Auch Dörverden und Liebenau betroffen

Experten suchen nach Rüstungs-Altlasten im Harz

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Im Harz sollen Rüstungsaltlasten entfernt und dadurch Flächen saniert werden.

Clausthal-Zellerfeld -Während der Nazizeit mussten Zwangsarbeiter im Harz Sprengstoff herstellen. Noch heute belasten die Rückstände die Umwelt. Demnächst gehen die Untersuchungen auf dem Gelände eines Sportplatzes in Clausthal-Zellerfeld weiter.

Die Suche nach Rüstungs-Altlasten im Harz geht weiter. Nach Angaben des Landkreises Goslar sollen in diesem Sommer Untersuchungen zu Rückständen auf dem Gelände eines heutigen Sportplatzes in Clausthal-Zellerfeld beginnen. Dort gab es während des Zweiten Weltkrieges das Werk Tanne, in dem Sprengstoff produziert wurde. 

Außerdem soll ein altes Abwassersystem erkundet werden, durch das verunreinigte flüssige Rückstände der Sprengstoffproduktion geleitet wurden. Die Ergebnisse dieser Messungen sollen die Grundlage für weitere Untersuchungen von Boden und Wasser sein.

Minen und Bomben befüllt

Im Werk Tanne hatten Zwangsarbeiter während der NS-Zeit TNT-Sprengstoff herstellen müssen, mit dem Minen und Bomben befüllt wurden. Der Geologe Friedhart Knolle vom BUND geht davon aus, dass sich auf dem heute größtenteils bewaldeten früheren Werksgelände und im Grundwasser darunter noch immer hochgiftige Abbauprodukte der für die Sprengstoffproduktion genutzten Chemikalien befinden und die Umwelt belasten.

Damals wurden nach Angaben der Kreisverwaltung auch Produktions-Schlämme in eine Talmulde in Clausthal-Zellerfeld gebracht, die in der Nachkriegszeit mit Hausmüll und Bauschutt weiter verfüllt wurde. Später wurde das Areal abgedeckt und danach als Sportplatz genutzt. Abhängig von den Untersuchungsergebnissen soll das Gelände möglicherweise saniert werden, sagte ein Landkreissprecher. 

Auch Gewässer wurden belastet

Bei der TNT-Herstellung waren auch oberirdische Gewässer belastet worden. Die niedersächsischen Landesforsten hatten bereits 2012 zwei zum Unesco-Welterbe gehörende Teiche der Oberharzer Wasserwirtschaft durch Experten von Rüstungsaltlasten befreien lassen. Insgesamt wurden 14.000 Tonnen kontaminierter Schlamm entfernt. 

Die aktuellen Untersuchungen werden von der Firma IVG Immobilien AG finanziert. Die Rechtsnachfolgerin der in der Nazi-Zeit aktiven Rüstungsfirma Montag GmbH hatte sich mit dem niedersächsischen Umweltministerium 2014 darauf geeinigt, insgesamt 30 Millionen Euro für die Sanierung von Rüstungsaltlasten in Niedersachsen aufzuwenden.

Sanierungen in Dörverden und Liebenau vorgesehen

Sanierungen sind außer in Clausthal-Zellerfeld auch auf dem Gelände früherer Rüstungsbetriebe bei Dörverden (Kreis Verden) und Liebenau (Kreis Nienburg) vorgesehen. 

Auch für weitere ehemalige Standorte in den Kreisen Göttingen und Lüchow-Dannenberg sowie im Heidekreis wurden Untersuchungen und gegebenenfalls Sanierungen vereinbart. Nach Angaben des Umweltministeriums werden aktuell Luftbilder und Unterlagen von neun Standorten ausgewertet sowie technische Erkundungen durchgeführt.

Belastete Böden sind ein bundesweites Problem. Dazu gehören nicht nur militärische Altlasten, sondern auch frühere Standorte etwa von Tankstellen und chemischen Reinigungen. In ganz Deutschland gibt es nach Angaben des Umweltbundesamts rund 260.000 altlastverdächtige Flächen. Nur bei etwa 32.000 Flächen ist die Sanierung abgeschlossen.

dpa

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