Expertenmeinung

Geld anlegen: Krypto, Aktien und Co. – das empfehlen Finanz-Experten

Wie kann man schnell und effizient viel Geld sparen? Trotz Niedrig- und Negativzinsen gibt es Möglichkeiten, gespartes Vermögen gewinnbringend anzulegen. 

Hannover – Einige Hundert-Euro-Scheine zwischen den Nachthemden im Kleiderschrank, das Wechselgeld nach dem Einkauf in die Spardose im Flur oder doch besser Aktien kaufen mit dem bereits angesammelten Geld auf dem Sparbuch? Möglichkeiten gibt es viele, Geld zur Seite zu legen und es zu investieren. Doch nicht alle sind in gleichem Maße effektiv. Worauf sollte man also achten, um nicht vielleicht sogar Geld zu verlieren und wie kann man besser sparenund investieren? Ein Überblick über Aktien, Fonds, Immobilien, Edelmetalle und Kryptowährung.

Name:Europäische Zentralbank (EZB)
Hauptsitz:Frankfurt am Main
Präsident:Christine Lagarde, Frankreich
Währungsreserven:75,3 Mrd. EUR (2020)

Wenn man vom klassischen Sparen spricht, dann ist damit meistens das Verwahren von Geld auf einem Konto gemeint. Ein kleiner Zinssatz sorgt dafür, dass die zurückgelegte Summe langsam wächst. Während der Inhalt eines Girokontos für den täglichen Zahlungsverkehr gebraucht wird, eignet sich ein Sparbuch tatsächlich zum „zur Seite legen“. In der Regel werden einmal jährlich die Zinsen auf das Konto gutgeschrieben. Je nachdem, wie hoch der Zinssatz ist, wächst die Summe auf dem Konto mehr oder weniger schnell. Der Zinssatz liegt bei vielen Banken weit unter einem Prozent.

Geld anlegen 2021: Das empfehlen Experten in Zeiten von Negativzinsen

Die Zinsen sind in den vergangenen Jahren immer geringer geworden, sodass dem Wachstum auf dem Sparbuch in Zeitlupe zugesehen werden. In besonders langsamer Zeitlupe. Bei manchen Banken sogar so langsam, dass die Summe nicht wächst, sondern geringer wird. Das hängt damit zusammen, dass immer mehr Geldinstitute Negativzinsen an ihre Kunden weitergeben*. Aber wo kommen die her?

Negativzinsen sind eine Auswirkung der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die EZB versucht Geldinstitute zu animieren, überschüssiges Geldmittel als Kredite weiterzureichen, um so die Wirtschaft zu stärken. Geldinstitute müssen also Geld zahlen, wenn sie Einlagen bei der EZB haben. 0,5 Prozent. In der Theorie funktioniert das. In der Praxis geben die Institute den Negativzins als „Verwahrentgelt“ an die Kunden und Kundinnen weiter.

Negativzinsen sind eine Auswirkung der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank.

„So mancher Anbieter geht auch einen Schritt weiter und setzt das Verwahrentgelt höher als die EZB an“, erklärt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen. So verlangen einige Geldinstitute von Kunden 0,7 Prozent. Zudem ist die Schwelle, ab der das Verwahrentgelt fällig wird, gesunken - von anfänglich 100.000 Euro auf inzwischen 5.000 Euro bei einigen Anbietern. Das BGH hat zudem entschieden, dass Kunden bei Gebührenerhöhungen nun aktiv zustimmen müssen* und ein fehlender Widerspruch nicht automatisch zur Zustimmung wird.

Sparkasse und Landesbank zum klassischen Sparbuch, Zinsen und dem Wunsch, langfristig Vermögen aufzubauen

Viele Kunden sind also erstmal nicht betroffen, von der Weitergabe der Negativzinsen. Sinkt die Schwelle aber weiter, kann sich das ändern. Das klassische Sparen empfiehlt zum Beispiel Sebastian Haarbauer von der Oldenburgischen Landesbank im Filialgebiet Bremen/Syke niemandem mehr. Irgendwann kommt es sonst dazu, dass der klassische Sparer sogar Geld verliert und mehr davon hat, das Geld unter die Matratze zu legen. Sandhya Wilde-Gupta von der Sparkasse Hannover erklärt: „Wer langfristig Vermögen aufbauen will und nicht nur einfach einen ‚Notgroschen‘ zur Seite legen möchte, für den gibt es Produkte, die besser geeignet sind“.

Die Sparkasse Hannover biete Kunden einen Freibetrag von 100.000 Euro für Sichteinlagen, also Bankguthaben, für die keine bestimmte Laufzeit festgelegt ist. „Für das Produkt Normalspar, vergleichbar dem klassischen Sparbuch, gilt eine Höchstgrenze von 100.000 Euro pro Kunde“, erklärt Wilde-Gupta. Wie sich alternativ gewinnbringend Geld anlegen lässt, könne nicht pauschal beantwortet werden.

