"Große Schweinerei"

Steinfeld entsetzt über Gift-Attacke

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Rettungskräfte stehen vor einer Kunststofffirma in Steinfeld im Landkreis Vechta (Niedersachsen).

Steinfeld - Elmar Stephan. Das vergiftete Brötchen-Geschenk ist Stadtgespräch in Steinfeld. In der kleinen Gemeinde viel spekuliert: Ist Rache der Grund für die hinterhältige Tat?

Über das teuflische „Geschenk“ eines Unbekannten an Mitarbeiter einer Firma in der Gemeinde Steinfeld kann Adil Gören nur den Kopf schütteln. „Wer macht denn so etwas?“, fragt der Inhaber einer Pizzeria im Herzen des 9500-Einwohner-Ortes im Oldenburger Münsterland. „Das ist eine große Schweinerei!“ Er hoffe, dass die Polizei den Täter schnell finde, sagt der Unternehmer. Irgendjemand hat Brötchen mit Rattengift präpariert und den Mitarbeitern eines Kunststoff verarbeitenden Betriebs zu essen gegeben.

„Zutiefst erschüttert“ sei die Firmenleitung, sagte der Geschäftsführer des betroffenen Unternehmens „Müller-Technik“, Helmut Kohake. Auch die Menschen im Ort sind empört über die Tat und rätseln über die Hintergründe.

Am Dienstag lagen die belegten Brötchen in einem vor einer Werktür abgestellten Karton. Darauf befand sich ein Hinweis, dass die Brötchen ein Geschenk seien und gegessen werden könnten. 25 Mitarbeiter des Unternehmens dachten sich nichts Böses - und bissen zu. Später fiel aber jemandem auf, dass auf den Brötchen noch eine unbekannte Substanz war.

Einige Mitarbeiter suchten sicherheitshalber Krankenhäuser auf, die Polizei wurde verständigt. Sie stellten die noch nicht gegessenen Brötchen sicher und flogen sie zur Untersuchung in die Berliner Charité. Das Resultat schockiert Mitarbeiter und Bürger: Bei der Substanz handelt es sich um Mäuse- und Rattengift. Die betroffenen Mitarbeiter bleiben erst einmal zur Beobachtung in Krankenhäusern. Bislang zeigen sie keine Vergiftungssymptome.

„Die ganze Stadt spricht darüber“, sagt eine ältere Dame, die in einer Kneipe hinter dem Tresen steht. „Man fragt sich, wer tut so etwas?“ Ihren Namen will sie nicht nennen. „Vielleicht ist jemandem gekündigt worden und der hat sich gerächt?“, mutmaßt sie. Geschäftsführer Kohake betont allerdings, es habe keine Drohungen gegen das Unternehmen gegeben. Auch das Betriebsklima sei gut.

„Die Sache ist schon ziemlich hart“, sagt Sergej Weber. Der 18 Jahre alte Auszubildende geht mit seinem 21 Jahre alten Freund Christoph Muhle durch den Ort. Muhle mutmaßt auch, es könnte sich um die Tat eines gekündigten Mitarbeiters handeln. „Vielleicht Rachegedanken, wer weiß?“, sagt er.

Vor den Werkshallen herrscht am Mittwochmittag Ruhe. Rund 200 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. „Der Chef hat gesagt, wir dürfen nichts sagen“, erklärt ein Mitarbeiter, der von einer Halle in eine andere läuft. Währenddessen ermittelt die Polizei in alle Richtungen weiter.

„Man muss sich natürlich auch fragen, warum isst jemand irgendwo abgestellte Brötchen?“, fragt sich Pizzeria-Besitzer Gören. Die Betreffenden seien wohl auch etwas naiv gewesen. Das findet Geschäftsführer Kohake hingegen nicht: „Wenn jemand Geburtstag hat, wird so etwas schon mal in der Zentrale abgegeben“, sagte er. Und bei 240 Beschäftigten feiere jede Woche jemand Geburtstag. Es sei also nicht unüblich, dass die Brötchen gegessen worden seien. dpa

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