedersachsen dort ihren Strom. Sie kommen aus den Bereichen Rotenburg, Neustadt am Rübenberge und Ostfriesland.

Hinter dem Start-up steckt Heiko von Tschischwitz. Er gilt in Deutschland als einer der Vorreiter in Sachen Ökostrom. Heiko von Tschischwitz sagt über die Internetplattform: „So, wie Kunden Biokartoffeln direkt vom Bauern kaufen, können sie doch auch Strom gleich vom Erzeuger kaufen. Oder ihn selbst herstellen und vermarkten – ohne Großkonzern als Zwischenhändler.“ Die Plattform dient für die Abwicklung des Kaufprozesses.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ebenfalls eine Alternative zum Einspeisen in die Stromnetze sind Genossenschaften oder Bürgerwerke für private Haushalte. Oft entstehen sie rund um lokale Ökostromprojekte wie Bürgersolaranlagen. Schließlich soll der Strom möglichst regional verkauft werden. Der Umweltaspekt, die Energiewende und zu wissen, wo der Strom produziert wurde, sind Verkaufsargumente.

Windräder leisten einen Beitrag zur Energiewende.

Als Gewerbetreibender kann man auch einer Energiebezugsgemeinschaft beitreten. Sie kauft für alle Mitglieder an der deutschen oder europäischen Strombörse die benötigte Menge an Strom ein. Auch hier liegt der Preisvorteil im Ausschalten von Groß- und Zwischenhändlern.

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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