1. Startseite
  2. Lokales
  3. Niedersachsen

Streik der Hafenarbeiter angekündigt: Verdi bringt Häfen in heikle Situation

Erstellt:

Kommentare

Warnstreik von Beschäftigten des öffentlichen Diensts am Hamburger Hafen.
Verdi ruft Hafenarbeiter für Donnerstag, 09. Juni 2022, zum Streik auf. Wie bereits während des Streiks im vergangenen November fordert die Gewerkschaft Lohnerhöhungen. (Archivbild) © Hanno Bode/Imago

Kurz vor der dritten Runde der Tarifverhandlungen der Hafenarbeiter hat Verdi für Donnerstag, 9. Juni 2022, Warnstreiks in den Seehäfen angekündigt. Eine heikle Situation für die Häfen, denn zurzeit stauen sich die Containerschiffe in der Nordsee.

Niedersachsen/Bremen/Hamburg – Die Gewerkschaft Verdi hat für Donnerstag, 9. Juni 2022, mehrstündige Warnstreiks in den Seehäfen angekündigt. Konkret betroffen sei die Spätschicht in mehreren Häfen, darunter im größten deutschen Hafen in Hamburg, teilte die Gewerkschaft am Mittwoch in Hamburg gegenüber der dpa mit. Auch in Emden, Bremen, Bremerhaven und Wilhelmshaven soll es mehrstündige Warnstreiks geben. Gleichzeitig kommt es zu einem Stau in der Nordsee: zwölf Containerschiffe warten darauf, in einen Hafen einlaufen zu dürfen.

Hafenarbeiter streiken: Verdi fordert Inflationsausgleich, Häfen ächzen unter Belastung

Verdi verlangt angesichts der Teuerungsraten von fast acht Prozent für rund 12.000 Beschäftigte in 58 tarifgebundenen Betrieben in Niedersachsen, Bremen und Hamburg unter anderem einen nicht näher bezifferten „Inflationsausgleich“. Auch eine Erhöhung der Stundenlöhne um 1,20 Euro ist gefordert. Die Arbeitgeberseite bietet derweil zwei Erhöhungen in diesem und im nächsten Jahr von 3,2 und 2,8 Prozent und Einmalzahlungen von insgesamt 600 Euro an.

Hapag-Lloyd Containerschiff in Cuxhaven
Derzeit warten zwölf Containerschiffe auf das Einlaufen in deutsche Häfen. Aufgrund von Lieferketten-Problemen ist es auf der Nordsee zu Staus gekommen. (Symbolbild) © Rust/Imago

„Angebot ist völlig unzureichend“: Hafenarbeiter seien Teil der kritischen Corona-Infrastruktur gewesen.

„Das von den Arbeitgebern bislang vorgelegte Angebot ist völlig unzureichend“, sagte die Verhandlungsführerin Maya Schwiegershausen-Güth gegenüber der dpa zu den laufenden Tarifverhandlungen. Die Beschäftigten hätten als Teil der kritischen Infrastruktur während der Corona-Pandemie durchgehend und an der Belastungsgrenze gearbeitet. „Sie haben Anerkennung und ihren gerechten Anteil verdient.“

„Absolut verantwortungslos“: Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe kritisiert Verdi scharf

Der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) hat die von der Gewerkschaft Verdi angekündigten Warnstreiks am Mittwoh als „völlig inakzeptabel“ bezeichnet. „Wir befinden uns mitten in einer absoluten Ausnahmesituation. Die weltweiten Lieferketten sind stark gestört. Von der einen Seite kommt eine große Welle verspäteter Schiffe auf uns zu, auf der anderen Seite gibt es große Engpässe im Güterverkehr der Bahn“, sagte die ZDS-Verhandlungsführerin Ulrike Riedel zur dpa. „Jetzt zu Warnstreiks aufzurufen, ist absolut verantwortungslos.“

Wir befinden uns mitten in einer absoluten Ausnahmesituation. Jetzt zu Warnstreiks aufzurufen, ist absolut verantwortungslos.

Ulrike Riedel, Verhandlungsführerin des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe

Stau auf der Nordsee: Viele Waren stecken auf Containerschiffen fest

Die Streiks treffen die Häfen hart. Denn aufgrund von weltweiten Verzögerungen in der Logistikbranche kommt es zurzeit zu einem Stau der Containerschiffe auf der Nordsee. Derzeit warten zwölf Schiffe mit insgesamt 150.000 Containern auf das Einlaufen. Aufgrund der Pandemie und des Ukraine-Kriegs sind Häfen weltweit überlastet. In vielen Ländern ächzt Handel und Industrie unter Nachschubmangel.

Waren stecken fest: Güter im Wert von 700 Millionen Euro nicht nach Deutschland gelangt

Das Problem ist keineswegs ein kleines: Vor den Häfen von Deutschland, Holland und Belgien steckten zwei Prozent der globalen Frachtkapazität fest und könnten weder be- noch entladen werden. Das hat auch Konsequenzen für die deutsche Wirtschaft. Das Institut für Wirtschaft schätzt in einem Bericht das Volumen der Waren, die wegen des Corona-Lockdowns in Shanghai nicht nach Deutschland gelangen konnte, auf etwa 700 Millionen Euro. Der Schiffstau vor Shanghai führte bereits im April zu verzögerten Lieferketten und höheren Preisen. Aber auch das Ende des Lockdowns führte nicht zur Entspannung des Problems. Eher wurden die Staus an den Zielhäfen länger. (Mit Material der dpa)

Auch interessant

Kommentare