Wer langfristig Vermögen aufbauen will und nicht nur einfach einen ‚Notgroschen‘ zur Seite legen möchte, für den gibt es Produkte, die besser geeignet sind. 

Sandhya Wilde-Gupta, Sparkasse Hannover

Auch Andreas Renken Sprecher der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) erklärt, dass „der Zufluss an Einlagen bei der LzO ungebrochen hoch“ ist. „Allerdings rentieren sich diese Einlagen in der andauernden Niedrigzinsphase und unter dem Blickwinkel der aktuellen Inflationsrate für die Kundinnen und Kunden kaum“, sagt er. Auch die LzO erhebt bei „hohen Volumina“ Verwahrentgelte. Privatkunden sind ab der Grenze von 100.000 Euro pro Person betroffen. Renken betont, dass diese Regelung für den überwiegenden Teil der Kundschaft - circa 97 Prozent - nicht relevant sei.

Kostenloses Girokonto immer seltener

Unabhängig von dem sogenannten Verwahrentgelt hat die Stiftung Warentest in einem zu Beginn der Woche veröffentlichten Konten-Test festgestellt, dass nur noch 14 von 380 Girokonten tatsächlich kostenlos* sind. Oft gibt es kostenlose Angebote für Schüler oder Studenten, davon abgesehen wird aber in den meisten Fällen eine Kontoführungsgebühr erhoben.

Die Stiftung Warentest hat in einem zu Beginn der Woche veröffentlichten Konten-Test festgestellt, dass nur noch 14 von 380 Girokonten tatsächlich kostenlos sind.

Stiftung Warentest empfiehlt dazu, dass „für ein Giro­konto inklusive Girocard und Online­buchungen [sollte] niemand mehr als 5 Euro im Monat oder 60 Euro im Jahr bezahlen [sollte].“ Dieser Preis sei akzeptabel, sofern die Bank dafür Buchungen abwi­ckele, Geld­automaten bereit­stelle und Beratung sowie sichere Technik fürs Online­banking anbiete. Wer mehr bezahlt, solle über einen Wechsel nachdenken.

Verbraucherzentrale und Sparkassen über Aktien, Fonds, ETC, Gold: Welche Möglichkeiten gibt es, das eigene Geld gewinnbringend anzulegen?

Die Verbraucherzentralen empfehlen bei der Geldanlage eine „breite Streuung über unterschiedliche Produktklassen und Laufzeiten“. Damit seien Anleger auch gegen Inflation geschützt. Auch wenn sich keine pauschale Antwort darauf geben lässt, welche Sparmöglichkeit die geeignetste ist, um gewinnbringend Geld anzulegen, erklärt Wille-Gupta: „Grundsätzlich ist eine Investition in Wertpapiere im bereits seit mehr als zehn Jahren anhaltenden Niedrigzinsumfeld eine Empfehlung in der Anlageberatung“. Alles Weitere müsse in einem individuellen Beratungsgespräch geklärt werden, sagt sie.

Eine wichtige Art von Wertpapieren sind Aktien. Den Kauf dieser wollen viele auch einfach mal ausprobieren und können dies bereits mit kleinen Summen umsetzen. Aktien sind Wertpapiere, die einen Anteil an einem Unternehmen darstellen. Wie sich der Wert einer Aktie entwickelt, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Das eigene Geld durch den Aktienkauf vermehren zu wollen, ist ein Risiko. Die Möglichkeit, alles zu verlieren, ist gegeben.

Ein Aktienfonds wiederum verteilt das anzulegende Geld auf mehrere Aktien, um das Risiko zu minimieren. Insbesondere für den Anfang empfiehlt es sich, eine Beratung aufzusuchen. Auch die Verbrauchzentrale erklärt, „dass schon mit kleineren Beträgen eine breite Streuung, also der Kauf vieler verschiedener Aktien, möglich ist. Fällt der Kurs eines einzelnen Unternehmens, können Kursgewinne anderer Aktien dies kompensieren.“

Edelmetalle - wie zum Beispiel Gold - werden gerne als Möglichkeit der Geldanlage genutzt.

Natürlich kann man sein Geld auch in Dinge investieren, deren Wert mit der Zeit (hoffentlich) steigt. Beliebt sind Edelmetalle, wie Gold. Vor allem in Krisenzeiten ist das Edelmetall für viele Anleger eine wertstabile Alternative zu herkömmlichem Bargeld. So trieb die Corona-Pandemie den Goldpreis im Jahr 2020 auf ein Allzeithoch, berichtet die Zeitschrift „Finanztest“ (Ausgabe 8/2021).

