Fake-News zu Impfungen für Kinder

Werden Eltern bestraft, wenn sie ihre Kinder nicht gegen Corona impfen lassen?

In sozialen Medien kursiert ein Dokument in dem behauptet wird, dass Eltern Strafen drohen, sollten sie ihre Kinder nicht gegen Corona impfen lassen. Ein Faktencheck.

Hannover - Die Impfkampagne gegen das Corona-Virus ist im vollen Gange, ab 7. Juni soll bundesweit die Priorisierung von Risikogruppen aufgehoben werden. Derzeit prüft die Europäische Arzneimittelbehörde EMA die Zulassung eines Covid-19-Impfstoffes für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren. In den sozialen Medien wird hingegen bereits über Details für eine mögliche Impfkampagne spekuliert.

Virus:Coronavirus, Covid-19
Vorkommen:weltweit
Erster bekannter Fall:1. Dezember 2019

Das bietet viel Raum für Fake-News. Auf Facebook etwa kursiert seit einigen Tagen ein angebliches Dokument des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), in dem unter dem original Logo des BMG behauptet wird, dass Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, mit empfindlichen Geldbußen bis hin zu Kindesentzug oder Haft bestraft werden sollen. Titel: „Diskussionspapier zu Maßnahmen gegen Erziehungsberechtigte die bzgl. der Covid-19-Impfung ihrer Schutzbefohlenen eine ablehnende Verweigerungshaltung einnehmen“. Jüngst zog eine Fake-News Kreise, in der behauptet wird, dass Parasiten über Antigen-Tests verbreitet würden.

Vorsicht Fake-News: Papier aus dem Gesundheitsministerium ist voller Grammatik- und Kommafehler

Außer, dass die in dem Papier vorgesehenen Strafen völlig hanebüchen sind, strotzt das Papier so sehr vor Grammatik- und Kommafehlern, dass es eigentlich jedem gleich auffallen müsste, dass es sich dabei um eine ganz billige Fälschung handelt. Das bestätigt auch das Bundesgesundheitsministerium. Wenn eine Impfung für Kinder und Jugendliche kommt, wird sie nach derzeitigem Stand freiwillig sein.

Bereits ein paar Details des Papiers deuten auf eine plumpe Fälschung hin. Neben den bereits erwähnten Grammatikfehlern oder fehlende Kommas, stimmt auch ein Datum nicht. In dem Papier des BMG heißt es, die vermeintlich vorgeschlagenen Maßnahmen sollten im Gesundheitsausschuss des Bundestages am 1. Juni 2021 diskutiert werden. An diesem Tag ist aber laut der offiziellen Internetseite des Ausschusses kein Termin angesetzt.

Strafen für Impfverweigerer: Ministerium bestätigt, dass es sich um eine Fälschung handelt

Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, dass es sich nicht um ein offizielles Schreiben handele. „Das Papier ist eine Fälschung“, teilte ein Sprecher mit.

Auf Facebook kursiert derzeit ein Dokument in dem behauptet wird, dass Eltern, die ihre Kinder nicht gegen Corona impfen lassen, Strafen drohen. (kreiszeitung.de-Montage)

Die Entwicklung von Konzepten für die Impfung von Kindern und Jugendlichen ist nach Angaben des Ministeriumssprechers Aufgabe der Bundesländer – nicht des BMG. Darauf hat sich die Gesundheitsministerkonferenz von Bund und Ländern Anfang Mai geeinigt. In dem Beschluss ist von einem „Impfangebot“ die Rede. Auch Gesundheitsminister Spahn hatte Mitte Mai eine Verpflichtung zur Impfung ausgeschlossen – es bleibe eine freiwillige Entscheidung.

Bislang ist sowieso noch kein Corona-Impfstoff für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren in Deutschland zugelassen. Biontech und Pfizer haben zwar bei der Europäischen Arzneimittelbehörde Ende April den Antrag dafür gestellt, dieser wird aber derzeit noch geprüft.

Corona-Impfung für Kinder: Stiko prüft derzeit, ob Kinder überhaupt geimpft werden müssen

Auch ob die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland eine Empfehlung aussprechen* wird, ist derzeit noch unklar. In einem Deutschlandfunk-Interview sagte der Vorsitzende Thomas Mertens, er könne nicht ausschließen, dass die Stiko die Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche verweigert. Das Gremium prüfe derzeit noch*, wie hoch das Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung für diese Gruppe* tatsächlich sei. * kreiszeitung.de, 24hamburg.de und echo24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Zacharie Scheurer/dpa & IMAGO / agrarmotive

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