Stahlbauer sammelt gute Erfahrungen mit Migranten

Hochmotivierte Talente

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Der Auszubildende Walid Mustafa bedient eine Maschine beim Stahlbaubetrieb Kirchner. Der 18-Jährige floh vor zwei Jahren aus Syrien und hat nun eine Lehre begonnen.

Oldenburg - Von Burkhard Peters. Keine Frage, Walid Mustafa will den Job. Unbedingt. Der 18-Jährige steht morgens um 4.30 Uhr auf, fährt bei Wind und Wetter kilometerweit mit dem Rad zu seiner Praktikumsstelle bei der Firma Kirchner Stahlbau in Wardenburg und gibt sein Bestes.

So viel Engagement sind die beiden Geschäftsführer, Heiko Kirchner und seine Schwester Sabine Damès, nicht gewohnt. Für Walid hat sich sein Einsatz ausgezahlt. Seit einigen Wochen lernt der inzwischen 20-Jährige bei Kirchners den Beruf des Metallbauers, Fachrichtung Konstruktionstechnik.

Diese Geschichte einer erfolgreichen Ausbildungsplatzsuche wäre nichts Ungewöhnliches. Anders bei Walid. Er ist erst vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen, auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in seiner Heimat Syrien. Die Familie hatte ihre Ersparnisse für ein Flugticket zusammengekratzt, und Walid landete als Jugendlicher mutterseelenallein in Oldenburg. Ohne jemanden zu kennen, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. In seiner neuen Heimat besuchte der junge Mann einen Integrationskursus bei der Volkshochschule und paukte die Sprache seiner neuen Heimat. „Deutsch zu lernen, ist das Wichtigste“, sagt der Auszubildende. Nach nur zwei Jahren kann er sich an seinem Arbeitsplatz problemlos verständigen. „Das ist eine unglaubliche Leistung“, lobt Ausbildungsleiterin Sabine Damès.

Der mittelständische Betrieb hat sich auf den Bau von Industriehallen spezialisiert. Der Betrieb beliefert Kunden in ganz Deutschland und darüber hinaus. Trotz des interessanten Arbeitsumfeldes mit computergesteuerter Konstruktionstechnik habe sie in den vergangenen Jahren nur schwer geeignete Azubis gefunden, bedauert Damès.

Vor gut zwei Jahren machte sie erstmals positive Erfahrungen mit einem Flüchtling. Der Iraker Hakar Khalaf suchte eine Ausbildungsstelle und stieß im Internet auf den Wardenburger Betrieb. Er ist nun schon im zweiten Lehrjahr. Obwohl auch er anfangs nur wenig Deutsch sprach, läuft es in der Berufsschule problemlos, berichtet die Ausbildungsleiterin. Die Berichtshefte der Lehrlinge könnten sich sehen lassen. Große bürokratische Hürden habe es bei der Einstellung der beiden jungen Flüchtlinge nicht gegeben. Die Agentur für Arbeit habe mit Rat und Tat zur Seite gestanden.

Die beiden jungen Männer wollen nach Ende ihrer Lehrzeit noch eine Weile im Betrieb bleiben und sich weiterqualifizieren. Sofern die Auftragslage gut bleibt, möchte Heiko Kirchner seine neuen Fachkräfte übernehmen.

In die Situation von Flüchtlingen kann sich der Firmeninhaber versetzen. Sein Großvater Erwin Kirchner kam nach dem Zweiten Weltkrieg aus Schlesien in das Oldenburger Land und musste den 1902 gegründeten Betrieb neu aufbauen. Als Kinder hörten die Geschwister Heiko und Sabine von ihren Großeltern oft die Geschichte von Flucht, Vertreibung und Neuanfang. „Die Bilder, die unsere Oma uns beschrieben hat, sehen wir jetzt jeden Tag in den Nachrichten.“

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