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Steigende Gas- und Strompreise: Embargo wäre ein „Riesenfiasko“ für die Wirtschaft

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Von: Yannick Hanke

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Volker Müller, Geschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN), schaut zur Seite und zeigt auf etwas oder jemanden. Im Hintergrund ist das Wort „Embargo“ auf einem Pappschild zu lesen.
Durch den Ukraine-Krieg sind Gas- und Strompreise stark gestiegen. Ein Gasembargo würde diesen Effekt verstärken. Deswegen warnt Volker Müller, Geschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN), vor einem „Riesenfiasko“. (kreiszeitung.de-Montage) © Holger Hollemann/dpa/Ying Tang/imago

Infolge des Ukraine-Kriegs sind Gas- und Strompreise enorm angestiegen. Die EWE stellt sich auf alle Eventualitäten ein. Indes wird ein Gasembargo hinterfragt.

Hannover/Oldenburg – Der von Russlands Präsident Wladimir Putin geführte Ukraine-Krieg wirkt sich auch wirtschaftlich aus. Denn während Russlands Präsident Putin weiterhin den Krieg in der Ukraine führt, steigen hierzulande der Gaspreis und der Strompreis in nicht für mögliche gehaltene Höhen an. Gleiches gilt auch für den Sprit bei Diesel und Benzin sowie den Heizkosten, bei denen zuletzt ein Rekordpreis fällig wurde. Deswegen sucht die Bundesregierung fieberhaft nach Alternativen zu russischem Gas, Öl und Kohle. Der Energieversorger EWE stellt sich bereits auf alle Szenarien ein.

Gaspreis und Strompreis: Lieferungen aus Russland sollen gestoppt werden – doch zu welchem Preis?

Hinsichtlich der Frage eines sofortigen Gaslieferstopps aus Russland verweist die EWE explizit auf die Zuständigkeit der Politik. Der Energieversorger mit Sitz in Oldenburg ist sich als „Betreiber kritischer Infrastrukturen“ aber auch der eigenen Aufgabe bewusst. Und zwar gehe es darum, „sich bestmöglich auf alle derzeit denkbaren Szenarien vorzubereiten“, heißt es von EWE-Vorstandschef Stefan Dohler gegenüber der dpa im Zuge des steigenden Gaspreises und Strompreises.

Die politischen Entscheidungen der Bundesregierung hin zur Abkehr von der russischen Abhängigkeit würde man in Niedersachsen zugleich aber unterstützen. „Die im Verbund mit EU und Nato veranlassten Sanktionen“ befürwortet Dohler. Doch müsse man sich auch der Konsequenzen bewusst sein, wenn es zu einen sofortigen Lieferstopp russischer Gasmengen kommt.

Gaspreis und Strompreis: EWE befürchtet massive Einschränkungen der Gasversorgung – LNG-Terminals als mögliche Alternative

Dies würde nämlich zu massiven Einschränkungen in der Gasversorgung führen. Die EWE würde im Dialog mit den Entscheidern, darunter auch Energie- und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), deutlich machen, dass eine funktionierende Energieversorgung systemrelevant sei.

Vor dem Hintergrund steigender Gas- und Strompreise, denen die Regierungsparteien mit dem Entlastungspaket 2022 entgegenwirken, spielen auch Terminals für Flüssigerdgas (LNG) eine große Rolle. Noch sei jedoch unklar, welchen Anteil diese LNG-Terminals künftig am Gesamtgasverbrauch in Deutschland haben könnten. Die Rede war zuletzt davon, dass die LNG-Terminals bis zu „40 Prozent der russischen Erdgaslieferungen“ ersetzen könnten.

Strompreis und Gaspreis: Deutschland muss Erdgasbrücke bis 2045 sichern – doch „alternative Importkapazitäten“ fehlen

Offen ist auch noch, welche LNG-Projekte an deutschen Küsten letztendlich realisiert würden, um auf Dauer unabhängiger vom russischen Gas zu werden und den Strompreis und Gaspreis auf einem konstanten Nieveau zu halten. Konkrete Planungen zu den LNG-Teminals laufen derzeit in Wilhelmshaven, Stade und Brunsbüttel. Sowohl Bundeskanzler Olaf Scholz als auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (beide SPD) hatte sich für die Umsetzung der Projekte stark gemacht. In Stein gemeißelt ist hingegen noch nichts.

Eindeutig ist jedoch, dass wir mehr alternative Importkapazitäten benötigen, um die Erdgasbrücke bis 2045 zu sichern.

EWE-Vorstandschef Stefan Dohler gegenüber der dpa

Tatsächlich verfolgt Deutschland das Ziel, bis 2045 CO₂-neutral zu sein. Um das zu bewerkstelligen, sollen bis dahin Erdgasanwendungen als Brückentechnologie genutzt werden. Mit Blick auf einen Lieferstopp von russischem Gas und den damit verbundenen Folgen für die hiesige Wirtschaft zeigen sich aber auch die Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN) besorgt.

Gasembargo als Reaktion auf den von Putin geführten Ukraine-Krieg wäre ein „Riesenfiasko“ für Wirtschaft

„Die Folgen eines Gasembargos würden wir direkt sowohl bei den Preisen als auch bei unserer Versorgung bemerken. Es trifft schlichtweg alle“, sagt Hauptgeschäftsführer Volker Müller zur „Neuen Presse“. In diesem Kontext spricht er gar von einem „Riesenfiasko“. Und da die globalisierte Wirtschaft so sehr miteinander verwoben sei, könne nicht einmal gesagt werden, welche Branche am ehesten betroffen sein würde.

Nach Ansicht von UVN-Hauptgeschäftsfüher Volker Müller würde ein Gasembargo Niedersachsen sogar am meisten treffen. Schließlich habe man im nördlichen Bundesland viele kleine und mittelständische Unternehmen, „die maßgeblich von diesen Gaspreisen abhängig sind und nicht reagieren können“.

Alternativen zu russischem Erdgas müssen her – aber auch mehr Ehrlichkeit in Diskussion um Kohle und Atomkraft

Deswegen gehe es nun vielmehr darum, mögliche Alternativen zu stärken. Als Beispiel nennt Müller das Sparen von Energie, beispielsweise bei der Gebäudesanierung. Doch gehe es auch um Ehrlichkeit in der Diskussion um Kohle, Fracking-Gas und Atomkraft.

Was ist das bitte für ein Signal, wenn wir unsere Nachbarn bitten und betteln, uns mit Gas zu versorgen, während wir selbst die Atom- und Kohlekraftwerke möglichst bald abschalten?

Volker Müller, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN), gegenüber der „Neuen Presse“

Schlussendlich würde es nämlich nicht darum gehen, die Energiewende rückgängig zu machen. Sondern eben darum, über Notwendigkeiten zu sprechen. Und letztendlich auch zu handeln. Das tut die Ampelkoalition in Form der Energiepreispauschale, des Tankrabatts, aber auch durch den Zuschuss für Empfänger von Hartz IV, das 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn in Form eines Monatstickets für den ÖPNV oder den Kinderbonus, bei dem die Forderung von 100 auf 150 Euro aufgekommen ist. Denn steigende Strom- und Energiepreise sind schon längst die Realität für Mieter und Eigentümer, die sich auch noch in diesem Jahr mit der neuen Steuererklärung der Grundsteuer 2022 herumschlagen müssen. (mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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