Steife Arme, zittrige Beine: Anzug simuliert das Altsein

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Referentin Heike Zacharias trägt einen Alterssimulationsanzug der Wolfsburg AG in einer Modellwohnung für Senioren in Wolfsburg.

Wolfsburg - Von Klaus Sievers. Mit einem Alterssimulationsanzug können junge Menschen die Welt aus Sicht der Alten erleben. Die Wolfsburg AG leiht den Anzug Unternehmen, Behörden oder Pflegeeinrichtungen. Planer, Produktentwickler oder Designer können die Erkenntnisse nutzen.

Plötzlich werden die Arme schwer, die Finger steif, die Beine zittrig, der Rücken krumm oder die Augen schwächer: Wenn junge Menschen einen Alterssimulationsanzug anziehen, spüren sie die physischen Beeinträchtigungen älterer Menschen. So können sie lernen, deren Bedürfnisse besser verstehen. Angesichts des demografischen Wandels kann das für Planer, Produktentwickler, Designer oder Manager von Bedeutung sein. „Wer das selbst erlebt, entscheidet fortan anders“, sagt Shanna Weiser, bei der Wolfsburg AG für den Bereich Gesundheitswirtschaft zuständig.

Das Unternehmen, das je zur Hälfte VW und der Stadt Wolfsburg gehört, stellt den Altersanzug Unternehmen, Behörden oder Kliniken zur Verfügung. Rund 300 Betriebe, auch über Deutschland hinaus, haben das Angebot bislang angenommen. Sie entwickeln oder testen damit Produkte, gestalten Wohnungen oder Arbeitsplätze altersgerechter, schulen Pfleger oder sensibilisieren Mitarbeiter für die Bedürfnisse älterer Kunden.

„Unsere Auszubildenden konnten sich so besser in unsere ältere Kundschaft rein versetzen“, sagt John David Neuhaus, Bezirksmanager beim Handelskonzern Rewe für den Großraum Hannover. „Sie haben beispielsweise verstanden, warum es oft so schwierig ist, kleingedruckte Schriften auf Etiketten oder Verpackungen zu lesen“. Oder warum es sinnvoll sei, die Gänge zwischen den Regalen frei von behindernden Werbedisplays zu halten oder Sitzbänke für Einkaufspausen hinzustellen.

Fünf verschiedene Modelle gibt es in Deutschland derzeit von dem Anzug. Er lässt sich etwa in verschiedene Beeinträchtigungsstufen zwischen 20 bis 60 Prozent einstellen. Entwickelt wurde er von VW, Audi und der TU Chemnitz. Mehr als 200 wissenschaftliche Studien zum Alter wurden dafür ausgewertet.

Der Anzug besteht aus zehn Modulen: Von Brille und Kopfhörer über Gelenkschienen, Manschetten und Halskrause bis zu Spezialhandschuhen und Bleiweste. „Je nach Übung oder Schulungszweck können verschiedene Module zusammengestellt werden“, erklärt Referentin Heike Zacharias. Sie ist beim Einsatz des Anzuges vor Ort dabei, um zu erklären, wie man ihn benutzt und wie man die Ergebnisse des Tests interpretiert.

Bisher gehörten Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen zu den Kunden, berichtet Zacharias: Vom Autohersteller über Reiseveranstalter und kommunalen Touristikbüros bis zu Wohnungsgesellschaften. Auch Theater, Zahnärzte oder die Feuerwehr haben den Anzug schon erprobt. Auch im Einzelhandel gebe es viele Kunden, berichtet Weiser. „Wenn es immer mehr ältere Kunden gibt, müssen sich die Geschäfte mit ihrem Service darauf einstellen.“

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