Merkel und Althusmann in Hildesheim

CDU startet in den Niedersachsen-Wahlkampf

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Angela Merkel unterstützt Bernd Althusmann zum Wahlkampfauftakt in Hildesheim.

Hannover - Nur drei Tage nach der Bundestagswahl muss Angela Merkel wieder in den Wahlkampf. Die Wahlklatsche und die Debatte um die Zukunft von CSU-Chef Horst Seehofer beschäftigen die Union, schwierige Gespräche über die Bildung einer Jamaika-Koalition stehen an. Die Kanzlerin hätte Besseres zu tun, als in einer Halle in einem Industriegebiet in Hildesheim in die Bütt zu steigen.

Doch am 15. Oktober wählt Niedersachsen einen neuen Landtag. Und der CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann (50) braucht ihre Unterstützung. Sie komme direkt aus der Südpfalz, "da war was Trauriges", das Begräbnis von Heiner Geißler, erklärt sie gleich zu Anfang. Und findet dann doch schnell zu Schwung zurück. 

CDU: Weil soll sich von Rot-Rot-Grün distanzieren

"Niedersachsen ist Niedersachsen - sturmfest und erdverwachsen!", ruft Merkel in den Saal. Wilder Applaus. In ihrer Rede geht die Kanzlerin auf die bundespolitischen Ereignisse kaum ein. Stattdessen konzentriert sie sich auf landespolitische Themen. 

Merkel kritisiert den niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius (SPD) für seine Vorstöße, das Vermummungsverbot zu lockern und Pyrotechnik in Stadien in bestimmten Zonen zu erlauben. Schließlich fordert sie den Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) auf, sich für die Zeit nach der Wahl von der Option eines rot-rot-grünen Bündnisses zu distanzieren. "Und ich halte das für absolut zwingend, dass für ein Land wie Niedersachsen gesagt wird: Rot-Rot-Grün kommt nicht in Frage."

Fünf Merkel-Auftritte innerhalb von zwei Wochen

Fünf Mal wird die Kanzlerin in den kommenden zweieinhalb Wochen in das Bundesland reisen, um Althusmann in seinem Rennen gegen Weil zu unterstützen. Die Termine für die Merkel-Besuche stehen seit Wochen fest. Die SPD dagegen hat vor der Bundestagswahl ihre Top-Besetzungen für die Großkundgebungen nicht mitgeteilt, die ersten Termin wird Weil ohne prominente Unterstützung aus Berlin absolvieren. 

Bernd Althusmann konnte zum Wahlkampfauftakt in Hildesheim zahlreiche Unterstützer um sich versammeln.

Niedersachsen ist das einzige Flächenland, das noch von Rot-Grün regiert wird. Die CDU hofft, bald die Macht in Hannover übernehmen zu können. Aus den drei Landtagswahlen die es bislang in diesem Jahr gegeben hat, ging sie als Siegerin hervor. Im Saarland behauptete sich CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. In Schleswig-Holstein besiegte CDU-Herausforderer Daniel Günther den Amtsinhaber Torsten Albig (SPD). Zugleich gelang es Armin Laschet in Nordrhein-Westfalen, die rot-grüne Landesregierung von Hannelore Kraft (SPD) mit einem schwarz-gelben Bündnis abzulösen. 

Nach Twesten und der Bundestagswahl: Tiefe Gräben

Man habe gesehen, wie Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen von den Wechseln beflügelt seien, sagt Merkel. "Warum soll nicht auch Niedersachsen was Schönes haben?" In dem Bundesland kann die CDU laut Umfragen damit rechnen, mit 37 Prozent der Stimmen stärkste Kraft zu werden (SPD: 32 Prozent). Dennoch ist die Situation in Niedersachsen eine besondere. Die Neuwahl ist deshalb nötig, weil im August die grüne Landtagsabgeordnete Elke Twesten zur CDU übergelaufen war. Das brachte Rot-Grün um die Mehrheit - und schürte jede Menge böses Blut zwischen den Parteien. 

SPD und Grüne werfen der CDU eine Intrige vor. Eine Ansicht, die viele Menschen in Niedersachsen teilen. Althusmann hat Twestens Wechsel geschadet. Seine Zustimmungswerte sackten danach um 10 Punkte auf 24 Prozent ab. Jetzt hat ihm auch noch das Ergebnis der Bundestagswahl gezeigt, dass er seinen Traum von Schwarz-Gelb vergessen kann. In Niedersachsen zeichnen sich für die CDU die gleichen Optionen ab wie im Bund: Entweder eine große Koalition mit der SPD oder ein Jamaika-Bündnis mit FDP und Grünen. Doch die Gräben zwischen den Lagern in Niedersachsen sind nun tief. Und deshalb kann Althusmann es gebrauchen, wenn Merkel den CDU-Anhängern zum Abschied sagt: "Noch 17 Tage kämpfen. Volle Kraft voraus!"

dpa

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