Streik der Lokführer

Chaos an Bahnhöfen im Norden bleibt aus

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In Niedersachsen und Bremen reagieren die meisten gelassen.

Hannover/Bremen - Von Irena Güttel und Amelie Richter. Wütende Reisende, meterlange Warteschlangen und Chaos an den Bahnhöfen? Fehlanzeige. Der Streik der Lokführer ist zur Routine geworden - auch für betroffene Pendler. In Niedersachsen und Bremen reagieren die meisten gelassen.

Die hellgelben Plastik-Leibchen mit grünem GDL-Aufdruck rascheln beim Überziehen. Auf dem Steinboden klackern die Holzstäbe der Schilder - Streikvorbereitungen für rund 30 Vertreter der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) im Hauptbahnhof Hannover. Kurz noch aufstellen für ein Foto, der Ablauf ist bekannt, denn die Gewerkschaft streikt seit vergangenem September bereits zum siebten Mal. „Die Schilder stehen im Keller immer griffbereit“, sagt Jan Manfras, Ortsgruppenvorsitzender der GDL in Hannover, der eine neon-orangefarbene Warnweste trägt. Von Routine ist zwar noch nicht die Rede, nach mehreren Streikdurchgängen sind die Teilnehmer aber geübt: Fotos vor der Anzeigentafel sind tabu, in der großen Bahnhofshalle protestieren auch. Die Gewerkschafter lernen dazu.

Die Warteschlange vor dem Informationsschalter der Bahn in Hannover ist am Mittwochvormittag nicht außergewöhnlich lang. Ein gewisser Streik-Trott hat sich breitgemacht: „Man stellt sich ja drauf ein“, sagt eine Angestellte des Kundenservice der Bahn, während sie vor dem Infoschalter Kaffee an wartende Passagiere ausschenkt. Auch im DB-Reisezentrum im Hauptbahnhof Hannover bleibt der Ansturm von Reisenden aus: „Wir haben damit ja mittlerweile Erfahrung“, erklärt eine Angestellte am Empfangsschalter.

Leere Gleise, wenige Wartende in der Bahnhofshalle und kurze Schlangen am Infoschalter - auch im Bremer Hauptbahnhof herrscht am Mittwochvormittag deutlich weniger Betrieb als sonst. Viele Reisende haben sich auf den Streik eingestellt und meiden möglichst die Fernzüge. Das bekommt auch die Verkäuferin eines italienischen Cafés zu spüren: „Es ist deutlich weniger los.“ Vor allem zur Berufsverkehrszeit am Morgen bleiben die üblichen Kunden weg. Deshalb hat die Frau auch kein Verständnis für den inzwischen siebten Lokführerstreik. „Das ist ein bisschen zu viel.“

Magdalena Goldbeck in Bremen sieht das Ganze dagegen gelassen. „Gerade habe ich umgebucht.“ Sie will noch am selben Tag bis nach Suhl in Südthüringen reisen. „Ich wusste von dem Streik. Ich hab mir gesagt, ich lass mich einfach auf ein Abenteuer ein.“ So viel Abenteuer wird es am Ende dann wohl doch nicht werden: Goldbeck muss zwar einmal mehr umsteigen, die Fahrtzeit bleibt aber die gleiche - vorausgesetzt alles klappt.

Die Deutsche Bahn hat einen Ersatzfahrplan für viele Strecken in Niedersachsen und Bremen eingerichtet. Im Internet können sich Reisende bei der Live-Auskunft der Bahn über diese Verbindungen informieren.

Fahrpläne der alternativen Bahnunternehmen

Fahrplanabfrage Nordwestbahn

Aktuelle Verkehrslage Metronom

Aktuelle Abfrage der Abfahrtszeiten des Erixx

Fahrplanabfrage EVB

Elektronische Fahrplanauskunft der BSAG

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