Streit auf der Meyer Werft nun vor Gericht

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Ibrahim Ergin. Foto: Elmar Stephan/Archiv

Papenburg - Der Andrang dürfte groß werden: Wenn am Donnerstag das Arbeitsgericht Lingen über die Kündigung des Betriebsratschefs der Meyer Werft verhandelt, wollen viele Beschäftigte ihre Solidarität demonstrieren. Wie geht es weiter in dem Streit?

Sämtliche Schlichtungsversuche haben bislang nichts genutzt: Über die Kündigung des Betriebsratsvorsitzenden der Meyer Werft verhandelt am Donnerstag das Arbeitsgericht Lingen. Wegen des großen Interesses zieht die zuständige Kammer um und nutzt den größten Saal des örtlichen Amtsgerichts, der Platz für bis zu 80 Zuschauer bietet.

Mitte September war bekanntgeworden, dass die Geschäftsleitung des emsländischen Kreuzfahrtschiffbauers den Betriebsratsvorsitzenden Ibrahim Ergin kündigen will. Frühere Auszubildende hatten ihn nach Unternehmensangaben beschuldigt, sie vor einigen Jahren zum Eintritt in die IGMetall genötigt zu haben. Ergin selber hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und als Versuch bezeichnet, aktive Arbeitnehmervertreter einzuschüchtern. Inzwischen prüft auch die Staatsanwaltschaft Osnabrück die Vorwürfe.

Eine Stunde vor dem Gerichtstermin hat die IG Metall zu einer kleinen Kundgebung aufgerufen. Meinhard Geiken, Vorsitzender des IG-Metall-Bezirks Küste, wird sprechen. „Es wird erwartet, dass Beschäftigte der Meyer Werft als auch aus anderen Betrieben Solidarität bekunden und vor Ort sein werden“, sagte der Sprecher der IG Metall Küste, Heiko Messerschmidt.

Im Sommer war es bei der Meyer Werft im Konflikt um die Verlagerung der Unternehmenszentrale nach Luxemburg zum Streit zwischen Ergin und der Geschäftsführung um Seniorchef Bernard Meyer gekommen. Meyer hat mit dem Umzug der Zentrale einen Aufsichtsrat verhindert, in dem auch Arbeitnehmervertreter Stimmrecht gehabt hätten.

Eigentlich hätte die Arbeitnehmerseite schon längst einen Aufsichtsrat für das 220 Jahre alte Traditionsunternehmen mit Standorten in Papenburg und Rostock durchsetzen können. Es habe aber ein Stillhalteabkommen zwischen IG Metall und der Werft gegeben, auf das Aufsichtsgremium zu verzichten, sagt der in Bremen lehrende Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel.

Nachdem aber Meyer zuletzt eine Kreuzfahrtschiff-Werft im finnischen Turku übernommen hatte, wäre ein Aufsichtsrat nach deutschem Recht nicht mehr zu verhindern gewesen. Meyer stellte eigene Betriebsräte, die IGMetall und die Landesregierungen von Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern vor vollendete Tatsachen und siedelte die Holding trotz scharfer Kritik in Luxemburg an.

Im Streit um die Kündigung Ergins sind bislang zwei Schlichtungsversuche gescheitert. Er sehe in dem Versuch, Ergin zu kündigen, eine Machtdemonstration gegen Betriebsrat und IGMetall, sagt Hickel, der sich als Schlichter angeboten hatte. „Die Werft war ursprünglich dafür bekannt, dass sie ein gutes Betriebsklima, eine gute Unternehmenskultur hatte. Das ist alles in sich zusammengebrochen“, sagt der Werftenexperte.

dpa

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