Der Wert kann jedoch stark schwanken. Es besteht die Möglichkeit, das Metall in Barren zu kaufen, aber auch Münzen sind möglich. Mit Gold-ETC ist der Erwerb aber ebenso in Form von Wertpapieren möglich. ETC steht für Exchange Traded Commodities. ETC bilden den Wert von Rohstoffen sowie dessen Entwicklung ab. Die Verbraucherzentralen raten jedoch zur Vorsicht, da Edelmetalle keine Zinsen oder Dividenden böten und Gewinne nur gemacht würden, wenn der Kurs steigt.

Ist es noch sinnvoll in Immobilien zu investieren? Das sagen Experten

Auch Andreas Renken von der LzO macht deutlich, dass alternative Sparmöglichkeiten von den persönlichen Zielen, Wünschen und der persönlichen Mentalität der Person abhängen. „Wir empfehlen, beim Vermögensaufbau auf das Gespräch mit einer Beraterin bzw. einem Berater zu vertrauen und dabei verstärkt auf Immobilien und Wertpapiere zu setzen. Insbesondere im Wertpapierbereich ist es wichtig, kontinuierlich zu sparen und eine langfristige Anlageperspektive im Blick zu haben“, sagt er.

Insbesondere im Wertpapierbereich ist es wichtig, kontinuierlich zu sparen und eine langfristige Anlageperspektive im Blick zu haben.

Andreas Renken, Sprecher der Landessparkasse zu Oldenburg

Die Geldanlage in Immobilien ist eine Möglichkeit. Baukredite sind aktuell günstig. Allerdings erwarten Finanzexperten, dass die Hypothekenzinsen auch wieder ansteigen. Wann das passiert, sei wie ein Blick in die Glaskugel, sagt Helene Klinger vom Institut für FInanzdienstleistungen (iff) in Hamburg. Jens Tolckmitt, Hauptgeschäftsführer des Verbands der deutschen Pfandbriefbanken (vdp), gibt zumindest eine Schätzung ab: „Es ist zu erwarten, dass die Bauzinsen kurz- bis mittelfristig auf niedrigem Niveau bleiben werden“. Mittelfristig bedeutet in etwa im nächsten halben Jahr. Selbst danach seien keine deutlichen Zinssprünge abzusehen.

Kryptowährung erklärt: Geld digital investieren

Eine etwas neuere Investitionsmöglichkeit sind sogenannte Kryptowährungen, wie Bitcoin, Dogecoin oder Ethereum. Man hört immer wieder von dieser rein digitalen Währung. Anders als zum Beispiel der Euro werden Kryptowährungen privat verwaltet. Transaktionen mit Kryptowährung werden in einer Blockchain auf vielen Computern gespeichert. Dadurch sind diese relativ sicher vor Fälschungen.

Jeder Computer, der in dieser Kette ist, ist gleichzeitig ein weiter Punkt im Netzwerk. Um zu fälschen, müsste auf jeden Knoten in dem Netz zugegriffen werden. Mit der Blockchain werden Transaktionen mit Kryptowährungen nicht nur dokumentiert, sondern auch geprüft. Der Wert der Währung unterliegt, wie auch jede andere, Schwankungen. Nur sind diese bei Kryptowährungen sehr viel volatiler. Das macht Investieren in Kryptowährung gleichzeitig sehr lukrativ und sehr riskant.

Neue Bitcoin werden von Nutzern mithilfe mathematischer Verfahren erstellt, das nennt man „Mining“. „Es gibt eine fixe Anzahl an Bitcoin, und je mehr erzeugt werden, umso aufwendiger wird es, weitere zu erzeugen“, sagt Caspar von Allwörden, Redakteur beim Fachmagazin „t3n“. Obwohl digital, ist der Bitcoin eine begrenzte Ressource, es kann maximal 21 Millionen davon geben. „Das macht ihn für Spekulation interessant.“

Eine relativ junge Anlagemöglichkeit sind die sogenannten Kryptowährungen. Die erste und vermutlich bekannteste ist der Bitcoin.

Wer also plant, sein Geld nicht nur zur Seite zu legen, sondern es auch gewinnbringend anzulegen, hat viele verschiedene Möglichkeiten. Sich vorab genau zu informieren und beraten zu lassen, sollte zu den ersten Schritten gehören. Egal ob kleine Summen oder große, eine schlechte Investition ist umso ärgerlicher, wenn sie darin begründet ist, dass man sich nicht ausreichend informiert hat. Auch sollte nur mit Geld spekuliert werden, das man ohnehin übrig hat. Mit Material der dpa. * kreiszeitung.de, merkur.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: Arne Dedert / picture alliance / dpa

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