Hunderttausende Euro verschwunden

Spenden für Afghanistan veruntreut

Niedersachsen - BERGFELD/KUNDUS (dpa) · Bei einer niedersächsischen Hilfsorganisation sind offensichtlich mehrere hunderttausend Euro Projektgelder für die nordafghanische Unruheprovinz Kundus veruntreut worden. Die Vorsitzende von Katachel e.V. in Bergfeld Bergfeld bei Wolfsburg, Sybille Schnehage, und der afghanische Ex-Projektleiter Dadgul Delawar werfen sich gegenseitig Unterschlagung vor.

Aussagen Delawars zufolge schickte die Katachel-Gründerin in den vergangenen acht Jahren mehr als eine halbe Million Euro Hilfsgelder nicht nach Afghanistan. Schnehage ging von einer ähnlichen Größenordnung veruntreuter Mittel aus, die ihrer Aussage zufolge aber Delawar unterschlagen hat. Nach Angaben des Vereins steht das Projekt unter der Schirmherrschaft des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU).

„Ich habe nicht einen Dollar für mich behalten“, sagte Schnehage. Sie könne belegen, dass bis auf die Verwaltungskosten – die im vergangenen Jahr nach Angaben des Vereins rund vier Prozent der Mittel betrugen – alle Hilfsmittel nach Kundus überwiesen und dort an Delawar ausgezahlt worden seien. Bereits vor vier Jahren habe das Bundesentwicklungsministerium ihr von der Zusammenarbeit mit Delawar abgeraten, den sie damals noch verteidigt habe. Sie habe erst später gemerkt, dass ihr langjähriger Vertrauter „mich von Anfang an massiv betrogen“ und mit Hilfsgeldern unter anderem großzügige Häuser für sich und seine Angehörigen gebaut habe.

Delawar sagte, der von Schnehage gegründete Verein habe Patenschaften für Witwen und Waisen vermittelt. 322 deutsche Spender unterstützten heute noch dieselbe Anzahl afghanischer Witwenfamilien mit monatlich 26 Euro. Seit 2002 sei aber nur rund ein Viertel der Gelder ausgezahlt worden, weil der Rest von Schnehage nicht überwiesen worden sei. Auch Schnehage schrieb an Provinzgouverneur Mohammad Omar, nur zwischen einem Drittel und einem Viertel der Gelder für die Witwenfamilien sei ausgezahlt worden. Den Rest habe Delawar „für sich genommen“. Delawar sagte, für den Bau einer Schule im Jahr 2008, deren Baukosten der Verein auf seiner Homepage mit 130 000 Euro beziffert, habe er auf Anweisung Schnehages nur 85 000 US-Dollar (rund 60 000 Euro) ausgeben dürfen. Die Vereinsvorsitzende sagte, der Ende vergangenen Jahres entlassene Mitarbeiter sei zu den Taliban übergelaufen und erpresse sie. Das sei „Quatsch“, sagte Delawar bei einem Treffen in Kundus-Stadt. Beide Seiten warfen sich vor, den Ruf des jeweils anderen beschädigen zu wollen. Schnehage sagte, unter anderem habe Delawar für einen Taliban-Kommandeur ein Auto gekauft. Sie wirft Delawars Familie außerdem vor, diese habe sie 2008 vergiften wollen.

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