Prozess

Streit ums Grundwasser: Macht Hamburg die Nordheide zur Wüste?

Ein Nordheide-Straßenschild in der Wüste neben einem Autowrack
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Zukünftige Wüste: fördert Hamburg zu viel Wasser in der Nordheide? (kreiszeitung.de-Montage)

Bis zu 16,1 Millionen Kubikmeter Grundwasser darf Hamburg Wasser in der Nordheide fördern. Den Hamburgern reicht das nicht, Umweltschützern ist es zu viel.

Lüneburg/Hamburg – Gerade wegen seiner hohen Qualität ist das Grundwasser aus der Nordheide sehr begehrt. Auch in Hamburg ist das der Fall und die Hanseaten hätten gern mehr von dem Wasser. Und so verhandelt das Verwaltungsgericht Lüneburg seit Mittwoch, 6. Oktober 2021, sechs Klagen zur Belieferung von Wasser aus der Heide nach Hamburg. In dem Prozess in der Ritterakademie geht es vor allem um die Frage, ob die Hansestadt nicht vielleicht zu viel des guten Grundwassers erhält. Jüngst kam es sogar zu Verunreinigungen im Hamburger Leitungswasser*.

Trinkwasserversorgungs- und Abwasserbeseitigungsunternehmen:Hamburg Wasser
Leitung:Ingo Hannemann, Geschäftsführer
Sitz:Hansestadt Hamburg
Gründung:1. Januar 2006
Mitarbeiter:2258
Umsatz:837,8 Millionen Euro

Der Streit um die ökologischen Folgen schwelt seit Jahren. Die Hamburger Wasserwerke wenden sich in dem Verfahren gegen die 2019 für 30 Jahre erteilte sogenannte gehobene Erlaubnis im Landkreis Harburg und möchten eine Bewilligung erreichen, die schwieriger zu widerrufen ist. Im Emsland geht es derweil nicht um einen Wasserstreit, sondern um CO₂-neutrales Kerosin: Vor Kurzem eröffnete dort ein Werk, dass klimaneutralen Treibstoff für Flugzeuge produziert.

Streit ums Grundwasser: 13 Prozent des Hamburger Wasserbedarfs kommen aus der Nordheide

Bis zu 13 Prozent des Bedarfs der Hamburger wird aus der Heide abgedeckt. Vor allen Dingen der Westen Hamburgs, also die Stadtteile Altona und St. Pauli, werden von hieraus versorgt. 24 Prozent des Bedarfs kommt aus Schleswig-Holstein. „Wir wünschen uns die Bewilligung wegen des Versorgungsauftrags, den wir haben“, so ein Sprecher von Hamburg Wasser.

Bis ins Jahr 2004 wurden mehr als 25 Millionen Kubikmeter pro Jahr gefördert. Danach gab es nur einen vorläufigen Zwischenbescheid als Grundlage. Der neue Antrag beläuft sich auf eine maximale Jahresmenge von 18,4 Millionen Kubikmetern. Der Kreis Harburg genehmigte eine durchschnittliche jährliche Wasserentnahme von 16,1 Millionen Kubikmetern.

Höhere jährliche Wassermengen sind bis maximal 18,4 Millionen Kubikmeter pro Jahr möglich. Diese müssten dann jedoch durch niedrigere Mengen in anderen Jahren ausgeglichen werden.

Die fünf weiteren Klagen – darunter vom Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz Niedersachsen (LBU) – richten sich gegen die umfangreiche Erlaubnis. Eigentümer landwirtschaftlicher und forstwirtschaftlicher Flächen gehören ebenso zu dem Kreis und argumentieren, dass Bäche und Flüsschen in der Heide im Landkreis Harburg austrocknen könnten. Wegen des Klimawandels mit trockenen Sommern ist es aber schwierig zu ermitteln, wie stark und ob überhaupt die Brunnen zur Förderung des Hamburger Wassers den Prozess beschleunigen.

Streit ums Grundwasser in der Nordheide: Protest gegen neue Brunnenbohrung von Coca-Cola

Trockenschäden gäbe es schließlich überall in Niedersachsen, führte auch der Richter Thomas Pump in der zum Gerichtssaal umfunktionierten Ritterakademie an. Für den Prozess mit vielen Verfahrensbeteiligten sind drei Tage angesetzt. Das Thema Wasser hat in den vergangenen Monaten in Lüneburg für viel Unruhe gesorgt. Immer wieder protestierten Bürgerinitiativen gegen einen dritten Brunnen des Getränkekonzerns Coca-Cola zur Förderung von Grundwasser aus tiefen Gesteinsschichten zu kommerziellen Zwecken im Landkreis.

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Nach umfangreichen Testbohrungen im Frühjahr werden nun die Ergebnisse evaluiert. Der Landkreis ist für die Genehmigung zuständig. Nach den wasser- und naturschutzrechtlichen Vorgaben von Bund und Land wird über den umstrittenen Brunnen entschieden. Nicht nur in Norddeutschland ist das Thema Wasser ein großes: Auch in Baden-Württemberg werden Trockenperioden zum Problem. Um mögliche Engpässe beim Grundwasser entgegenzuwirken, soll nun eine sinnvolle Methode erforscht werden*.

Streit ums Grundwasser in der Nordheide: Urteile werden für kommenden Montag erwartet

Coca-Cola unterhält mit seinem Tochterunternehmen Apollinaris in der Hansestadt bereits zwei Brunnen für das Abfüllen von Mineralwasser und verkauft das geförderte Wasser unter dem Namen „Vio“. Mit dem neuen Brunnen könnten bis zu 350.000 Kubikmeter Wasser jährlich aus einer Tiefe von etwa 195 Metern gefördert werden.

Das Urteil im Prozess um die Belieferung der Stadt Hamburg wird für den kommenden Montag, 11. Oktober 2021, erwartet. (mit Material der dpa) * kreiszeitung.de, merkur.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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