Kosten bei Friesoyther Bad explodieren

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Der Steuerzahlerbund Niedersachsen hat die Kostenexplosion beim Neubau des Schwimmbades in Friesoythe gerügt.

Friesoythe - Schön ist es, das neue Bad in der Kleinstadt Friesoythe im Oldenburger Münsterland. Nur die erhofften Besucherzahlen werden nicht erreicht. Die Kommune muss viel mehr zahlen als geplant. Für den Steuerzahlerbund ein Fall von „selten dagewesener Inkompetenz“.

Die Kostenexplosion beim Neubau eines Schwimmbades in Friesoythe im Kreis Cloppenburg hat der Steuerzahlerbund in Niedersachsen gerügt. Bei dem Prestigeprojekt aquaferrum, das im Oktober vergangenen Jahres eröffnet wurde, seien die angekündigten Steuerzuschüsse von jährlich 350.000 Euro auf bis zu 1,2 Millionen Euro gestiegen, kritisierte der Verband. Landesvorsitzender Bernhard Zentgraf spricht von „einer selten dagewesenen Inkompetenz oder gar Täuschungsabsicht“.

Die Geschäftsführerin der Wirtschaftsbetriebe Friesoythe und Stadträtin der 21 000-Einwohnerstadt Friesoythe, Heidrun Hamjediers, räumte ein, die jährlichen Verluste des Bades seien höher als bei der Planung angenommen. „Die Stadt wird nicht alles ausgleichen müssen, aber wir liegen bei einem Zuschussbedarf von 900 000 Euro bis zu einer Million.“ Hamjediers sagte, sie sei erst seit April dieses Jahres Geschäftsführerin der Wirtschaftsbetriebe und daher für die Planungen nicht verantwortlich gewesen.

„Man hatte für 2015 Gesamterlöse in Höhe von 863 000 Euro kalkuliert, es sind aber nur 600 000 Euro“, sagt sie. Es seien auch Kosten vergessen worden - bei der Sauna hatte man mit einer Umsatzsteuer von sieben Prozent kalkuliert, tatsächlich fällig sind aber 19 Prozent.

Im Schwimmbad war mit 71 000 Gästen gerechnet worden, gekommen sind 36 000. Die Sauna sollten 14 400 Menschen besuchen, tatsächlich waren es keine 6000. Es habe im Vorfeld eine Machbarkeitsstudie gegeben, die gezeigt habe, dass es keinen Markt für das Bad in dieser Form gebe. „Man hat das ignoriert“, sagte Hamjediers.

Bürgermeister Sven Stratmann (SPD) ist seit November 2014 im Amt. „Ich habe den Arm für das Projekt im Stadtrat nicht gehoben“, sagt er heute auf die Frage nach politischen Konsequenzen. Sein Vorgänger Johann Wimberg (CDU) war als Landrat zum Kreis Cloppenburg gewechselt.

Der Steuerzahlerbund höre zwar immer wieder von defizitären Bädern auch in anderen Städten. „Aber einen Fall wie in Friesoythe, wo wir eine Verdreifachung der Kosten haben, ist mir sonst nicht bekannt“, sagte Zentgraf. Stadt und Landkreis als Kommunalaufsicht sollten den Fall aufarbeiten, forderte er. Bislang sehe er die Bereitschaft dazu nicht. Wegen der hohen Ausgaben für das Bad fehle der Stadt Friesoythe das Geld für andere wichtige Aufgaben.

dpa

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