Deutschlands größter Schiffbaubetrieb

Meyer-Werft: So viele Arbeitsplätze sollen weg - Ministerpräsident greift ein

Für hohe Wellen sorgte eine merkwürdige Abstimmung bei der Meyer-Werft. Weil weniger Kreuzfahrtschiffe gebaut werden, soll Personal gehen. Nun hat sich Ministerpräsident Stephan Weil eingeschaltet.

Update vom 8. Juni: Gegen den Protest des Betriebsrates steuert Deutschlands größter Schiffbaubetrieb, die Meyer-Werft, den Abbau von 660 Stellen an. Das bekräftigten Geschäftsführer Tim Meyer und Personalchefin Anna Blumenberg am Montag für den Kreuzfahrtschiffbauer in Papenburg. Gleichzeitig bekundeten vor den Werfttoren mehr als Tausend Mitarbeiter ihren Unmut über den drohenden Verlust der Arbeit. Betriebsratschef Nico Bloem forderte Verhandlungen über eine Lösung ohne betriebsbedingte Kündigungen.

„Am Ende des Tages sind wir uns sehr wohl bewusst, dass es Einschnitte geben wird“, sagte Nico Bloem. „Aber dafür wollen wir auch etwas haben.“ Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sprach am Nachmittag in Papenburg mit den Meyer-Betriebsräten und -Vertrauensleuten.

„Wir haben eine verhärtete Lage, die wir in keinem anderen Unternehmen in Niedersachsen derzeit vorfinden“, sagte Weil anschließend dem NDR. „Das Land hat die Meyer Werft immer unterstützt. Sie ist ein Vorzeigeunternehmen für uns. Aber wir müssen auch erwarten, dass nun beiderseits konstruktiv auf eine gemeinsame Lösung hingearbeitet wird“, sagte der Regierungschef der Rheiderland-Zeitung. Man werde zu gemeinsamen Lösungen finden und sich danach wieder in die Augen schauen müssen.

Betriebsratschef Bloem sagte nach dem Gespräch: „Der Ministerpräsident hat klare Worte gewählt, wofür wir ihm dankbar sind.“ Weil habe klar gesagt, dass er an der Seite der Belegschaft steht. „Wir hoffen, dass die Geschäftsführung nun an den Verhandlungstisch zurückkehrt.“

Meldung vom 7. Juni: Hannover - Die Kreuzfahrtschiffe von Costa, Tui, Aida und anderen Anbietern starten wieder in den Fahrbetrieb. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind vermutlich noch in einigen Jahren zu spüren. Dies wird überwiegend die Schiffsbauer treffen, denn die Reedereien haben Aufträge für Neubauten gestreckt oder sogar storniert. Dies hat Auswirkungen auf die Personalstärke.

Deutschlands größter Schiffbaubetrieb, die Meyer-Werft in Papenburg will die Belegschaft verringern. Der Betriebsrat ist wenig begeistert. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sprach am Nachmittag in Papenburg mit den Meyer-Betriebsräten und -Vertrauensleuten „.Wir haben eine verhärtete Lage, die wir in keinem anderen Unternehmen in Niedersachsen derzeit vorfinden“, sagte Weil anschließend dem NDR. 

Meyer-Werft: Fünf Wochen arbeiten als unbezahlte Überstunden

Zwischen der Geschäftsführung einerseits und dem Betriebsratschef Nico Bloem und der IG Metall andererseits gibt es seit Monaten keine Verständigung über den Umgang mit den Problemen. Am Samstag hatte die Werftleitung bei einer Online-Versammlung die Belegschaft über den Umfang des Jobabbaus abstimmen lassen. Es ging um 660 oder 1000 zu streichende Arbeitsplätze. Nach Firmenangaben gab es eine überwältigende Zustimmung für den Verlust von 660 Jobs. Die bittere Pille: Jeder verbliebene Mitarbeiter soll 200 unbezahlte Überstunden im Jahr leisten. Umgerechnet: fünf Wochen zusätzlich arbeiten ohne Lohn.

Laut der Gewerkschaft hätten sich weniger als die Hälfte der Werft-Beschäftigten an der Umfrage beteiligt. Ihr Vorschlag, die Stammbelegschaft zu erhalten und dafür den Teil auf der Werft zu verringern, bei dem Arbeiten über Werkverträge erledigt werden, spielte bei der Umfrage keine Rolle, berichtet der NDR.

Die Meyer-Werft in Papenburg will ihr Personal deutlich reduzieren.

Thomas Gelder, Bevollmächtigter der IG Metall in Leer/Papenburg nannte das eine Wahl „zwischen Pest und Cholera“. Ohnehin sei eine solche Abfrage ohne Beteiligung des Betriebsrats nicht ordnungsgemäß, sie widerspreche dem Betriebsverfassungsgesetz. Bisherige Linie der Gewerkschaft ist, betriebsbedingte Kündigungen bei Meyer möglichst zu verhindern.

Die Werft an der Ems beschäftigt 3600 Mitarbeiter in der Stammbelegschaft und etwa 900 Mitarbeiter in Tochterfirmen. Für neue Kreuzfahrtschiffe besteht wegen Corona in den kommenden Jahren kaum Nachfrage. Den Bestand an Aufträgen arbeitet die Werft verlangsamt bis 2025 ab. Sie will etwa 40 Prozent Arbeitskapazität abbauen.

Schiffs-Zulieferer sind hoffnungsvoll

Deutlich zuversichtlicher sind die deutschen Zulieferer für die Schiffbau- und Offshore-Industrie. Sie rechnen mit einer deutlichen Erholung. Auch wenn in Teilen der Branche die Auslastung noch nicht ausreichend sei, „geben doch die steigenden Bestellungen für neue Schiffe mehr als Hoffnung für 2021 und 2022“, sagte der Vorsitzende der entsprechenden Arbeitsgemeinschaft (AG) im Maschinenbauverband VDMA, Martin Johannsmann.

Impulse verzeichnet die Industrie demnach vor allem aus den großen Schiffbaunationen in Asien, allen voran China. Zudem kämen vermehrt Aufträge im Zusammenhang mit dem weltweiten Ausbau der Offshore-Windenergie. Die Industrie sieht sich als weltweiter Marktführer in den meisten Segmenten der Schiffstechnik und lebt zum größten Teil vom weltweiten Export. Wie die Werftindustrie selbst kämpfen auch deren Zulieferer allerdings mit immer härter Konkurrenz aus China, das selbst immer größere Teile der Wertschöpfungsketten im Schiffbau selbst abdeckt.

Die Meyer-Werft wird vermutlich weniger Kreuzfahrtschiff wie die „Iona“ überführen. Der Grund: Geringere nachfrage nach Neubauten.

Die Schiffbauzulieferer mit derzeit 63.000 Beschäftigten haben im vergangenen Jahr einen Umsatzeinbruch von knapp fünf Prozent verkraften müssen. „Nach Überbrückung der Auftragsflaute in der Fertigung sind mit steigendem Auftragseingang im laufenden Jahr 2021 die weiteren Aussichten für 2022 sehr positiv“, berichtet die AG Marine Equipment and Systems. (Mit Material von dpa)

(Artikel aktualisiert am 07. Juni 2021 um 19:51 Uhr)

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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