Minister beklagt „Wortbruch“

Niedersachsen sagt Corona-Impfungen für Schüler nun doch ab

Niedersachsen wollte noch vor den Sommerferien allen Schüler ab zwölf Jahren ein freiwilliges Corona-Impfangebot machen. Die Landesregierung muss nun die Aktion absagen.

Hannover – Im Kampf gegen die Corona-Pandemie muss Niedersachsen einen Rückschlag einstecken. Das Land wird nicht wie geplant allen Jugendlichen ab zwölf Jahren noch vor den Sommerferien ein Impfangebot machen können. Der Grund: unzureichende Impfstoffdosen. Das kündigte die niedersächsische Landesregierung gegenüber der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (HAZ) an.

Land:Niedersachsen
Sieben-Tage-Inzidenz (29. Mai):24,8
Vollständig geimpft15,5%
Schulpflichtige Jugendliche ab 12 Jahren:450.000

Als erstes Bundesland hatte Niedersachsen am Dienstag, 25. Mai, ein eigenes Corona-Impfkonzept für Schülerinnen und Schüler ab zwölf Jahren vorgestellt. Geplant war, die Impfungen um die Sommerferien herum auf freiwilliger Basis durchzuführen. Zu diesem Zweck hatten Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) und Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) in einem Schreiben an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rund eine Million zusätzliche Impfdosen gefordert.

Corona-Impfungen für Schulkinder: Niedersachsen wirft Bund „Wortbruch“ vor

Im Gespräch mit der HAZ warf nun Grant Hendrik Tonne dem Bund Wortbruch vor. „Anfang Mai hat der Bundesgesundheitsminister zugesagt, dass die Länder, die ein Impfkonzept für Schülerinnen und Schüler ab zwölf Jahren vorlegen, die notwendigen Impfdosen für diese Personengruppe zusätzlich erhalten“, sagte er.

Niedersachsen Kultusminister Grant Hendrik Tonne wirft dem Bund „Wortbruch“ vor.

Auf dem Bund-Länder-Impfgipfel am Donnerstag, 27. Mai, sei diese Zusage vom Bund „aber sang- und klanglos einkassiert worden. Diese Unzuverlässigkeit ärgert mich sehr“, fügte Tonne hinzu. Der Minister versicherte, dass das Land weiterhin an einem eigenen Impfkonzept für Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen arbeiten werde.

Corona-Impfungen für Schüler: Auch Behrens kritisiert Spahn

Auch Gesundheitsministerin Daniela Behrens kritisierte den Impfstoffmangel und warf Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor, sein Versprechen nicht eingehalten zu haben. Niedersachsen Impfkonzept für alle Jugendlichen ab zwölf Jahren sei an zwei Vorbemerkungen geknüpft, sagte Behrens im Deutschlandfunk-Interview: einerseits die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO), andererseits die Impfstoff-Lieferungen des Bundes. „Wir können es nur durchführen (...), wenn genügend Impfstoff da ist – das hat der Bund bisher leider nicht zusagen können“, erklärte Daniela Behrens. Wenn man allen Ländern ein solches Angebot mache und sich dann nicht daran halte sei das „keine gute Grundlage“ und sei „ärgerlich“, fügte die Menisterin hinzu.

Am Freitag hat die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) Impfungen mit dem Corona-Impfstoff von Biontech für Kinder zwischen 12 und 15 Jahren zugelassen*. Eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) steht noch aus. Das Expertengremium hat allerdings bereits signalisiert, möglicherweise vorerst keine generelle Impf-Empfehlung für Kinder aussprechen zu wollen. Aus diesem Grund hat Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) im Vorfeld und nach dem Bund-Länder-Gipfel die Impfkommission kritisiert. „Kinder und Jugendliche können sich infizieren und das Virus weitergeben, deshalb müssen sie ein Impfangebot bekommen – sofern eine Zulassung vorliegt, bei der Nutzen und Risiken abgewogen wurden“, sagte Weil.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte

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